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Politik

Pressestimmen von Mittwoch, 29. August 2007

Gül neuer türkischer Staatschef

Ungeachtet des Widerstands des Militärs ist der frühere Islamist Abdullah Gül zum neuen Präsidenten der Türkei gewählt worden. Er schlug noch einmal versöhnliche Töne an und bekannte sich zu den säkularen Grundsätzen der Republik. Auch die Meinungsmacher der deutschen Tagespresse hoffen durchweg, eine demokratische Türkei möge sich zum Mode ll für die islamische Welt entwickeln.

Der TAGESSPIEGEL aus Berlin sieht die Türken auf dem richtigen Weg: 'Mit der Wahl von Außenminister Gül zum neuen Staatspräsidenten geht die Türkei gestärkt aus der Krise der vergangenen Monate hervor. Sie hat eine Regierung mit frischem Wählerauftrag, einer Reformagenda und einer stabilen Mehrheit im Parlament. Das bedeutet, dass sich die EU von der Vorstellung verabschieden muss, das Thema Türkei würde sich wegen der innenpolitischen Lage in Ankara von selbst erledigen. Die Türkei wird sich in Brüssel zurückmelden. Aber nicht nur für die EU und die Türkei selbst wird es wieder spannend. Viele Menschen im Nahen Osten blicken mit Bewunderung auf die Türken, weil ihnen das Experiment einer Verbindung von Islam und Demokratie zu gelingen scheint.'

Auch das HANDELSBLATT aus Düsseldorf setzt auf eine Vorbildfunktion des Landes am Bosporus: 'Für die Türkei stellt Güls Wahl eine wichtige Station auf dem Weg zur Emanzipation von der Vormundschaft der Militärs dar. Das ist für das Land zugleich ein großer Schritt in Richtung Europa. Aber die Bedeutung dieser Wahl geht weit darüber hinaus. Sie schafft die Voraussetzungen dafür, dass der wichtigste Partner des Westens in dieser komplizierten Region stabilisiert wird und ein Modell für die Versöhnung von Islam und Moderne entsteht, das in die ganze muslimische Welt ausstrahlen kann.'

Die FRANKFURTER ALLGEMEINE wirft einen Blick zurück und bilanziert: 'In der Türkei hat in den vergangenen Jahren nicht weniger statt gefunden als eine kleine Kulturrevolution. Die bis dahin fast unumschränkt herrschende kemalistische Elite sieht sich seit Gründung der AKP im Jahre 2001 von Milieus politisch herausgefordert, die jahrzehntelang als randständig galten und teilweise im radikalen Islam Necmettin Erbakans ihr Heil suchten. Zu diesen Kräften gehörten auch Ministerpräsident Erdogan und Abdullah Gül. Dass sie sich davon freimachten und nun moderatere Wege zu gehen versuchen, wird gewiss auch in anderen islamischen Ländern mit Int eresse verfolgt,' meint die FAZ.

Ein durchaus sympatisches Bild zeichnet die OSTSEE-ZEITUNG aus Rostock vom neuen Staatschef: 'Seine Wahl bietet für das Ausland keinen Anlass für überzogenes Misstrauen. Im Gegenteil. Der weltgewandte Gül ist von Berlin, Brüssel bis Washington anerkannt. Er steht für einen Islam-Light, Demokratie und eine prowestliche Orientierung. Vielleicht kann der Mann mit dem Schnurrbart sogar zu einem wirklichen Brückenbauer werden. --- Was den von Ankara angepeilten Beitritt zur EU betrifft, macht es Präsident Gül den Europäern und vor allem der deutschen Kanzlerin Merkel schwerer, beim klaren Nein zu bleiben. Frankreichs Präsident Sarkozy rudert bereits vorsichtig zurück.' Soweit die Presseschau.