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Politik

Pressestimmen von Mittwoch, 17. Juli 2002

Sommer geht//Mehmet kommt//Essen stößt sauer auf

Im Blickpunkt der Kommentatoren steht an diesem Mittwoch vor allem der Rücktritt von Telekom-Chef Ron Sommer.

Dazu bemerkt die FRANKFUTER RUNDSCHAU:

"Bundeskanzler Gerhard Schröder wollte sich im Wahlkampf als eine Art Personalchef der hiesigen Top-Manager profilieren, der nach eigenen Gutdünken entscheidet, wer den Job an der Spitze der Telekom künftig macht. Doch bei den Führungskräften aus der viel zitierten 1-A-Kategorie hat er sich nur Körbe geholt. Sommer hat die Konsequenzen aus den quälenden Querelen gezogen und ist zurückgetreten. Fest steht, dass die Operation Führungswechsel bei der Telekom für Schröder zur größten anzunehmenden Blamage geworden ist."

In der BERLINER ZEITUNG lesen wir:

"Die Telekom hat Schaden genommen, ihr Führungspersonal hat Schaden genommen, und der Bundeskanzler samt seiner Regierung gehen ihrerseits beschädigt aus dem Telekom-Debakel hervor. Ausgerechnet in Wirtschaftsfragen ist Schröder, der als Wirtschaftskanzler ins Amt gekommen ist, angreifbar."

Die in Hameln erscheinende DEISTER- UND WESERZEITUNG fragt:

"Merkwürdig nur, dass der Aufsichtsrat nicht ebenfalls seinen Hut nahm. Denn was Ron Sommer an Fehlleistungen vorzuhalten ist, hat eben dieser Aufsichtsrat mit zu verantworten. (...) Was der Bund als Haupteigner vor der Ablösung Sommers versäumt hatte, muss jetzt nachgeholt werden: Die Suche nach einem qualifizierten Manager, der dem Unternehmen neuen Auftrieb gibt."

Die Kritik der Heidelberger RHEIN-NECKAR-ZEITUNG fällt ähnlich aus: "Dass der Aufsichtsrat eines Großunternehmens dem Vorstandschef das Vertrauen entzieht, ist ein normaler Vorgang. Dass derselbe Aufsichtsrat zuvor seine Aufsichtspflichten sträflich vernachlässigt, leider auch - und immer öfters. Aber dass ein solches Gremium gegen den Willen der Belegschaft erst dann exekutiert, wenn nervös gewordene Politiker nach einem prominenten Opfer suchen, das ist ein Schuss ins eigene Knie."

Und die WELT meint: "Wenn sich der Pulverdampf der Schlacht um die Telekom verzogen hat, wird man feststellen, dass der Schaden möglicherweise noch größer ist, als bisher angenommen wurde. Denn das Unternehmen ist dermaßen in Misskredit geraten und seine Belegschaft ist jetzt so verunsichert, dass der Vorstand alle Mühe haben wird, die Telekom wieder auf einen ruhigen Kurs zu bringen."

Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG geht auf das Bundesverwaltungsgerichts- Urteil zum Fall 'Mehmet' ein und schreibt:

"Die bayerischen Behörden hatten 1998 den kriminellen Jugendlichen mit einer juristisch windigen Begründung nach Istanbul abgeschoben, obwohl der Bub in Deutschland geboren und hier aufgewachsen war. Diese Entscheidung wird nun revidiert, die Richter stützten sich auf den Assoziationsvertrag mit der Türkei. Man kann es auch deutlicher begründen: die Behörden können Menschen nicht wie Sondermüll behandeln, den man, weil gefährlich, am besten ins Ausland schafft."

Dagegen fragt der MANNHEIMER MORGEN:

"Welches Mittel bleibt den Ausländerbehörden jetzt noch, um Jugendliche, die massenhaft straffällig geworden sind, zu disziplinieren? Allein in München gibt es 38 jugendliche Intensivtäter mit über 20 Straftaten. 22 von ihnen sind Ausländer. Das Gericht hat den Ausländerbehörden nun ein Mittel im Kampf gegen diese Art der Kriminalität, die Ausweisung, genommen. Das Urteil mag gerecht sein. Aber es löst das 'Mehmet-Problem' nicht, sondern verschärft es."

Zum Schluss noch ein Blick in das Berliner Blatt B.Z., das zu dem neuen Nahrungsmittelskandal bemerkt:

"Ich habe heute Knuspermüsli mit H-Milch, überbackenen Toast mit gebratener Putenbrust, ein Magnum-Eis und Spaghetti mit Tomatensauce gegessen. Werde ich jetzt krank? Hat die Pute, bevor sie geschlachtet wurde, verseuchtes Futter bekommen? Schon wieder ein Futtermittelskandal, schon wieder zuerst Entwarnungen, dann doch wieder Panik. Am Ende bleibt ein fader Nachgeschmack. Wer denkt schon gerne an aufgeweichte BSE-Hirne, wenn die Salami auf dem Brot liegt, an Sexualhormone, wenn man den Schweinekamm auf den Grill-Rost legt? Niemand. Und deshalb werden wir auch diesen Futtermittelskandal verdrängen. Wir werden uns auf die Kalorienangaben konzentrieren und die niedrigen Preise an der Fleischtheke für von Gott gegeben halten. Krank werden wir dann später."

  • Datum 16.07.2002
  • Autorin/Autor zusammengestellt von Martin Muno.
  • Drucken Seite drucken
  • Permalink http://p.dw.com/p/2ULp
  • Datum 16.07.2002
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