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Politik

Pressestimmen von Mittwoch, 19. Dezember 2007

Castros Erklärung über Machtverzicht

Fidel Castro hat auf Kuba länger regiert als die sozialistische DDR überhaupt existiert hat. Seine Erklärung über einen möglichen Machtverzicht schlug international hohe Wellen und provozierte selbstredend auch die deutsche Tagespresse zu Kommentaren und Analysen.

Die OSTSEE-ZEITUNG aus Rostock versucht, sich einen ersten Überblick zu verschaffen:

"Adiós, Fidel - oder doch nicht? Offensichtlich wird hier ein Abschied auf Raten inszeniert. Die Kardinalfrage ist allerdings nicht, wann die letzte Sozialismus-Ikone abtritt, sondern, wie es ohne sie weitergeht. Nachfolger Raul, selbst schon 76, schwankt zwischen der Politik der eisernen Hand und zaghafter diplomatischer Öffnung. Von reformerischen Ansätzen, die der Inselstaat so bitter nötig hätte, um sich schließlich auch dem Griff des Erzfeinds Amerika zu entziehen, ist kaum etwas zu spüren. Auch, weil Fidel und seine Genossen überzeugt sind, dass der Sozialismus mit Sonne, Samba und den Petro-Milliarden des linken venezolanischen Diktators Hugo Chavez in jetziger Form ewig besteht."

"Castro gibt Kuba eine Chance", titelt ironisch die TAGESZEITUNG aus Berlin, kurz: "taz":

"Allein die Tatsache, dass man auf Kuba fast 20 Jahre nach dem Ende der 'realsozialistischen' Systeme noch immer auf eine derartige Astrologie der Macht angewiesen ist, um Klarheit über die Zukunft des eigenen Landes zu erlangen, ist für diese gut ausgebildete Gesellschaft einfach nur tragisch. (...) Akut ist Kuba mehr von innen bedroht als von außen: Gerade jene gut ausgebildeten Kubanerinnen und Kubaner, auf die die Revolution so stolz ist, verlassen die Insel in Scharen, weil sie ihnen keine Perspektive mehr bietet."

Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG aus München beleuchtet die sich wandelnde Haltung des Westens gegenüber dem Karibik-Sozialismus:

"Die Geschichte werde ihn freisprechen, sagte Castro einmal. Die Gegenwart debattiert verkrampft über den Umgang mit Kuba. In Berlin geht der Riss quer durch die Koalition, da finden sich alte Lager wieder. Die CDU will offenbar dem Starrsinn der USA folgen. Kostet ja nichts, Kuba ist n i c h t so bedeutend wie China, wo Verträge wichtiger sind als Menschenrechte. Teile der SPD sind zu Recht für eine pragmatische Annäherung. Und CSU-Bayern macht längst Geschäfte in der Karibik. Es ist Zeit für einen vernünftigen Dialog mit Kuba. Mit oder ohne das wankende Denkmal Fidel."

Die PDS-nahe, linke Zeitung NEUES DEUTSCHLAND versucht die Verlautbarungen aus Havanna als völlig normalen Vorgang herunterzuspielen. Wir lesen dort:

"Die Kubaner werden's mit karibischer Gelassenheit quittieren: Fidel Castro wird nicht mehr an die Spitze des operativen Regierungsgeschäfts zurückkehren. Er tritt mit 81 Jahren bald offiziell in den Unruhestand, um von dort als teilnehmender Beobachter und Berater weiter politischen Einfluss zu nehmen. Denn Ruhestand ist seine Sache sicher nicht. (...) Der Zeitpunkt für Fidels Rückzug erfolgt gewissermaßen planmäßig vor den Parlamentswahlen im Januar. Der Rückzug auf Raten ist geglückt, auch wenn viele Herausforderungen bleiben."