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Politik

Pressestimmen von Mittwoch, 7. November 2007

Neue IG-Metall-Spitze

Richtungswechsel an der Spitze der größten deutschen Gewerkschaft: Mit großer Mehrheit wurde der als Modernisierer geltende, bisherige Zweite Vorsitzende Berthold Huber zum neuen IG-Metall-Vorsitzenden gewählt. Der 57-Jährige erreichte das beste Ergebnis seit 35 Jahren. Zu seinem Stellvertreter bestimmte der Gewerkschaftstag in Leipzig Detlef Wetzel. Den Wechsel beleuchten auch viele Kommentatoren der deutschen Tagespresse.

In der WELT aus Berlin ist zu lesen:

„Das neue Führungsduo steht für Pragmatismus und eine flexiblere Tarifpolitik. Huber und sein Vize Detlef Wetzel präsentierten sich den Delegierten eher als smarte Interessensmanager, denn als polternde Gewerkschaftsführer alten Typs. Doch die beiden Lager in der IG Metall sind mit dem Gewerkschaftstag in Leipzig nicht verschwunden. Sie beäugen sich weiter misstrauisch. Die Traditionalisten wurden nach dem Abgang ihres Frontmanns Jürgen Peters mit einflussreichen Vorstandsposten abgefunden. In Personalfragen demonstriert die Gewerkschaft Einigkeit. Das überdeckt, dass sie in Sachfragen wenig zu bieten hat – außer ‚Nein’ zu sagen. Als Erfolg gilt den Metallern, wenn Reformen blockiert oder gar rückgängig gemacht werden können.“

Die NEUE PRESSE aus Hannover meint:

„Von der neuen IG-Metall-Spitze ist keine radikale Kursänderung zu erwarten. Schon seit vier Jahren hat sich Huber ja als IG-Metall-Vize um eine flexiblere Tarifpolitik gekümmert, die die Belange der einzelnen Betriebe stärker berücksichtigt. Hier dürfte es eher behutsame Fortschritte geben, für schnelle Manöver taugt der Tanker IG Metall nicht. Wichtiger könnte die politische Positionierung sein. Schafft es Huber, der Gewerkschaft wieder mehr politisches Gewicht zu verschaffen? Die Blockadehaltung seines Vorgängers Jürgen Peters hat der IG Metall geschadet.“

Zum künftigen Kurs schreibt die FRANKFURTER RUNDSCHAU:

„Die Mitgliederorientierung, die Wetzel und Huber anstreben, beeinflusst auch die politische Ausrichtung der Gewerkschaft. Wer die Basis einbezieht, kann keine randständigen Positionen vertreten. So gesehen haben diejenigen recht, die sagen: Die neue IG-Metall-Spitze will die Organisation in der gesellschaftlichen Mitte aufstellen. Nur wenn die IG Metall stark ist, wird sie auch auf der politischen Bühne gehört – so dürfte das Kalkül des neuen Tandems lauten.“

Zum Schluss zitieren wir die Ansicht der MÄRKISCHEN ALLGEMEINEN aus Potsdam:

„Große Kursänderungen der IG Metall sollte niemand erwarten. In sozialpolitischen Fragen, etwa der Kritik an der Rente mit 67, vertritt der neue Vorsitzende Huber kaum andere Positionen als sein Vorgänger Peters. Und die gerne als dogmatisch gescholtenen Metaller vereinbaren längst pragmatisch mit notleidenden Firmen Abweichungen vom Tarifvertrag. Das geschlossene Bild, das die IG Metall abgibt, dürfte in vielen Unternehmenszentralen wohlwollend betrachtet werden.“