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Politik

Pressestimmen von Freitag, 29. Juni 2007

Arbeitsmarkt / Diskussion über Facharbeitermangel

Aufgrund der guten Konjunktur ist die Zahl der Erwerbslosen in Deutschland im Juni auf den niedrigsten Stand seit sechseinhalb Jahren gesunken. Insgesamt waren drei Millionen 680.000 Menschen offiziell arbeitslos gemeldet, 712.000 weniger als vor einem Jahr. Mit der Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt befassen sich auch die Kommentatoren der deutschen Tagespresse.

Die BERLINER MORGENPOST konstatiert:

' Nun ist also der erste Schwung durchaus qualifizierter Arbeitsloser in Lohn und Brot. Die Bundesanstalt für Arbeit hat entsprechend üppige Einnahmen, denn die Hälfte der rund 700.000 Arbeitslosen weniger hat eine feste Stelle. Dennoch ist eines ist klar: Die Langzeitarbeitslosigkeit wird uns länger begleiten. 3,68 Millionen ist immer noch eine enorm hohe Zahl, hier wird uns der Abbau langsamer und mühseliger verfolgen. Wir wissen alle, dass die Arbeitslosigkeit sich hartnäckig in strukturschwachen Regionen hält.'

Der TAGESSPIEGEL in Berlin führt aus:

' Nein, es ist nichts gut geworden für dieses Land, nur weil uns gerade mal ein Aufschwung beglückt und zur Abarbeitung der vollen Auftragsbücher jede Hand benötigt wird. Wer in die Zukunft schaut, wird unweigerlich stolpern über den Mangel an Top-Forschern, Ingenieuren und klasse Facharbeitern. Wenn qualifizierte Zuwanderung zum wichtigen Flankenschutz moderner deutscher Arbeitsmarktpolitik wird, dann ist Bildung zweifellos ihr Kern. Und dauerhafte Weiterbildung wird zum Wettbewerb entscheidenden Faktor einer ganzen Volkswirtschaft.'

Die Bedeutung der Bildung betonen auch die BREMER NACHRICHTEN. Zitat:

' Wollte Deutschland den durch die demographische Entwicklung bedingten Rückgang der Erwerbstätigen ausschließlich durch Zuwanderung ausgleichen, müssten in den nächsten Jahren mindestens 150.000 Menschen jährlich ins Land geholt werden... Hier also muss die Politik schnell ansetzen; muss junge Menschen fit für den Arbeitsmarkt machen, muss die Weiterbildung fördern und muss auch den vielen bereits hier lebenden Migranten eine bessere Perspektive bieten, bevor über Zuwanderung nachgedacht werden kann.'

Die SÜDWEST PRESSE aus Ulm verweist darauf:

' Im Abschwung haben viele zu kurzfristig gedacht. Das rächt sich jetzt... Es ist reichlich einfallslos, als Patentrezept nach mehr Fachkräften aus dem Ausland zu rufen und leichteren Beschäftigungsmöglichkeiten zu verlangen. Volkswirtschaftlich wie menschlich ist es viel sinnvoller, erst einmal die eigenen Möglichkeiten stärker auszuschöpfen, selbst wenn das kurzfristig mühsamer ist. Auch Arbeitslose über 50 haben noch eine Chance verdient. Wo sind außerdem die Unternehmer, die mit ihrer Arbeit nach Ostdeutschland gehen, wenn dort die im Westen fehlenden Fachkräfte zu finden sind?'

Die WESTDEUTSCHE ZEITUNG in Düsseldorf geht auf die Absicht der Regierung ein, im Herbst eine nationale Qualifizierungsoffensive zu starten, um die Ausbildung Jugendlicher zu fördern. Zitat:

' Politiker der Regierungsparteien haben eine absurde Rangfolge aufgestellt: Qualifizierung vor oder sogar anstelle von Zuwanderung. Tatsächlich aber werden Qualifizierung und Zuwanderung benötigt... Wirtschaft und Gewerkschaften warnen schon lange davor, dass der Arbeitskräftemangel in Deutschland den Aufschwung dämpfen könnte. Die Folge wäre steigende Arbeitslosigkeit.'

Die STUTTGARTER ZEITUNG weist darauf hin:

' Der Engpass auf dem Arbeitsmarkt... war seit Jahren absehbar. Diese Misere hat die Wirtschaft selbst angerichtet. Jetzt rächt sich eine kurzsichtige Personalpolitik, die Ausbildung nur als Kostenfaktor erachtete und wertvolles Knowhow aus der Belegschaft in den Vorruhestand entsorgte... Eine florierende Wirtschaft ist auf Ausbildung und Zuwanderung angewiesen.'

Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG bilanziert:

' Erstens müssen Ausbildung und Qualifizierung dringend verbessert werden. Und zweitens braucht Deutschland außerdem neue Regeln für eine gesteuerte Zuwanderung. Die jüngsten Änderungen des Aufenthaltsrechts durch SPD und Union haben nur kosmetische Korrekturen gebracht. Wenn die Koalition demnächst über den Arbeitskräftebedarf für die Zukunft berät, sollte sie mehr schaffen.'

In der FRANKFURTER RUNDSCHAU lesen wir:

' Alles wird gut, wenn die Arbeitslosen nur flexibel genug sind. Fachkräftemangel? Ältere Ingenieure ohne Job erhalten einfach von der Bundesagentur eine Verjüngungskur und ein Bahnticket von Mecklenburg nach München. Einwanderungswillige Ausländer werden demHochqualifizierungstest unterzogen und kommen in die Warteschlange. Und pausierende Mütter mit Spezialkenntnissen erhalten einen permanenten Babysitter gestellt. Man muss die Potenziale nur ausschöpfen, die Deutschland und Umgebung zu bieten haben.'

Abschließend noch das MAIN-ECHO in Aschaffenburg. Zitat:

' Bildung und Forschung haben in Sonntagsreden zwar stets einen hohen Stellenwert doch die bisher geleisteten Anstrengungen in Politik und Wirtschaft nehmen sich gemessen am in einer globalisierten Welt Notwendigen doch sehr bescheiden aus. Der weltweite Wettbewerb ist ungleich härter geworden, und die Intensität der Globalisierung wird weiter zunehmen. Und darauf kann es, vor allem mit Blick auf den Arbeitsmarkt, nur drei Antworten geben: Bildung, Bildung und nochmals Bildung.'