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Politik

Pressestimmen von Montag, 05. Januar 2004

Georgien wählt neuen Präsidenten / Große Ratsversammlung in Afghanistan verabschiedet Verfassung / Landung der Marssonde Spirit

Die Verabschiedung einer Verfassung für Afghanistan ist das zentrale Thema für die Tageszeitungs-Kommentatoren. Große Beachtung fand außerdem die Landung der Us-amerikanischen Raumsonde Spirit auf dem Mars:

Hören Sie jedoch zu Beginn einen Auszug aus der NEUEN OSNABRÜCKER ZEITUNG zur Präsidentschaftswahl in Georgien:

"Das Volk in Georgien leidet an der verfehlten Innenpolitik. Hier kann Michail Saakaschwili, der den Kampf gegen die Korruption zum ersten Ziel ernennt, schnell Pluspunkte sammeln, wenn er Reformen angeht und mit berechenbarer Politik ausländische Investoren ins Land holt."

Nun zu Afghanistan. Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG aus München hofft, dass mit der Verfassung eine bessere Zukunft für das Land am Hindukusch anbricht:

"Dies ist die Geburtsstunde des neuen Afghanistans - und ein Grund zu feiern: Nach 25 chaotischen, kriegerischen, blutigen Jahren bekommt Afghanistan eine neue Chance. Ob sie genutzt wird, hängt nicht mehr allein von der ausländischen Unterstützung ab, sondern vor allem von den jetzt gleichsam erwachsen gewordenen Afghanen selber. Eine bessere Zukunft gibt es nur, wenn sie endlich die Vergangenheit ruhen lassen können."

Dass dies gelingt, bezweifelt indes die Zeitung NEUES DEUTSCHLAND aus Berlin:

"Wie viel die neue Verfassung wert ist, muss sich indes noch erweisen. Eine islamische Rechtsprechung - die Scharia - ist zwar nicht ausdrücklich vorgesehen, aber auch nicht ausgeschlossen. Dass sich das Land 'Islamische Republik' nennt und nicht 'Republik Afghanistan' gibt einen Fingerzeig über die Kräfteverhältnisse in der Loya Jirga. Die Warlords bestimmen jenseits von Kabul was Sache ist. Ihre Entwaffnung steht weiter aus. Auch größere Fortschritte beim Wiederaufbau des Landes lassen auf sich warten. Die Bevölkerung desillusioniert nahezu zusehends. Dass auf diesem Terrain Demokratie gedeihen kann, ist höchst unwahrscheinlich. Daran dürfte die Verfassung leider wenig ändern."

Nicht ganz so schwarz sieht es die MITTELDEUTSCHE ZEITUNG aus Halle:

"Im Süden und Westen des Landes wird weiterhin gekämpft, der wirtschaftliche Aufbau kommt nur langsam voran, Anbau und Schmuggel von Opium nehmen zu. Der Beschluss einer Verfassung ist nur einer von vielen Schritten auf Afghanistans Weg in eine bessere Zukunft. Die Delegierten der Ratsversammlung haben allerdings ihren fortgesetzten Willen bewiesen, konstruktiv an dieser Zukunft mitzuarbeiten. Zum Jahresbeginn ein politisches Signal, das hoffen lässt."

Gleichwohl sieht auch die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG noch viele Fragezeichen zur Zukunft des geschundenen Landes:

"Afghanistan ist ein Staat. Ob daraus eine Nation werden kann, muss sich erst zeigen. Nach Abschluss ihrer Tagung werden die Delegierten in ihre Regionen zurückkehren. Dort sind sie anderen Einflüssen ausgesetzt. Und es ist nicht gesagt, dass jeder, der sich in der Hauptstadt noch kompromissbereit gezeigt hat, die Kraft haben wird, zu seinem Votum zu stehen."

Der Berliner TAGESSPIEGEL äußert sich zum Unternehmen Marslandung, bei dem die NASA die Nase vorn hatte:

"Hätten die Europäer lieber darauf verzichten sollen, sich auf einen Wettlauf einzulassen, bei dem sie nur den Kürzeren ziehen konnten? Diese Frage wird nun immer häufiger gestellt. Tatsächlich war das Risiko, das die Europäische Raumfahrtbehörde ESA einging, sehr viel höher als das der NASA, die deutlich mehr Aufwand für ihre Marslandung betrieben hat. Womöglich haben die technischen und finanziellen Mittel der ESA nicht ausgereicht, ein derartiges Weltraumabenteuer zu bestehen. Doch Raumfahrt ist seit jeher riskant. Die ESA hat ihre teure Raumsonde 'Mars-Express' sicher ans Ziel gebracht. Der kleine 'Beagle' war ein spektakuläres, zusätzliches Experiment. Er war das Risikokapital, das zum Gutteil die Briten bereit stellten, von denen die Idee für den Roboter kam. Die ESA hat dieses Risiko nur nie öffentlich benennen wollen. Und Pech gehabt."

Der WESTFÄLISCHE ANZEIGER aus Hamm fragt grundsätzlich nach dem Sinn der Weltraum-Expedition:

"Natürlich müssen 'wir' nicht wissen, ob der ein oder andere Planet jemals Mikroorganismen hätte hervorbringen können. Warum es dennoch erlaubt sein muss, viel Geld für ein 173 Kilo schweres Stück hässlicher Elektronik auszugeben und dessen 400 Millionen Kilometer entfernte Abenteuer fasziniert zu verfolgen? Weil sich die in weiten Teilen längst angeschlagene Menschheit ohne solche Träume, Visionen und Illusionen selbst auch des letzten Funkens Hoffnung berauben würde."

  • Datum 04.01.2004
  • Autorin/Autor Frank Gerstenberg
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  • Permalink http://p.dw.com/p/4WPm
  • Datum 04.01.2004
  • Autorin/Autor Frank Gerstenberg
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