1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Politik

Pressestimmen von Mittwoch, 11. Mai 2005

Eröffnung des Holocaust-Mahnmals in Berlin/ Bush-Besuch in Georgien

Die Eröffnung des Holocaust-Mahnmals in Berlin ist an diesem Mittwoch das zentrale Thema der Kommentare deutscher Tageszeitungen.

Das Berliner Blatt DER TAGESSPIEGEL erinnert an die jahrelange Diskussion um das Denkmal:

"Das Mahnmal für die ermordeten Juden Europas war in den Köpfen, in seiner langwierigen Genese kein schlechtes demokratisches Lehrstück. Nur in Diktaturen werden große Bauwerke durchgepeitscht und den Menschen aufs Auge gedrückt. Zwölf Jahre Nazi-Terrorstaat, siebzehn Jahre Streit um die Gestalt einer zentralen Erinnerungsstätte an den Holocaust in Deutschland: Man hat diese Zeit gebraucht, um die Spur der Steine in die Zukunft zu legen. Wenn man heute, nach all dem zum Teil erbitterten Für und Wider, betrachtet, was Peter Eisenman geschaffen hat, so geschieht das mit großer Bewunderung."

In der MITTELDEUTSCHEN ZEITUNG aus Halle heißt es:

"Gut, dass wir nach all dem voraus gegangenen Gezerre diesen Ort zum Gedenken endlich haben. Gut, dass er unübersehbar im Herzen Berlins Platz genommen hat. Dort, wo die Strategen des nationalsozialistischen Völkermords ihre Zentralen hatten. Dort, wo nach Weltkrieg und Kaltem Krieg nun die weltoffene Hauptstadt eines freundlichen Deutschlands Gestalt gewinnen will. Das geschieht, wie allein schon die obszöne Existenz so vieler Neonazis beweist, nicht im Selbstlauf. Gedenken hat ja mit Begreifen und Scham, Verantwortung für den unwiderruflichen Bruch des Humanen und Trauer um die Opfer zu tun. Dabei kann uns, den Kindern der Tätergeneration, das Mahnmal für die ermordeten Juden Europas nur helfen - abnehmen kann es uns freilich nichts."

Und in den STUTTGARTER NACHRICHTEN lesen wir: "Streit, Widersprüche, Irrungen und Wirrungen standen Pate, solange das Mahnmal wurde. Sich darüber zu wundern, wäre aber verfehlt. Nie zuvor ist bei uns versucht worden, ein so schreckliches Geschehen, wie es der Massenmord an den Juden war, in eine künstlerische Form zu fassen. Nun ist das Mahnmal da. Es wird sich behaupten."

Mit der Kritik an dem Mahnmal befasst sich die Rostocker OSTSEE-ZEITUNG:

"Das symbolische Gräberfeld hat die Meinungen schon jetzt tief gespalten. So mancher wird es als 'sinnlos', 'banal' und 'kalt' abtun. Sinnlos wie der industrielle Mord an sechs Millionen Juden? Banal wie die bürokratische Planung der Massentötungen? Kalt wie die Lager von Auschwitz, Majdanek oder Treblinka? Viele werden es links liegen lassen, auf dem Weg zu den Kinos und Restaurants am Potsdamer Platz. Weil sie sich nicht einlassen mögen auf ein Nachdenken über die Verbrechen der Nazis. Es ist kein Denkmal, mit dem sich Frieden schließen lässt."

Dagegen zeigt die in Bielefeld erscheinende NEUE WESTFÄLISCHE Verständnis für einen Teil der Kritiker: "Ärgerlich ist der ausschließende Charakter des Mahnmals. Ermordet aus rassistischen Gründen wurden auch Sinti und Roma. Seite an Seite saßen sie in den Konzentrationslagern mit Juden, Christen, Kommunisten und Schwulen. Weitere Mahnmale sind daher in Planung. Dabei ist die Gesamtdimension des deutschen Menschheitsverbrechens längst ausgedrückt. An der Neuen Wache, der nationalen Gedenkstätte der Deutschen. Wer dort die Inschrift auf einer schlichten Tafel liest, kann nur erschüttert reagieren und trotzig 'Nie wieder' sagen. Und aktiv dafür eintreten."

Zum Schluss die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG, die sich mit dem Besuch von US-Präsident George W. Bush in Georgien beschäftigt: "Es wird Putin ärgern, wenn sein Freund Bush in Tiflis den Respekt für die territoriale Integrität und Souveränität der Kaukasusrepublik verlangt - wie ihm überhaupt die wachsende Präsenz Amerikas in der Region als missliebige geopolitische Konkurrenz vorkommt. Aber erstens kann er das nicht verhindern, und zweitens dürfte der Machtpolitiker Putin klug genug sein, anzuerkennen, dass Demokratien an Russlands Grenzen stabilitätspolitisch wertvoller sind als die fragilen Gebilde, die man dem eigenen Machtbereich zu hohen Kosten zuschlagen und manipulieren kann. Welche Koinzidenz: Am Dienstag haben Russland und die EU ein weit reichendes Abkommen geschlossen. Es werde helfen, sagte Putin, ein Europa ohne Grenzen zu schaffen. Das ist ein schönes Ziel - mit dem es sich nicht verträgt, regionale Konflikte zu schüren und sich Lokalpotentaten als Klienten zu halten."

  • Datum 10.05.2005
  • Autorin/Autor Gerhard M Friese
  • Drucken Seite drucken
  • Permalink http://p.dw.com/p/6cxy
  • Datum 10.05.2005
  • Autorin/Autor Gerhard M Friese
  • Drucken Seite drucken
  • Permalink http://p.dw.com/p/6cxy