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Politik

Pressestimmen von Donnerstag, 5. April 2007

Iran lässt Briten frei / Gespräche über Chrysler-Verkauf

Die im Iran festgehaltenen britischen Soldaten sind wieder frei. Mit der Freilassung durch Präsident Ahmadinedschad endete nach knapp zwei Wochen eine Krise, deren Ausgang bis zuletzt völlig ungewiss war. Die Tagespresse widmet sich ausführlich den Motiven der iranischen Führung in dem Konflikt. Ein weiteres Thema dieser Presseschau ist der angestrebte Verkauf der Konzernsparte Chrysler.

Die LANDESZEITUNG aus Lüneburg schreibt zum iranischen Präsidenten:

"Ahmadinedschad ist trotz aller religiös aufgeladenen Endzeitrhetorik ein kühler Rechner. Eine Zuspitzung der Krise hätte den Gewinn gefährdet, den der iranische Präsident jetzt verbucht: Höhere Öleinnahmen und mehr Prestige bei den Nachbarn. Die Bilder verängstigter Offiziere der verhassten Ex-Kolonialmacht, die Grenzverletzungen «gestehen», sowie einer Soldatin, die Kopftuch tragen muss, machen Eindruck bei den sunnitischen Arabern. Die schiitischen Perser festigten ihre Rolle als Vormacht am Golf."

Für die THÜRINGER ALLGEMEINE aus Erfurt stand Ahmadinedschad dagegen unter Druck:

"Die Freilassung als ein Geschenk an London zu bezeichnen, zeigt, in welcher Klemme die Regierung in Teheran steckte. Zweifelsfrei hatten Hardliner der Revolutionsgarde mit dem Überfall auf die Briten in die Außenpolitik eingegriffen. Nach der Verschärfung der UN-Sanktionen wegen der anhaltenden Uran-Anreicherung wollten diese Kräfte ihrer Führung keine Chance zur Mäßigung lassen und drängten auf Eskalation. Präsident Ahmadinedschad wagte nicht, ihnen in den Arm zu fallen. Er ging die Gratwanderung, den verantwortlichen Offizieren Orden zu verleihen, während er gegenüber London bereits beschwichtigte."

Die FRANFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG sieht es so:

"Ohne ein Wort des Revolutionsführers Chamenei wird die Sache nicht abgegangen sein. Von Beginn an war sie auch Teil eines Machtkampfes in Iran selbst. Die Revolutionsgardisten, aus deren Reihen Ahmadinedschad stammt, hatten die Marinesoldaten festgesetzt. Doch dem Rest der Führung war bei dieser Sache vielleicht nicht ganz so wohl wie dem Präsidenten, dem eine weitere Isolation der Islamischen Republik nicht besonders viel ausgemacht hätte. Das Lager der Realisten möchte vermeiden, dass ihr Land international noch mehr ins Abseits gerät.

Und die STUTTGARTER ZEITUNG meint mit Blick auf das umstrittene Atomprogramm des Iran:

"Die iranische Führung hat nicht versucht, die Geiseln im Atomstreit zu benutzen. Ganz offensichtlich sollte der Welt gezeigt werden, dass der Iran keineswegs der Schurkenstaat ist, als der er im Westen angesehen wird. Niemand darf freilich erwarten, dass Teheran im Atomstreit genauso großzügig sein wird und die westlichen Forderungen erfüllt. Auf sein Recht, Atom anzureichern, wird der Iran nicht verzichten. Darin ist sich die sonst untereinander zerstrittene iranische Führung einig."

Themenwechsel: Der Chef des Daimler-Chrysler-Konzerns, Dieter Zetsche, hat Gespräche über einen Verkauf der defizitären US-Sparte Chrysler bestätigt. Es gebe Kontakte zu mehreren Interessenten. Die wahrscheinliche Aufspaltung des Konzerns, neun Jahre nach der Fusion, steht im Mittelpunkt der Pressekommentare.

Das MAIN-ECHO aus Aschaffenburg schreibt:

"Die Eigentümer sehnen nichts mehr herbei als ein schnelles Ende der gescheiterten Ehe. Das ist verständlich - weil ein weiteres Festhalten an Chrysler die Existenz des deutschen Autobauers langfristig selbst gefährden würde. Die Finanzinvestoren wissen gar nicht wohin mit ihrem Geld, die Übernahme eines Brockens wie DaimlerChrysler ist nicht mehr ausgeschlossen. Wenn Zetsche sich aus falsch verstandener Loyalität an Chrysler klammert, werden sich die Investoren DaimlerChrysler eben als Ganzes vornehmen - und filetieren."

Die FRANKFURTER NEUE PRESSE kommt zu dem Schluss:

"Zetsche bleibt gar nichts anderes mehr übrig als zu verkaufen, notfalls auch an eine Heuschrecke, wenn sich kein strategischer Investor findet. Dass er damit als einer der größten Jobvernichter in die US-Industriegeschichte eingehen könnte, ist sicherlich ein Grund dafür, dass er sich bedeckt hält. Er muss der Öffentlichkeit am Ende glaubhaft machen, dass er alle Optionen ausgelotet und nicht einfach nach dem erstbesten Strohhalm gegriffen hat. Schließlich sind die USA ein wichtiger Absatzmarkt für die Marke Mercedes."

In der HEILBRONNER STIMME heißt es:

"Die Trennung von Chrysler ist bereits beschlossene Sache. Zetsche wird damit zwar den Traum seines Vorgängers Jürgen Schrempp endgültig beerdigen, aber für ein stures Festhalten am transatlantischen Konzern gibt es kaum noch Argumente. Chrysler schrieb 2006 einen Milliardenverlust, eine Trendwende ist trotz der jahrelangen Sanierung nicht in Sicht. Wie es um Chrysler bestellt ist, zeigen jüngste Berechnungen. Demnach subventioniert der Hersteller jedes verkaufte Auto durchschnittlich mit 4351 Dollar. Diesen Wert erreichen nicht einmal die US- Konkurrenten GM und Ford."

Und die BADISCHE ZEITUNG schreibt:

"Doch der Verkauf der amerikanischen Tochter ist gar nicht so einfach, eine rasche Lösung nicht sehr wahrscheinlich. Mächtige Pensionslasten und andere soziale Verpflichtungen werden wohl eine satte Mitgift zur Folge haben - auch wenn Zetsche das gestern klein zu reden versuchte. Ob dann noch viel vom Verkaufserlös übrig bleibt, ist fraglich. Aber letztlich hat Zetsche keine Wahl mehr, er muss Chrysler aus der Daimler-Bilanz entfernen. Ein teures Ende mit Schrecken ist jahrelangen Unterhaltszahlungen an die missratene und offenbar unverbesserliche amerikanische Tochter vorzuziehen."