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Politik

Pressestimmen von Freitag, 22. März 2002

Holzmann-Pleite


Das zentrale Thema der Kommentatoren der Tagespresse an diesem Freitag ist die Pleite des zweitgrößten deutschen Baukonzerns Philipp Holzmann und das beantragte Insolvenzverfahren.

Die WESTFÄLISCHEN NACHRICHTEN in Münster schreiben:
"Das endlose Tauziehen um die Rettung des TraditionskonzernsHolzmann ist zu Ende. Auch wenn die mehr als 20.000 Beschäftigten des Bauriesen bis zuletzt gehofft haben und die Deutsche Bank als größter Gläubiger lange gegen eine Insolvenz gekämpft hat: Die Unternehmensgruppe entpuppte sich immer mehr als ein Fass ohne Boden.Deshalb ist das Ende gesamtwirtschaftlich betrachtet eine gute Nachricht."

Die KÖLNISCHE RUNDSCHAU weist darauf hin:

"Das Gerangel um Holzmann war zum Schluss für alle Beteiligten nicht mehr zumutbar. Je länger die Verhandlungen um die Zukunft des maroden Baukonzerns andauerten, desto unwahrscheinlicher wurde seine dauerhafte Überlebensfähigkeit. Auch wenn es vor allem für die Beschäftigten, die selbst bereits inzwischen resigniert hatten, zynisch klingen mag - es ist besser, dass kein neues Rettungskonzept zu Stande kam. Die Banken konnten es ihren Aktionären gegenüber nicht verantworten, noch mehr gutes Geld schlechtem hinterher zu werfen."

DIE WELT sieht es so:

"Der Baukonzern ist nicht das Opfer menschenverachtender Banken oder eines hilfsunwilligen Kanzlers geworden. Die Wahrheit ist schlichter: schlechte Geschäftspolitik und gescheitertes Management, verschärft durch die konjunkturelle Krise der Bauwirtschaft. Als sich die Lage zuspitzte, wollten die Banken ihrem schlechten Geld kein gutes hinterdrein werfen. Sie wogen die Folgen einer teuren Sanierung gegen jene einer Insolvenz ab. Weil der Saldo nicht für eine Rettung sprach, senkte sich ihr Daumen."

In den LÜBECKER NACHRICHTEN lesen wir:

"Die Hoffnung stirbt zuletzt - doch für Holzmann war die Lage schon seit Jahren hoffnungslos. Der Frankfurter Konzern geht so zu sagen als Mahnmal in die Baugeschichte ein, als typisches Exemplar einer sich überlebten Spezies, ein Dinosaurier des Hoch- und Tiefbaus. Das 1849 gegründete Unternehmen verkörpert die Existenz bedrohende Krise in einem Wirtschaftszweig, der unter vielen selbst gemachten Problemen, aber auch unter der Allmacht geldgieriger, pardon,geldgebender Banken leidet."

Die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG hebt hervor:


"Nicht der Staat und die Banken, sondern die Beschäftigten sind die größten Verlierer im Holzmann-Debakel. Der tarifliche Anspruch auf Entschädigung für die bis Mitte 2001 kostenlos geleistete Mehrarbeit taucht nicht in der Bilanz auf und verfällt im jetzigen Insolvenzverfahren, das stattdessen viele Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz kosten wird. Der Zorn der 'Holzmänner' ist daher berechtigt."

Mit der Rolle von Bundeskanzler Schröder befasst sich die BILD-Zeitung. Zitat:

"Vor drei Jahren hat der Kanzler Holzmann gerettet. Dafür ist er gefeiert worden. Und die Holzmann-Mitarbeiter waren dankbar. Warum rettet er Holzmann und die mehr als 20.000 Arbeitsplätze nicht ein zweites Mal? Die Antwort ist einfach: Weil er dann Holzmann auch noch ein drittes oder viertes Mal retten müsste - falls er noch Kanzler ist. Unternehmen immer wieder zu retten, läuft auf Verstaatlichung hinaus. Staatsbetriebe leisten nichts, sie kosten nur. So was kann sich das hoch verschuldete Deutschland längst nicht mehr leisten."

Das HANDELSBLATT bilanziert:

"Als Held ließ sich Gerhard Schröder von den Holzmann-Bauarbeitern feiern, als er den Zusammenbruch ihres Unternehmens abgewendet hatte.Und nun die Pleite von Holzmann. Gut zwei Jahre siechte das Unternehmen noch dahin. In dieser Zeit haben Schröder und Holzmann mit Dumpingpreisen mittelständische Wettbewerber in den Ruin und deren Mitarbeiter in die Arbeitslosigkeit gedrückt. Nach Schröders Kategorien markiert das Ende seines Zöglings Holzmann auch die Pleite seiner eigenen Politik."

Abschließend noch die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG:

"Es ist schon eine Blamage für Deutsche, Dresdner, Commerz - und Hypo-Vereinsbank, dass der Fall Holzmann bis heute ein Fall ist. Noch mehr blamiert ist jedoch Gerhard Schröder; sein industriepolitischer Ansatz ist in Frankfurt ad absurdum geführt worden. Die lauten Vorwürfe der Opposition wären allerdings noch glaubwürdiger,hätte die bayerische Staatsregierung nicht jahrelang den Aufstieg Kirchs allzu fürsorglich begleitet. Der Medienkonzern stünde heute jedenfalls besser da, hätte die halbstaatliche Bayerische Landesbank vor einem guten Jahr Kirchs Einstieg in die Formel 1 nicht finanziert, sondern ihm klargemacht, dass er sich den Rennzirkus einfach nicht leisten kann."

  • Datum 21.03.2002
  • Autorin/Autor zusammengestellt von Susanne Eickenfonder
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  • Permalink http://p.dw.com/p/21IA
  • Datum 21.03.2002
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