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Politik

Pressestimmen von Freitag, 27. Juli 2007

Sarkozys Atomgeschäft mit Libyen / Tour-Skandale und kein Ende

Frankreichs Präsident Sarkozy will Libyen mit moderner Atom- und Waffentechnik beliefern. Kritiker sprechen von einem 'Lösegeld' für die Auslieferung der bulgarischen Krankenschwestern nach jahrelangem AIDS-Prozess. Auch die Meinungsmacher der deutschen Tagespresse haben da viele Anmerkungen zu machen.

So meint der BERLINER KURIER:

'Staatschef Muammar Al Gaddafi ist wieder salonfähig. Erst vergoldet ihm der Westen die Nase, weil er bulgarische Krankenschwestern freiließ, die er unter hanebüchenem Vorwand vorher zum Tode verurteilt hatte. Und nun bekommt der Diktator aus der Wüste auch noch ein Atomkraftwerk und Waffen in die Hände. Die hat er sich oft schmutzig gemacht. Schon vergessen: Der Mann ist in den Flugzeuganschlag von Lockerbie tief verstrickt. Er pumpte Geld in Terrororganisationen. Er hat viele Beweise seiner Unberechenbarkeit erbracht.'

Das BADISCHE TAGBLATT aus Baden-Baden sucht den größeren Zusammenhang:

'Worum es der französischen Regierung bei dem Schmusekurs übers Mittelmeer geht, ist klar: um geopolitischen Einfluss. Und dafür ist die einstmalige Großmacht Frankreich bereit, schneller zu vergessen und jeden Trumpf zu spielen, auch den atomaren. (...) Angesichts dieser französischen Politik kann man den Russen nur raten, das Atomkraftwerk im Iran langsam zu Ende zu bauen. In zehn, zwanzig Jahren kann sich schließlich auch die Rolle des Schurkenstaats Iran grundlegend ändern.'

Das Düsseldorfer HANDELSBLATT hat auch deutsche Interessen entdeckt:

'Libyens Diktator Gaddafi wird Atomtechnologie auf dem silbernen Tablett offeriert, und die deutsche Industrie ist mit von der Partie. Dass man in München bei Siemens das Unterfangen nicht an die große Glocke hängen will, leuchtet ein. Aber verbieten kann man solche Geschäfte auch nicht. Und zwar umso weniger, als auch Libyen zumindest de jure erlaubt ist, Atomtechnologie für zivile Zwecke zu nutzen. Tripolis hat den Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet. Doch man muss man Sarkozy hart beim Wort nehmen: Er hat das Geschäft mit Gaddafi eingefädelt. Folglich ist es zuallererst seine Pflicht zu verhindern, dass in Nordafrika ein zweiter Iran gezüchtet wird.'

Die TAGESZEITUNG aus Berlin fällt ein hartes Urteil:

'Falls die Europäische Union jemals so etwas wie eine glaubwürdige Menschenrechtspolitik angestrebt haben sollte - jetzt kann sie davon getrost Abschied nehmen. Denn die Libyenreise des französischen Präsidenten Sarkozy und seine Atom- und Militär-Deals bilden mehr als nur die peinliche Fortsetzung einer Farce mit dem Titel 'Das Ehepaar Sarkozy rettet die bulgarischen Krankenschwestern': Sie sind eine europäische Blamage,' kommentiert die TAZ.

Bei der 'Tour de France' überschlagen sich die Ereignisse: Des Dopings überführte Favoriten treten bei Nacht und Nebel die Heimreise an, Veranstalter, Rennställe und Fahndungsbehörden beschuldigen sich gegenseitig. Die 'Tour' ist faktisch am Ende. Die Kommentare der deutschen Tagespresse gleichen dementsprechend bereits polemischen Nachrufen.

Der NORDBAYERISCHE KURIER aus Bayreuth resümiert:

' Die 'Tour der France', die zur 'Tour de Farce' wurde, ist am Ende, weil sie den Anspruch auf einen wieder sauberen Sport völlig verwirkt hat. Das ist bitter für all jene Fahrer, die mit den miesen Tricks der Vergangenheit endlich aufräumen wollen. Die gibt es nämlich auch, doch sie gehen unter im Dauerfeuer der Doping-Ankläger, denen die Tour-Teams immer wieder neue Munition liefern.'

In der LANDSHUTER ZEITUNG/STRAUBINGER TAGBLATT lesen wir:

'Wem Radsport am Herzen liegt, der kann sich nur noch in Sarkasmus flüchten, um nicht auszurasten. Neun Jahre nach dem Festina-Skandal schien ein Ruck durch den Radsport zu gehen. Doch der war nur an der Oberfläche. Die Junkie-Mentalität hat sich verfestigt, und vielen Sportlern und Betreuern scheint sie das Hirn weggefressen zu haben.'

Die KIELER NACHRICHTEN haben eher Fragen als Antworten:

'Wie wollen wir mit dem globalen Problem Doping umgehen? Radsport ist lediglich der Spitzenreiter einer langen Tabelle mit verseuchten Sportarten. Sicher war der Tour-Ausstieg von ARD und ZDF das richtige Signal, doch denkt man diesen Schritt konsequent durch, können die Sender die Übertragungsrechte für die nächsten Olympischen Spiele in Peking schon jetzt zurückgeben. Doch eine Radikalkur (keine Medien, keine Sponsoren, kein Geld, keine Veranstaltung) auf allen Ebenen ist ebenso utopisch wie die Hoffnung auf Selbstreinigungskräfte im Sport. Der zähe Häuserkampf gegen Doping geht weiter.'

Die BERLINER ZEITUNG fordert: Macht Schluss! Sie kommentiert:

'Der Radsport rollt weiter ungebremst auf den Abgrund zu. Er erkennt nicht, dass mit jeder Pedalumdrehung ein weiteres Stück Glaubwürdigkeit verloren geht. Wenn es dem Radsport und seinen Protagonisten wirklich ernst wäre, würden sie innehalten. Sie müssten die Tour stoppen und auf einen Sieger mit schlechtem Leumund verzichten. Sie sollten den Rennbetrieb insgesamt für eine Weile aussetzen, das System überdenken, es verändern und die alten Funktionsträger aussortieren. Eine gute Gelegenheit Ernst zu machen, gibt es: die Radsport-WM im September in Stuttgart.'