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Politik

Pressestimmen von Mittwoch, 19. Januar 2005

Präsentation des Airbus A380/Deutschland wieder Exportweltmeister/Unwort des Jahres

Die Präsentation des weltweit größten Passagierjets steht im Mittelpunkt dieses Blickes auf die Kommentarseiten der Mittwochsausgaben der deutschen Tageszeitungen. Das STRAUBINGER TAGBLATT/LANDSHUTER ZEITUNG schreibt:

"Das alte Europa zeigt, wozu es fähig ist: Der Super-Airbus A380, der gestern in Toulouse der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, stellt den Jumbo von Boeing in den Schatten. Mit dem größten Passagierflugzeug der Welt stößt der Luftverkehr in eine völlig neue Dimension vor. Für die am Unternehmen Airbus beteiligten Länder ist das Flugzeug eine wahre Job-Maschine. Allein in Deutschland, wo der vordere und hintere Rumpfteil sowie das Seitenleitwerk gebaut werden und nach der Montage in Toulouse die Inneneinrichtung vorgenommen wird, sind bereits 10.000 Arbeitsplätze geschaffen worden. In zwei Jahren, wenn die Produktion voll läuft, werden hier zu Lande 40.000 Menschen mit dem Bau dieses Flugzeugs beschäftigt sein. Das Flaggschiff der Airbus-Flotte ist ein Spitzenprodukt europäischer Ingenieurskunst."

Auch die OFFENBACH-POST ist begeistert:

"Dieser Tag schreibt in der Tat Geschichte, denn bei der Entwicklung des Riesen gingen die Konstrukteure bis an die Grenze des technisch Machbaren, setzten auf neuartige Werkstoffe und innovative Elektronik. Aber niemals zuvor wurden in der Hoffnung auf einen Erfolg des europäischen Giganten auch so viele Steuergelder in die Hand genommen."

Für die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG in München steht ein Erfolg noch lange nicht fest:

"Es könnte doch sein, wagen wir leise anzumerken, dass es sich hier vor allem um ein Prestige-Objekt handelt, dessen Vernünftigkeit und dessen Wirtschaftlichkeit noch gar nicht erwiesen ist. Zwar gibt es 149 Vorbestellungen für den A380, aber das ist zu wenig für die Wirtschaftlichkeit. Werden die Fluggäste genauso begeistert sein von Superlativen und Massen- Luftverkehr wie die Techniker? Es könnte doch durchaus sein, dass kleinere Einheiten reizvoller sind und am Ende auch wirtschaftlicher. Worauf ja die Boeing-Konkurrenz drüben in Seattle spekuliert, die sich ja auch etwas gedacht hat bei ihren weiteren Plänen."

Die Regensburger MITTELBAYERISCHE ZEITUNG kritisiert im Zusammenhang mit dem A380 die deutsche Politik:

"Im Jubel über den neuen Airbus wird in Deutschland gerne vergessen, dass unsere jetzige Politik quer über alle Parteien wenig zu diesem Erfolg beigetragen hat. Die Luftfahrtindustrie wurde nach dem Krieg in Deutschland erst mit massiver staatlicher Hilfe wieder aufgepäppelt. Nur so konnte sie gegen die schier übermächtigen Amerikaner bestehen. Unsere neoliberalen Ökonomen verteufeln heute solche wirtschaftlichen Eingriffe des Staates. Eine Erfolgsstory wie der Airbus kann sich daher so schnell nicht wiederholen."

Deutschland war 2004 nach den Zahlen des Statistischen Bundesamtes wohl wieder Exportweltmeister. Der SCHWARZWÄLDER BOTE aus Oberndorf läßt sich von diesem Titel nicht blenden:

"Seit einigen Jahren heißt es mit schöner Regelmäßigkeit im Januar: Die deutschen Exporte sind auf eine neue Rekordmarke geklettert. Zehn Prozent mehr Ausfuhren sind es im vergangenen Jahr gewesen. Damit bleibt Deutschland Exportweltmeister. Ein Beschäftigungsplus - das allein sollte der Maßstab für jede Rekord-Euphorie sein - fiel dennoch nicht ab. Eher das Gegenteil trifft zu: Hohe Exportüberschüsse im Warenhandel können nämlich auch als massenhafter Export von Arbeitslosigkeit betrachtet werden. Ein Grund zum Jubeln ist das wohl kaum."

'Humankaptital' ist zum Unwort des Jahres gewählt worden. Dazu abschließend die Münchener ' TZ':

"Eigentlich galt sie ja als abgeschafft: die Leibeigenschaft. Hinter dem Begriff 'Humankapital' steckt ähnliches Denken: der Mensch als bloßer Rechen-Faktor für Wirtschaftsinteressen. Natürlich wird heute niemand mehr 'verkauft'- aber erklären Sie das mal einem Arbeitslosen, dessen Job in ein Billiglohn-Land verlagert wurde, weil dort die Zinsen für das 'Humankapital' niedriger sind. Menschen sind kein Kapital. Sie sind auch keine Ware, die für Profit an der Börse gehandelt werden kann. Und Sprache ist kein Zufall: Wer von 'Humankapital' spricht, der meint es auch."

  • Datum 18.01.2005
  • Autorin/Autor zusammengestellt von Walter Lausch
  • Drucken Seite drucken
  • Permalink http://p.dw.com/p/68PI
  • Datum 18.01.2005
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