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Politik

Pressestimmen von Freitag, 13. Juni 2003

Lage in Nahost/Rau-Reise/Friedman-Verdacht

Die Eskalation der Gewalt im Nahen Osten ist das Hauptthema der Kommentare der deutschen Tageszeitungen. Erörtert werden auch die Deutschlandreise des Bundespräsidenten und der Drogenverdacht gegen den Vize-Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Michel Friedman.

Zur Lage im Nahen Osten schreibt die FRANKFURTER ALLGEMEINE:

'Zwischen Israelis und Palästinensern droht offener Krieg. Ministerpräsident Scharon hat nach dem jüngsten blutigen Terroranschlag von Jerusalem die Parole ausgegeben, die radikal-islamische Hamas militärisch zu zerschlagen.(...) Die Hamas ihrerseits hat wissen lassen, der Terror werde "jetzt erst richtig beginnen", alle Ausländer sollten die Region verlassen. Eine Woche nach den freundlichen Bildern von Scharm al Scheich und Aqaba sind diese Vereinbarungen an der brutalen Wirklichkeit des Nahen Ostens zerschellt.'

DIE WELT meint:

'Die Hauptschuld am Wiederaufflammen des Gemetzels im Heiligen Land liegt eindeutig auf arabischer Seite. Dabei arbeiten Hamas, der Islamische Dschihad und andere Gruppen Hand in Hand. Dennoch ist Bushs dringende Aufforderung an die israelische Führung, Zurückhaltung zu üben, verständlich und richtig. Der Einsatz von militärischen Waffen bei der Verfolgung einzelner Terroristen bringt es immer mit sich, dass dabei Unbeteiligte getroffen werden. Das ist nicht nur unmenschlich, sondern auch kontraproduktiv.'

In der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG heißt es:

'Bisher hat Bush noch jeden enttäuscht, der glaubte, ihn einschüchtern zu können. Auch jetzt wird er nicht so schnell aufgeben, zumal da er genau weiß, was auf dem Spiel steht. Er darf Ariel Scharon und Machmud Abbas nicht länger nur mehr mit den Daumenschrauben drohen, er muss sie ansetzen und allmählich stramm ziehen. Scharon wird also wirklich illegale Siedlungen in den besetzten Gebieten räumen und schleifen lassen müssen, und nicht nur ein paar verwaiste und verrostete Beobachtungstürme...Und Abbas wird die Mörder in seinen eigenen Reihen jagen und fangen müssen, anstatt allein auf gute Worte, Waffenruhen und Verhandlungen zu setzen.'


Mit der Reise des Staatsoberhaupts befasst sich die HEILBRONNER STIMME:

'Bundespräsident Johannes Rau reist durch Deutschland. Er sucht das Gespräch ganz im Stile eines Bürgerpräsidenten. Ein Hauch von Abschied liegt in der Luft. Denn Rau scheut offenbar eine zweite Amtszeit, wenn seine Wiederwahl nicht zuvor feststeht. Man versteckt sich hinter der gewagten These: Das Amt nähme Schaden, wenn erstmals ein amtierender Bundespräsident nicht wieder gewählt würde. Stimmt das, oder geht es nicht vielmehr um das Ansehen eines verdienten Politikers, der selbst als aktiver Parteistratege Strippen gezogen hat?'

Der FRÄNKISCHE TAG aus Bamberg sieht das so:

'Nun ist mit dem Zuhören allein schon eine ganze Menge gewonnen. Es zeugt davon, dass man sich für den anderen Zeit nimmt und dass man versucht, seine Argumente ernst zu nehmen. Aber wenn man aus dem Munde des Bundespräsidenten hört, bei uns werde auf hohem Niveau gejammert, dann kann man nur den berühmten Münchner Komiker Karl Valentin zitieren. Der hat gemeint, es sei alles schon gesagt, nur noch nicht von jedem.'

Themenwechsel: Die B.Z. aus Berlin kommentiert den Drogenverdacht gegen den CDU-Politiker Friedman:

'Michel Friedman unter Drogenverdacht. 'Ach, das haben wir doch schon immer gewusst, dass bei dem irgendwas nicht stimmt.' So oder ähnlich denken jetzt viele. Ganz nebenbei mischt sich eine klammheimliche Freude und Häme dazu, dass es den endlich mal erwischt hat. Die Wucht der Berichterstattung in fast allen Medien beweist das. Sie steht in keinem Verhältnis zum Vorwurf. Dabei kommt es jetzt darauf an, sehr genau zu unterscheiden. Da ist zum einen der Vize-Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland. Ein Mann, der gern zuspitzt und polarisiert... Das andere ist der Privatmann Michel Friedman, der vielleicht, wie schon andere vor ihm aus dem Jet-Set, mit der Mode-Droge Kokain herumgespielt hat. Das sind zwei Paar Schuhe.'

Abschließend die KIELER NACHRICHTEN:

Wer in Talkshows oder auf politischer Bühne die Latte der Moral so hoch hängt wie Michel Friedman, der muss sie auch selbst überwinden können. Sollten sich die Vorwürfe gegen ihn bestätigen, dann wäre die Latte gerissen. Friedmans Religionszugehörigkeit darf bei alledem keine Rolle spielen. Dass er Jude ist, darf weder zu besonderer Rücksichtnahme noch zu besonderer Härte führen. War es Kokain, dann hat er sich strafbar gemacht, egal, was er glaubt und zu wem er betet.'

  • Datum 12.06.2003
  • Autorin/Autor zusammengestellt von Helmut Schmitz
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  • Permalink http://p.dw.com/p/3kA2
  • Datum 12.06.2003
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