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Politik

Pressestimmen von Freitag, 5. August 2005

Schönbohms umstrittene Äußerung / El Kaidas neue Drohung

Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm hat sich für seine umstrittene Äußerung in Zusammenhang mit dem neunfachen Baby-Mord in Brandenburg entschuldigt. Dennoch bleibt der CDU-Politiker wegen seiner Aussage, dass die Gewaltursache auch in der DDR-Vergangenheit der Mutter zu suchen sei im Kreuzfeuer der Kritik.

Das HANDELSBLATTT aus Düsseldorf meint:

"Die gerade Linie, die Brandenburgs CDU-Innenminister von der Zwangskollektivierung zu schwersten Straftaten zieht, ist ebenso abwegig, wie es die Behauptung wäre, die freie Marktwirtschaft habe zu den Untaten der Kinderschänder in Saarbrücken geführt. Zynisch kann man nur anmerken: Es ist schon erstaunlich, dass ausgerechnet ein so knallharter Konservativer wie Schönbohm sich eine bis zur Absurdität getriebene Milieutheorie zu Eigen macht, deren rationale Variante eher mit linksliberalem Denken verbunden ist."

In den LÜBECKER NACHRICHTEN heißt es:

"Mit seiner eigenwilligen Geschichtsinterpretation hat Schönbohm vor allem seiner eigenen Partei einen Bärendienst erwiesen. Ziemlich einhellig ist deshalb auch die Empörung seiner CDU-Parteikollegen, vorzugsweise im Osten. Sie fürchten, hier habe der forsche Ex-General Wahlkampf gemacht: Allerdings für die Linkspartei."

Die OSTTHÜRINGER ZEITUNG aus Gera erläutert:

"Natürlich ist in der DDR versucht worden, ein kommunistisches Ideal gesellschaftlicher und kollektiver Erziehung durchzusetzen, ist Individualistisches vernachlässigt, wenn nicht stigmatisiert worden und selbstverständlich wurde das Proletarische heroisiert. Alles wahr. Und doch führt daraus kein gerader Weg hin zum Serienmord. Wer so hanebüchene Schlüsse zieht, versteht nichts von der menschlichen Psyche und hat keine Ahnung von den Wirklichkeiten in der DDR. Die Kluft dort zwischen den von der SED proklamierten Zielen der Erziehung und den realen Ergebnissen klaffte weit auseinander. Wäre die proletarische Erziehungspolitik voll durchgeschlagen, dann gäbe es die DDR vielleicht heute noch. Nein, Schönbohm hat einen gehörigen Fehlschluss gezogen und einen Westfrust genährt, der nur die SED-Erben freuen kann."

Im OFFENBURGER TAGEBLATT lesen wir:

"Schönbohm hat viele leichtfertig vor den Kopf gestoßen. Das war nicht nur unnötig, das war auch beleidigend. Vielleicht sollte man Herrn Schönbohm raten, seine eigene soziale Kompetenz zu überprüfen."

Die KÖLNISCHE RUNDSCHAU kommentiert:

"Hier werden Dinge nicht nur vereinfacht, hier werden alle Ebenen, auf denen man Erklärungen überhaupt versuchen kann, im Handstreich eingeebnet. Familiäre Hintergründe, krankhafte Veranlagung, soziale Not, Alkoholsucht, natürlich auch gesellschaftliche Umstände - das alles muss untersucht werden, abgewogen, und am Ende ist vielleicht ein vorsichtiges Urteil möglich. Vielleicht. Bestimmt aber bleibt ein Rest vom Unfassbaren am Rande dessen, was die menschliche Natur hervorbringt."

Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG vermutet, dass SPD und Neue Linkspartei es wohl kaum fassen können, dass Schönbohm ihnen ein solches Wahlkampfgeschenk gemacht hat. Das Blatt schreibt:

"Die CDU wird es im Osten Prozentpunkte kosten. Zur Schadens- begrenzung gingen daher auch deren Vertreter auf Distanz zu dem früheren General (...). Doch hatte er auch Richtiges gesagt. Die Entbürgerlichung und Entchristianisierung waren Programm des «Arbeiter-und-Bauernstaates», und das blieb, wie in anderen kommunistischen Staaten, nicht wirkungslos."

Abschließend ein Blick in den MANNHEIMER MORGEN, der die Drohung des El Kaida Terrornetzwekrs mit neuen Anschlägen kommentiert:

"Das Zusammenspiel klappt auf teuflische Weise perfekt. Während politisch und religiös motivierte Wirrköpfe weltweit das blutige Geschäft des Terrors besorgen, übernehmen Drahtzieher wie der El- Kaida-Vize Eiman al-Sawahiri die nicht minder gefährliche Propaganda. Es macht keinen Unterschied, ob die Drohungen, künftige Anschläge würden den 11. September noch in den Schatten stellen, einen realen Hintergrund besitzen oder einer «typisch arabischen Übertreibung» entspringen. Der Effekt bleibt gleich. Die bedrohten Menschen werden in Angst und Schrecken versetzt, die Sicherheits- behörden rüsten auf. Und El Kaida? Ihre Legitimation erwächst aus dem «terroristischen Erfolg», der erst stark macht und anziehend wirkt. Und das nutzt die Terror-Organisation weidlich aus."

  • Datum 04.08.2005
  • Autorin/Autor Zusammengestellt von Ulrike Quast
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  • Permalink http://p.dw.com/p/705T
  • Datum 04.08.2005
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