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Politik

Pressestimmen von Mittwoch, 6. Juli 2005

Korruption bei Volkswagen / Vor dem G8-Gipfel in Schottland

Der Korruptionsskandal bei Volkswagen hat die Diskussion um die Mitbestimmung in deutschen Unternehmen und um das VW-Gesetz neu entfacht. Politiker und Auto-Experten sprechen sich zudem für eine Offenlegung von Betriebsrats-Gehältern aus. Deutsche Tageszeitungen kommentieren das Thema an diesem Mittwoch wie folgt:

'VW hat sich ein Regelwerk gegeben', schreibt etwa die FRANKFURTER ALLGEMEINE, 'das der modernen Führung und Kontrolle von Unternehmen nicht gerecht wird. Offenbar ist dem Konzern der Ausflug in die Luxusklasse zu Kopf gestiegen. Das gilt nicht nur für Reisekosten und Spesenabrechnungen, sondern auch in der Produktion, wo die Autos Phaeton und Bugatti an den Bedürfnissen des Marktes vorbei entwickelt wurden, während der klassische VW für viele Normalverdiener zu teuer und zudem noch von fraglicher Qualität ist. Während die Belegschaft auf neue Sparrunden eingeschworen wird, sickern immer mehr pikante Details durch, wie in der Führungsetage das Geld verjubelt wurde. In der Krise liegt die Chance zum Ausmisten.'


Bei den WESTFÄLISCHEN NACHRICHTEN aus Münster lesen wir:

'Das "Modell VW" ist in Deutschland einmalig. Diese Einmaligkeit wurde lange Jahre von allen politischen Lagern positiv gesehen. Jetzt zeigt sich, dass die Erfolge auf Sand gebaut waren. Nicht nur die Korruptionsvorwürfe deuten darauf hin. Auch der betriebswirtschaftliche Zustand des Konzerns ist bedenklich. Weltweite Absatzprobleme kontert VW-Chef Pischetsrieder mit immer neuen Sparvorschlägen. Hier scheint sich ein Fass ohne Boden aufzutun. Doch bevor die Zahlen wieder ins Lot gebracht werden, muss zunächst das Konzern-Personal gründlich unter die Lupe genommen werden. Auch das VW-Gesetz sollte dem Großreinemachen zum Opfer fallen.'


Hier noch ein Blick in den EXPRESS aus Köln:

'Man kann es den VW-Arbeitern am Fließband nicht verdenken, wenn sie empört und frustriert sind. Während der Vorstand des kriselnden Autobauers von ihnen immer neue Einsparungen verlangt, wird auf der Führungsebene ungeniert abkassiert. Staunend erfahren die Malocher, dass nicht nur Manager Schmiergelder genommen und den Konzern betrogen haben sollen. Ausgerechnet Betriebsräte, die eigentlich die Interessen der Arbeitnehmer vertreten sollten, stecken offenbar besonders tief drin im Korruptionssumpf bei VW. Wenn sich die Berichte über Sex auf Firmenkosten für Gewerkschaftsbosse bestätigen sollten, steht aber nicht nur der IG Metall in Wolfsburg ein massives Glaubwürdigkeitsproblem ins Haus. Auch das Vertrauen in den Vorstand, der mit solchen Gefälligkeiten die Zustimmung der Arbeitnehmerseite erkauft haben soll, wäre dahin.'


Der TAGESSPIEGEL aus Berlin formuliert seine Erwartungen zum bevorstehenden G8-Gipfel in Schottland:

'Die Frage, wie zeitgemäß G 8 in Zeiten der Globalisierung ist, sollte nicht mit Strukturen, sondern mit Inhalten beantwortet werden. Dafür ist Gleneagles ein gutes Beispiel. Tony Blair, der Gastgeber, hat Afrika und Klimaschutz gegen viele Widerstände auf die Tagesordnung gesetzt. Nicht nur aus der deutschen Delegation ist murrend zu hören, dass ein Weltwirtschaftsgipfel sich doch vor allem mit Wirtschaft zu befassen habe, zum Beispiel den steigenden Ölpreisen. Nun wird er das erstens tun; so folgenlos der Ruf nach mehr Markttransparenz und weniger Spekulation auch bleiben dürfte. Zweitens muss man anerkennen, dass Blair seine Reizthemen nach erfolgreicher Wiederwahl nicht einfach fallen ließ. Es gibt ja auch Erörterungsbedarf, zum Beispiel, ob Afrika wirklich immer mehr Geld aus dem Westen benötigt oder Handelserleichterungen nicht besser wären.'


Die LANDESZEITUNG aus Lüneburg meint zu diesem Thema:

'Eine Verdoppelung der Entwicklungshilfe forderte Bob Geldorf, Initiator der Live-8-Konzerte, von den acht führenden Staatsmännern. Fingerschnippend bezeugten Musiker und Schauspieler, wie wenig hinnehmbar es sei, dass alle drei Sekunden ein Kind an den Folgen der Armut stirbt. Wie wahr, aber auch wie einfältig. Die Hilfe lähmte Afrika. Spenden erreichten meist nur korrupte Bürokratien, nicht die Menschen. (...) Immer mehr Afrikaner fordern ein Umdenken. Kippt der Westen seine Agrarsubventionen, hilft er mehr als durch Getreidespenden. Senkt er Zölle und Handelsbarrieren, schafft er Anreize, sich dem Wettbewerb zu stellen. (...) Doch der konzertierte Auftritt der Gutmenschen setzte andere Vorzeichen: Großzügig werden die Reichen ihr Gewissen erleichtern - und die Armut dabei zementieren.'

  • Datum 05.07.2005
  • Autorin/Autor zusammengestellt von Gerd Winkelmann
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  • Permalink http://p.dw.com/p/6st2
  • Datum 05.07.2005
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