1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Politik

Pressestimmen von Donnerstag, 6. März 2008

Clinton-Siege bei US-Vorwahlen

Bei den US-Demokraten bleibt der Zwei-Kampf um die Präsidentschaftskandidatur spannend. Senatorin Clinton stoppte die Siegesserie ihres Kontrahenten Obama und gewann die Vorwahlen in Texas, Ohio und Rhode Island.

Die DRESDNER NEUESTEN NACHRICHTEN kommentieren;

'Respekt: Die rostende eiserne Lady aus New York hat ihre Vorwahlbilanz aufpoliert und Stehvermögen gezeigt. Obamas Change, sein mystisch beschworener Wandel, hat sich an beiden Super-Dienstagen als Luftblase entpuppt. Es bleibt alles beim alten: Clinton gewinnt die großen Staaten, Obama die kleinen. ... David Obama hat Goliath Clinton ein Bein gestellt. Zu Fall gebracht hat er die ausgebuffte Ex-First-Lady bislang nicht.'

Die MÄRKISCHE ODERZEITUNG führt aus:

'All jene, die Hillary Clinton schon abgeschrieben haben, wurden nun eines Besseren belehrt. Doch eigentlich konnte keiner ernsthaft geglaubt haben, dass die New Yorker Senatorin schon aus dem Rennen ist. ... Das Weiße Haus ist Hillary Clintons Lebenstraum, und zwar nicht als First Lady, sondern als Präsidentin.'

Nach Ansicht der STUTTGARTER ZEITUNG birgt der anhaltende Zweikampf auch Gefahren für die US-Demokraten:

'Die ... Kandidaten wandeln auf einem schmalen Grat. Keiner weiß, ob sie das zerstörerische Potenzial ihres Duells auf Dauer in den Griff bekommen. Ihr republikanischer Rivale John McCain ist aus einer hoffnungslosen Ausgangslage heraus gestartet. Er bietet vom Thema Irak bis zur Wirtschaftspolitik viele Angriffsflächen. Doch er kann sich zunächst beruhigt zurücklehnen. McCain ist der eigentliche Sieger der Stunde und das nicht nur, weil er nun alle für die Nominierung nötigen Delegiertenstimmen gesammt hat.'

Anders sieht dies das MINDENER TAGEBLATT:

'Auch wenn das Duell der beiden zuletzt in wenig feine Tonlagen abglitt, sorgt die epochale Auseinandersetzung doch für anhaltende Mobilisierung der Anhänger und angespannte Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit - durchaus kein Nachteil gegenüber dem nun feststehenden Gegenkandidaten der Republikaner. Gegen wen John McCain auch immer antreten muss, es wird ein Megha-Medienstar sein'.

Die RHEIN-ZEITUNG aus Koblenz sieht Obamas Kampagne kritisch:

'Programmatisch ist es Clinton, die den Wandel verkörpert: Sie will das kläglich US-Gesundheitssystem revolutionieren, sie tritt für eine effiziente Umweltgesetzgebung sein. Obama schwingt sich zum Anwalt des Neuanfangs auf, doch seine Programmatik ist lückengaft wie ein Schweizer Käse.'

Die BERLINER ZEITUNG geht auf den überraschenden Vorstoß ein, den die ehemalige First Lady nach ihren Wahlerfolgen unternommen hat:

'Hillary Clinton hat ... Obama ein Angebot gemacht: Er könne ihr Vize-Präsident werden. Doch es ist fraglich, ob sich Obama auf diesen Handel einlässt. Er fühlt sich als Sieger und würde die Erste Position beanspruchen. Doch es ist kaum denkbar, dass Clinton sich als Nummer Zwei zur Verfügung stellen würde. Die Partei muss nun mit Fingerspitzengefühl agieren. Sie muss einen Vermittler etwa den als unabhängig geltenden Al Gore einsetzen, der eine Lösung aushandelt. Sonst ist die Gefahr groß, dass in diesem Wahljahr ein weiteres Wunder geschieht und die Demokraten ihre seit Jahren beste Chance auf das Weiße Haus im Streit vertun.'

Im KÖLNER STADT-ANZEIGER ist zu lesen:

'Es erscheint als schlüssig, dass Hillary Clinton jetzt eine Doppelkandidatur ins Spiel bringt, wobei der Wähler darüber befinden soll, wer Koch und wer Kellner sein soll. Die historische Dimension der demokratischen Kandidatur - die erste Frau, der erste Schwarze -würde vereint sichtbar, ohne dass sich beide gegenseitig aus dem Feld zu schlagen versuchen. Doch Clintons Köder birgt auch Gift. Barack Obamas Wahlkampagne fußt auf dem Versprechen, die Politik in den USA völlig neu zu definieren. Das kann er nur als Präsident, nicht als Vize hinter Clinton. Überdies müsste er auch noch mit dem heimlichen Vizepräsidenten konkurrieren: Bill Clinton, Hillarys Mann. Kaum zu glauben, dass dieser «homo politicus» erster Güte untätig bliebe, sollte seine Frau erst mal im Weißen Haus sitzen.'