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Politik

Pressestimmen von Freitag, 28. März 2008

Aus für Transrapid

Die Tagespresse geht auf das unerwartete Aus für die vormals in München geplante Transrapid-Magnetschwebebahn-Strecke ein. Das Projekt sei wegen neuer, deutlich zu hoher Kosten gescheitert, sagte Bundesverkehrsminister Tiefensee nach einem Treffen mit Bayerns Ministerpräsident Beckstein und Siemens-Chef Löscher.

Dazu schreibt die FRANKFURTER RUNDSCHAU:

"Selten so gelacht auf einer Beerdigung! … Peinlich, blamabel, heuchlerisch. Denn hinter pflichtschuldigen Krokodilstränen machte sich vor allem Erleichterung breit. Das einstige Vorzeigeprojekt deutscher Ingenieurkunst ist längst politischer Ballast geworden. Zu teuer, zu unökologisch, zu überdimensioniert, zu unsinnig in einem dicht besiedelten Land. Das Milliarden-Grab Transrapid hat schon genug Geld und verkehrspolitische Alternativen verschlungen. Ruhe sanft. Wiederauferstehung unerwünscht."

Das BADISCHE TAGEBLATT aus Baden-Baden meint:

"Im Inland findet sich eben schlichtweg keine sinnvolle, wirtschaftliche Einsatzmöglichkeit für die gepriesene Spitzentechnologie made in Germany und im Ausland kein ernsthafter Interessent. Es ist also nichts weiter passiert, als dass ein notorischer, überteuerter Ladenhüter aus dem Schaufenster genommen wurde. Schwarze Tage für den Standort Deutschland sehen anders aus. Und für den Steuerzahler war es sogar ein ausgesprochen guter Tag."

Ähnlich sieht es die LANDESZEITUNG aus Lüneburg:

"Sinn würde die Magnetbahn nur als Konkurrent zum Flugzeug machen, nicht aber auf 37 Kilometern als Flughafenzubringer. Sollte sich Europa aber nicht völlig überraschend entschließen, seine Hauptstädte mit einer hyperschnellen Magnetbahn zu verbinden, ist die Technik der Zukunft endgültig zur Technik der Vergangenheit geworden."

Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG aus München konstatiert:

"Er ist, um Punkt A mit Punkt B zu verbinden, jedenfalls im dicht besiedelten, von Schienennetzen durchzogenen Mitteleuropa ein schwer integrierbarer Fremdkörper - und schlicht zu teuer. Der Vorteil, den er gegenüber einer beschleunigten, auf Schienen rollenden Bahn ausspielen kann, steht nicht im angemessenen Verhältnis zu den hohen Kosten. Es wird in Deutschland keinen Transrapid geben. Vielleicht kommt er in Dubai, wo das Geld keine so große Rolle spielt."

Zum Schluss - noch nachdenklicher - aus Bayreuth der NORDBAYERISCHE KURIER. Das Blatt schreibt:

"Es bleibt der fade Nachgeschmack, dass Deutschland eine Technologie, die im Ausland verkauft werden soll, im eigenen Land als zu teuer oder umweltschädlich verwirft. Große Geschäfte werden mit der angejahrten Magnetbahn wohl nicht mehr zu machen sein. Den Bayern ist er davongeschwebt, die Weltmärkte haben es aufmerksam registriert."