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Politik

Pressestimmen von Mittwoch, 9. August 2006

Libanon / Ölpreis

Der Vorschlag der libanesischen Regierung, eigene Soldaten in den Südlibanon zu entsenden um der Hisbollah Einhalt zu gebieten und der nach der Schließung des größten US-Ölfelds in Alaska sprunghaft gestiegene Ölpreis sind an diesem Mittwoch die wichtigsten Kommentarthemen deutscher Tageszeitungen. Dabei findet der Plan des Libanon ein unterschiedliches Echo.

Sehr skeptisch gibt sich die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG:

"Israel wird seine Truppen freilich so bald nicht aus dem Nachbarland herausnehmen, obschon Ministerpräsident Olmert den libanesischen Plan nicht rundheraus ablehnt. In Jerusalem traut man der Stärke, vor allem dem Zusammenhalt der konfessionell gemischten libanesischen Armee nicht und schon gar nicht der Hisbollah, die jetzt in Beirut ebenfalls für den Plan gestimmt hat. Für Israel ist der Waffengang nicht eine Militäraktion wie frühere, etwa 1978 die Operation Litani; man nimmt vielmehr die Vernichtungsphantasien und Drohungen des iranischen Staatspräsidenten Ahmadineschad bitterernst."

Auch die FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND sieht allenfalls einen Hoffnungsschimmer:

"Militärisch deutet im Libanon nichts auf Entspannung hin. Doch auf diplomatischer Ebene zeichnen sich Umrisse einer Lösung ab, um ein Ende des Krieges zu erreichen. Libanons Armee könnte das Vakuum füllen, das mit dem Abzug Israels entstehen würde. Sie bräuchte dabei rasche und umfassende Unterstützung durch den Westen, denn sie ist ein Spiegel der Zerrissenheit des Landes und unerprobt im Kampf. Ein idealer Plan ist das nicht. Aber ein besserer ist nicht in Sicht."

Die FRANKFURTER RUNDSCHAU teilt die Skepsis, meint jedoch:

"Der Vorschlag aus Libanon eröffnet doch eine neue Chance. Auch wenn die nicht eben schlagkräftige libanesische Armee sicher nicht die Idealbesetzung zur Grenzsicherung abgibt - unter den vorhandenen Alternativen ist sie noch die Beste. Vor allem, wenn sie möglichst bald unterstützt wird von einer wehrhaften multinationalen Truppe."

Dagegen heißt es im WESTFALEN-BLATT aus Bielefeld:

"Sollte die Stationierung von 15000 libanesischen Soldaten im Süden des eigenen Landes die Zustimmung aller finden, gäbe es erstmals eine Perspektive. Beide Seiten dürften sich als Sieger fühlen: Israel hätte erreicht, was Beirut aus eigener Kraft in den vergangenen Jahren nicht schaffte. Zugleich wäre ein israelischer Rückzug der größte Triumph für die sich dann als unbesiegt feiernde Hisbollah."

Und die in Berlin erscheinende TAGESZEITUNG meint:

"Der Beschluss der libanesischen Regierung, eine eigene Stabilisierungstruppe von 15.000 Mann im Süden des Landes zu stationieren, könnte einen Durchbruch bei den Beratungen im Sicherheitsrat bewirken. Es ist blamabel genug für die EU, dass erst ein Vorschlag von arabischer Seite und eine Vetodrohung Moskaus die Chance auf eine angemessene Resolution des Sicherheitsrates und eine praktikable Waffenruhe bieten. Die bloße Aussicht, vorerst keine eigenen Truppen in das nahöstliche Minenfeld schicken zu müssen, sollte das Umdenken in Berlin, London und Paris freilich beschleunigen."


Mit der Entwicklung des Ölpreises befassen sich die WESTFÄLISCHEN NACHRICHTEN aus Münster:

"Das teure Rohöl ist allerdings nicht eine Folge knapper Mengen. In den vergangenen drei Monaten wurden laut Internationaler Energieagentur weltweit Tag für Tag 1,8 Millionen Barrel Öl mehr gefördert als verbraucht. Die meisten Lager sind also derzeit gefüllt, Erdöl ist somit kein knappes Gut. Spekulanten bei Banken, anderen Finanzdienstleistern und Ölkonzernen nutzen jedoch die Unsicherheit, um kräftig Kasse zu machen."

Ähnlich die PFORZHEIMER ZEITUNG:

"Der Rohölpreis wird längst von anderen Faktoren als der Verfügbarkeit bestimmt. Zum Beispiel von Spekulanten an den Finanzmärkten. Sie verschieben Optionsscheine, Futures und Derivate mit dem Ziel der Gewinnmaximierung. Jede scheinbar schlechte Nachricht sorgt für höchste Nervosität, die unwillkürlich in Verteuerung mündet."

Und die KIELER NACHRICHTEN bemerken:

"Gemessen am weltweiten Verbrauch ist der vorübergehende Mengenausfall des Alaska-Ölfeldes verschwindend gering. Gemessen an allen denkbaren Risiken für die Welt-Ölversorgung ist die reparaturbedingte Stilllegung einer US-Pipeline eines der am leichtesten zu beherrschenden. Und doch: An allen Ölhandelsplätzen herrscht Panik. Schon seit langem werden aus geringfügigem Anlass fast täglich neue Höchstpreise notiert. Objektive Gründe dafür gibt es nicht. Gleichwohl: Verschärften sich die politischen Spannungen mit dem Iran weiter, wäre das Chaos programmiert."

Die in Karlsruhe erscheinenden BADISCHE NEUE NACHRICHTEN kritisieren:

"Nicht nur die Ferienzeit und die Krisen im Nahen und Mittleren Osten lassen die Spritpreise steigen, jetzt sorgt der Ausfall eines riesigen Ölfeldes im fernen Alaska für einen weiteren Preisschub. Jahrelanger Schlendrian bei der Wartung der Pipelines im hohen Norden Amerikas fordert seinen Tribut. Die Zeche zahlen dürfen die Verbraucher und dies nicht nur in den USA, sondern auch in Europa.

Dazu bemerkt der SCHWARZWÄLDER BOTE aus Oberndorf:

"Meistens ist es der Ferienbeginn, oder der Dollarkurs. Diesmal ist es eine verrostete Ölpipeline in Alaska, die die Spritpreise hoch treibt. Wie schön für BP, eine neue Ausrede parat haben zu können. An der boomenden Weltförderung ist das ausgefallene Ölfeld gerade mal mit einem halben Prozent beteiligt. Aber, auch wenn es schon 100 Mal gesagt wurde: Den Reibach machen nicht allein die Konzerne. In Deutschland ist der größte Abkassierer an den Zapfsäulen immer noch Vater Staat. Und der tut alles dafür, dass Autofahren 2007 noch teurer wird."
  • Datum 08.08.2006
  • Autorin/Autor Gerhard M Friese
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  • Permalink http://p.dw.com/p/8vAS
  • Datum 08.08.2006
  • Autorin/Autor Gerhard M Friese
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