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Politik

Pressestimmen von Freitag, 7. Dezember 2007

Entsetzen über Kindestötungen

Nach den Fällen von Kindestötungen im schleswig-holsteinischen Dorf Darry und im sächsischen Plauen wird in der Politik die Frage gestellt, ob der Tod der insgesamt acht Kinder hätte verhindert werden können. Auch die Zeitungskommentare beleuchten die unfassbaren Geschehnisse.

So schreibt die HESSISCHE / NIEDERSÄCHSISCHE ALLGEMEINE aus Kassel:

"Drei tote Babys in Plauen, fünf tote Jungen in Darry - Nachrichten des Schreckens aus dem Deutschland des Jahres 2007. Wir sehen uns mit Untaten konfrontiert, vor denen die normale Begrifflichkeit versagt. Und all die richtigen Aussagen vom seelischen Ausnahmezustand der Täterinnen, die Fragen nach der Verantwortung der Väter, die Thesen von einem Unterschichtenproblem infolge falscher Sozialpolitik, all die berechtigten Forderungen nach mehr Geld für Frühwarnsysteme und mehr Zuwendung für Kinder und deren überforderte Eltern - all das lässt uns hilflos zurück."

An diesem Punkt fragt die Heidelberger RHEIN-NECKAR-ZEITUNG:

"Hat niemand etwas gemerkt? Warum wurden Verdachtsmomente nicht weiterverfolgt? Hätte das Jugendamt früher einschreiten müssen? Fünf Kinder könnten noch leben, wenn die meisten dieser Fragen nur ein wenig anders, engagierter beantwortet worden wären. Das Kieler Kinderschutzgesetz, das erstmals die Pflicht-Vorsorgeuntersuchung vorsieht, kam zu spät. Aber der Fall Darry unterstreicht auf tragische Weise, dass eine solche öffentliche Kontrolle immer notwendiger wird."

Auch die LANDEZEITUNG aus Lüneburg setzt auf mehr soziale Kontrollen:

"Eine Meldepflicht bei kleinsten Anzeichen von Verwahrlosung für alle Institutionen, die mit Kindern zu tun haben, sollte verwirklichbar sein. Ebenso verpflichtende Vorsorgeuntersuchungen in kurzen zeitlichen Intervallen. Eine Gesellschaft, die sich mehr Sorgen um die technische Sicherheit der Autos auf den Straßen macht als um ihre Kinder, wirkt in ihrer moralischen Entrüstung unglaubwürdig."

Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG konstatiert:

"Nach polizeilichen und soziologischen Statistiken ist weniger als ein Prozent der Eltern mit der Erziehung so überfordert, dass man ihnen die Kinder entziehen muss. Diese Kleingruppe muss anders unter Beobachtung gestellt werden als bisher. Der vernünftigste Vorschlag dazu lautet, die regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen bei Kindern zur Pflicht zu machen und ihre Nichtbefolgung den Jugendämtern anzuzeigen. ... Zu den Akten sollten dagegen politische Schnellschüsse gelegt werden, die auf eine Verankerung spezieller 'Kinderrechte' im Grundgesetz abzielen."

Anders sieht dies DER TAGESSPIEGEL aus Berlin:

"Bis heute sind Kinderrechte nicht in unserer Verfassung verankert, wie es Unicef-Deutschland und der Kinderschutzbund dieser Tage lautstark fordern. Gewiss, ein bloßer Text auf Papier lässt noch nicht die Sonne in den Kinderzimmern aufgehen. Offiziell anerkannt wäre damit immerhin eine positive Einstellung der Gesellschaft zum Kinderschutz. Verwandten und Nachbarn kann das mehr Mut machen, Probleme zu melden."

Zum Schluss der SCHWARWÄLDER BOTE aus Oberndorf. Dort heißt es:

"Was bleibt, ist die psychische Erkrankung der Mutter. Und hier ist man in einer fatalen Verkennung der Umstände nicht von einer akuten Gefahr ausgegangen. Wie also können derartige Tragödien künftig verhindert werden? Gar nicht. Die bittere Wahrheit ist: Darry kann sich wiederholen. Jederzeit und überall."