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Politik

Pressestimmen von Mittwoch, 19. September 2007

OECD über Bildung in Deutschland

Trotz aller Reformbemühungen ist das deutsche Bildungssystem im internationalen Vergleich erneut durchgefallen. Zu wenig Akademiker, drohender Fachkräftemangel, niedrige Investitionen und fehlende Chancengleichheit - die jüngste Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zählt viele Schwachstellen auf. Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) bekommt da von den Meinungsmachern der deutschen Tagespresse vor allem Häme und Polemik zu hören.

Der KÖLNER STADT-ANZEIGER mahnt, die OECD-Diagnose ernst zu nehmen:

'Herumgedoktert haben die Politiker in den vergangenen Jahren viel am Bildungssystem. Ausreichende Konsequenzen haben sie jedoch nicht gezogen. In Deutschland gibt es zu wenige Akademiker. Das liegt nicht zuletzt an der hohen Abhängigkeit des Bildungserfolgs von der sozialen Herkunft. Kinder aus bildungsfernen Schichten werden ohnehin zu Hause oft weniger gefördert. Und dann landen sie auch noch früh an Schulen, wo sie von vielen Chancen abgeschnitten sind. Begabungen zu verschenken, kann sich Deutschland im globalen Wettbewerb nicht leisten.'

Ähnlich wertet dies der Bonner GENERAL-ANZEIGER:

'Nach wie vor investiert Deutschland viel zu wenig in Bildung. Nach wie vor hängt der Bildungserfolg so stark wie in kaum einem anderen Land von der sozialen Herkunft ab. Seit Jahren liefert die Politik als Antwort auf derlei Studien stets dieselbe Beruhigungspille. Das Problem sei erkannt, man sei auf einem guten Weg. Die Wahrheit sieht anders aus. Steuert Deutschland nicht rigoros in der Bildungspolitik um, schafft endlich Chancengleichheit und verabschiedet sich von der frühen Selektion, dann zerplatzt auch der letzte Funken Hoffnung auf Anschluss in der Wissensgesellschaft wie eine Seifenblase.'

Der WESTFÄLISCHE ANZEIGER aus Hamm hat schon alle Hoffnung fahren lassen:

'Kaum geißelt eine neue OECD-Studie das deutsche Bildungssystem, setzt die immer gleiche ideologische, allein durch politische Reflexe bestimmte Debatte ein, wird um Profilierung im großen Stil gerungen. Bewegt werden auf diese Weise allenfalls Gemüter. (...) Zu viel Aktionismus, zu viel Kurzatmigkeit bestimmt das Handeln der Verantwortlichen.'

Der TAGESSPIEGEL aus Berlin kommt zu folgendem Urteil:

'Nationale Offensiven für die Bildung sind nach der Föderalismusreform noch schwieriger geworden, Bildung nur noch Sache der Länder. (...) Es ist daher unwahrscheinlich, dass Deutschland die Folgen seiner schwächelnden Bildungspolitik aus eigener Kraft wird lösen können. Es braucht intelligenten Zustrom aus dem Ausland. Doch um das zu erkennen, gehts uns einfach noch zu gut.'

Der WESER-KURIER aus Bremen sieht es 'sinnbildlich':

'Ministerin Schavan (CDU) kündigt einen 'Bildungs-Herbst' an. Nach Aufbruch hört sich das wahrlich nicht an, da hätte ein 'Bildungs-Frühling' stärkere Gefühle frei gesetzt. (...) Über das Stadium des Lamentierens will die Bildungspolitik in Deutschland anscheinend einfach nicht hinaus kommen.'

Auch der SCHWARZWÄLDER BOTE aus Oberndorf versteigt sich ins Klimatische:

'Ein 'Bildungs-Herbst', - ach wie hübsch! Rasch hat Bildungsministerin Schavan ein kuscheliges Mäntelchen gefunden, mit dem sich die anhaltende deutsche Misere in Schulen und Universitäten bedecken lässt. .(...) Jawohl; es herbstelt bedenklich im deutschen Bildungssystem. Und wenn nicht schleunigst etwas geschieht, steht uns ein strenger Bildungswinter ins Haus.'

Der Kommentator der LANDSHUTER ZEITUNG/STRAUBINGER TAGBLATT bemerkt bitter:

'Nun ist guter Rat teuer. Doch anstatt erst einmal in sich zu gehen und mit den Kultusministern der Länder eine Strategie zu entwickeln, kündigt Bundesbildungsministerin Schavan schon einmal einen 'Bildungs-Herbst' an. Zumindest scheint es ihr inzwischen zu peinlich zu sein, wieder eine 'Offensive' zu starten, nachdem die bisherigen kaum zu etwas geführt haben.'