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Politik

Pressestimmen von Donnerstag, 3. Juli 2003

Berlusconi-Auftritt vor dem Europaparlament/ Erneute Tarifreform bei der Bahn/ IOC-Entscheidung für Vancouver

Die verbalen Ausfälle des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi vor dem Europaparlament in Straßburg stehen im Mittelpunkt dieses Blickes in die Kommentarspalten der deutschen Tageszeitungen vom Donnerstag. Weitere Themen sind die erneute Tarifreform der Deutschen Bahn und die Wahl von Vancouver als Austragungsort der Olympischen Winterspiele 2010.

Die NORDSEE-ZEITUNG in Bremerhaven hat der Auftritt von Berlusconi nicht überrascht:

"Wie es Egomanen eigen ist, kennt Berlusconi keine Grenzen und bemerkt nicht, wann er den Bogen überspannt. Das galt für seine verbalen Ausfälle gegen internationale Medien, die sich -was ihre Aufgabe ist- kritisch mit ihm auseinander gesetzt haben. Und gilt für seine kaum fassbare Entgleisung gegenüber dem SPD-Europa- abgeordneten Schulz, dem er eine Filmrolle als Aufseher eines Konzentrationslagers antrug. Die EU wird Berlusconi sechs Monate lang schmerzlich ertragen müssen und dessen Ablösung herbeisehnen."

Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG befürchtet, dass aufgrund der verbalen Kämpfe gegen Berlusconi die sachlichen Anliegen der italienischen Ratspräsidentschaft zu kurz kommen:

"Nicht alles davon ist zwingend; aber vieles ist richtig und notwendig: die Stärkung Europas und die Verbesserung der Beziehungen zu Amerika; anderes ist wünschenswert: die Verbesserung und der Abschluss des Verfassungswerks. Werden die kommenden Monate nur noch von dummen Rundumschlägen und eifernden Hetzjagden bestimmt, wird es schwer werden, die europäischen Arbeiten voranzubringen. So muss es nicht kommen, aber es kann so kommen. Vernunft ist schließlich nicht jedermanns Sache."

Die EßLINGER ZEITUNG fragt sich, warum die Proteste gegen die italienische Ratspräsidentschaft verhalten bleiben:

"Im Jahr 2000 ging es nicht nur um Österreichs Ratspräsidentschaft, es ging ums Prinzip. Warum hört man dann jetzt keine Proteste? Fakt ist, dass es keinen Weg gibt, die halbjährliche Rotation der EU- Ratspräsidentschaft zu blockieren. Außerdem hat man im Fall Österreich gelernt, dass der Boykott eines Mitgliedsstaates als Bumerang zurückkommt. Denn wesentliche Entscheidungen im Rat müssen einstimmig fallen; Österreich blockierte damals seinerseits. Für die Politik heißt das: Stillstand. In der derzeitigen Lage der EU wäre das fatal."

Die Bahn will die alte Bahncard wieder einführen. Für das HANDELSBLATT in Düsseldorf kommt diese Entscheidung zu spät:

"Mit Wiedereinführung der beliebten Bahncard wirbt Mehdorn zwar um neues Vertrauen, doch er sollte sich keinen Illusionen hingeben. Das Theater um die Tarifreform hat die Bahn mindestens ein, wenn nicht zwei Jahre zurückgeworfen. Entsprechend lange sollten die Börsenpläne zurückgestellt werden."

Die STUTTGARTER ZEITUNG stellt die Wiedereinführung der alten Bahncard in einen größeren Rahmen:

"Radikale und flexible Kehrtwenden wie diese waren bisher nicht unbedingt Teil der deutschen Unternehmenskultur. Amerikanische Unternehmen wie Coca-Cola, das eine unpopuläre neue Geschmacksrichtung bei seiner braunen Brause vor Jahren in Rekordtempo wieder vom Markt nahm, haben das in der Vergangenheit leichter geschafft. Sollte die schon kaum mehr erhoffte Wendigkeit des Großunternehmens Bahn AG tatsächlich ein Symbol dafür sein, dass in Deutschland einige Dinge in Bewegung kommen? Nicht nur Bahnkunden würden sich das wünschen."

Zum Schluss noch eine Stimme zur Wahl von Vancouver als Austragungsort der Olympischen Winterspiele 2010. Für die LEIPZIGER VOLKSZEITUNG steigen nun die Chancen für Leipzig als Bewerber für die Sommerspiele im Jahr 2012:

"Leipzig hat guten Grund, in den Jubel Vancouvers einzustimmen. Mit der gestrigen Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees , die Winterspiele nach Kanada zu vergeben, sind die Aussichten der europäischen Bewerber für die Sommerspiele 2012 gestiegen. Deshalb wurde der Ausgang auch in London, Paris, Madrid und Moskau freudig begrüßt. Doch nicht nur dieser Ausgang lässt die Hoffnung für den deutschen Kandidaten steigen. Wenn es das IOC ernst meint mit seinem Kampf gegen Auswüchse der Spiele, wenn wirklich der Gigantismus eingedämmt und die Kosten reduziert werden sollen, dann hat Leipzig gegen die großen Städte dieser Welt seine Chance und kann vielen anderen von gleicher oder ähnlicher Größe Mut machen."

  • Datum 02.07.2003
  • Autorin/Autor zusammengestellt von Walter Lausch
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  • Permalink http://p.dw.com/p/3oFH
  • Datum 02.07.2003
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