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Politik

Pressestimmen von Donnerstag, 30.Mai 2002

Skandal um Nitrofen im Tierfutter/ Schröder beim DBG-Bundeskongress/ FIFA-Präsident Blatter wieder gewählt.

Themen der Zeitungs-Kommentare sind der Skandal um verseuchtes Tierfutter, der Auftritt von Bundeskanzler Gerhard Schröder beim DGB-Bundeskongress sowie die Wiederwahl des umstrittenen Präsidenten des Welt-Fußballverbandes, Blatter. - Wegen eines Feiertags in mehreren Bundesländern erscheinen zahlreiche Zeitungen an diesem Donnerstag nicht.

Zum neuen Agrar-Skandal notiert die OSTSEE-ZEITUNG aus Rostock:

'Der Öko-Skandal zeigt, wie verletzlich eine vermeintlich heile Erzeuger- und Handelswelt ist, die gegen einen höheren Preis ein besseres Produkt verspricht. Was mancher schon längst geargwöhnt hatte, wird jetzt von der Realität brutal bestätigt: Wo Öko drauf steht, muss längst nicht Öko drin sein. ... Der bittere Beigeschmack, den das Unkrautvernichtungsmittel Nitrofen an Ökoprodukten hinterlassen hat, wird den Bioerzeugern noch lange aufstoßen.'

Der Bonner GENERAL-ANZEIGER schreibt:

'Der Präsident des Bauernverbandes, Gerd Sonnleitner, hat zwar Recht, wenn er die in der Tat eklatanten Versäumnisse bei der Weitergabe der Kontrollergebnisse kritisiert. Aber als Kritiker ist er der Falsche. Sein verharmlosender Umgang mit der BSE-Problematik ist noch in wacher Erinnerung. Überdies vermisst man an seiner Kritik, dass sie sich zuallererst gegen jene wendet, die das Giftzeug ins Getreide und in der Folge auch ins Fleisch und ins Ei gebracht haben'.

Ähnlich argumentiert die OSTTHÜRINGER ZEITUNG, sie erscheint in Gera:

'Dass Opposition und Bauernlobby nun versuchen, der grünen Verbraucherschutzministerin Künast die Schuld in die Schuhe zu schieben, ist klar. Aber Künast muss sich dennoch fragen lassen, ob die jetzt angekündigten Maßnahmen wie eine Auskunftspflicht der Behörden nicht schon viel früher hätten auf den Weg gebracht werden müssen. ... Durch ihr Versäumnis trägt sie ein großes Stück politischer Verantwortung'.

Zur Rede des Kanzlers auf dem Kongress des Deutschen Gewerkschaftsbundes schreibt die BERLINER ZEITUNG:

'Schröder bewies ein gutes Gespür für die Stimmung in den Gewerkschaften. Anstatt die Delegierten emotional aufzuputschen und offen zur Wiederwahl der SPD aufzufordern, appellierte er an deren Eigenverantwortung. Ihr müsst selbst entscheiden, was ihr für richtig haltet, lautete das Signal, aber niemand solle 'hinterher', also im Falle einer Wahlniederlage sagen, er habe über die Folgen nichts gewusst'.

Die DRESDNER NEUESTE NACHRICHTEN führen aus:

'Vier Monate vor der Wahl hätte der Kanzler gut daran getan zu sagen, was er in vier weiteren Jahren positiv gestalten will -
beispielsweise im Gesundheitswesen. Die stärkste Regierungspartei sollte auch nicht deshalb darauf verzichten, nur weil Union und FDP sich überbieten in unseriösen und unsoliden Wahlversprechen'.

Themenwechsel. Zur Wiederwahl des umstrittenen FIFA-Chefs Blatter schreibt DER TAGESSPIEGEL aus Berlin.

'Ums Gute im Spiel ging es wahrlich nicht in der Woche, in der die Fußball-Weltmeisterschaft in Korea und Japan beginnt. Es ging um all die Elemente des Fußballs, die einem das Spiel verleiden könnten: um Pfründe, Marktanteile, um Lug und Trug. Wie da der Schweizer Blatter Freund und Feind gegeneinander ausspielte, wie er intrigierte und Stimmen erschlich mit hohltönenden Phrasen, das war schon eher ein böses Spiel. Wie traurig, dass die deutsche Delegation ihre Finger im bösen Spiel hatte'.

Im NORDBAYERISCHEN KURIER aus Bayreuth ist zu lesen:

'Die große Skandalfigur des internationalen Sports ist als FIFA- Präsident wiedergewählt worden. Obwohl vieles darauf hindeutet, dass er noch korrupter ist als sein Vorgänger Havelange, was ein Kunststück wäre, wurde der wendige Schweizer mit einem besseren Ergebnis als vor vier Jahren wiedergewählt ... Die wahlberechtigten Delegierten, eine saubere Gesellschaft, in der eine Hand die andere wäscht, denken offenbar keinen Deut moralischer als Blatter'.

Die AUGSBURGER ALLGEMEINE fragt:

'Kann dem Fußball-Fan an der Basis das Chaos an der Spitze der FIFA egal sein? Nein. Die Tatsache, dass im deutschen Fernsehen die Mehrzahl der WM-Spiele 2002 nicht mehr frei empfangbar ist, hat er der Politik von Blatter und Co. zu verdanken. Es ist zu befürchten, dass das größte Einzelsportspektakel der Welt in einem Fußball- Kernland wie Deutschland an Bedeutung einbüßt.'

  • Datum 29.05.2002
  • Autorin/Autor Michael wehling
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  • Permalink http://p.dw.com/p/2Mv4
  • Datum 29.05.2002
  • Autorin/Autor Michael wehling
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