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Politik

Pressestimmen von Donnerstag, 25. März 2004

Der geplante Anschlag auf Bundespräsident Johannes Rau

Beherrschendes Thema in den deutschen Tageszeitungen ist der geplante Anschlag auf den deutschen Bundespräsidenten Johannes Rau.

Die OSTSEE-ZEITUNG aus Rostock notiert:

"In Spanien diktieren islamistische Terroristen schon demokratische Wahlen. Jetzt auch den Reisplan des deutschen Staatsoberhauptes. Die jüngste Terrorwarnung für die Dschibuti-Visite von Johannes Rau ist alarmierend wie bedrückend. Die Bedrohung durch die islamistische Internationale rückt näher."

Die OSTTHÜRINGER ZEITUNG aus Gera stellt fest:

"Den Kriegern ist es völlig egal, unter welcher Fahne die erklärten Gegner marschieren. Und sie machen wie im Irak oder in Afghanistan keine Unterschiede, ob Soldaten oder Zivilisten zum Schutz und zum Wiederaufbau eingesetzt sind. Es ist ihnen völlig gleichgültig, ob ein Politiker wie Rau auf Ausgleich und friedliche Lösungen internationaler Konflikte setzt und dies eben erst auf seiner Afrikareise mehrfach betont hat."

So sehen es auch die LÜBECKER NACHRICHTEN:

"Auch ein friedfertiges und tolerantes Staatsoberhaupt wie Johannes Rau steht im Visier dieser Fanatiker. Eigentlich unverständlich. Hatte doch Rau während seiner Afrika-Reise nachdrücklich die Industrienationen kritisiert, die mitverantwortlich für Ungleichheit, Armut und Hoffnungslosigkeit in der Dritten Welt seien. Rau meint das ehrlich, es sind keine Lippenbekenntnisse. Für militante Islamisten ist aber alles Westliche unterschiedslos Hassobjekt."

Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG ergänzt:

"Raus politische Ansichten spielten für jene, die ihn nach den Erkenntnissen des Geheimdienstes ermorden wollten, keine Rolle. In Dschibuti sollten das Staatsoberhaupt einer westlichen Demokratie und mit ihm diese Staatsform und deren Prinzipien getroffen werden, während in Madrid noch die Opfer der letzten Attacke beweint wurden."

Auch die NEUE WESTFÄLISCHE aus Bielefeld kann nicht verstehen, warum es Johannes Rau treffen sollte:

"Ausgerechnet Rau, der über alles tolerante Versöhner zwischen den Religionen, war nach Erkenntnissen der Geheimdienste zum Opfer auserkoren. Das macht nur noch deutlicher, worum es den Terroristen geht: Wer nicht für sie ist, der ist gegen sie."

Die RHEIN-NECKAR-ZEITUNG aus Heidelberg vermutet:

"Der islamistische Terror sucht - ganz sicher auch als Antwort auf die Liquidierung des Hamas-Gründers Jassin durch Israel - die ganz große Geste. Ein Anschlag auf Bundespräsident Johannes Rau in Dschibuti, wo die deutschen Enduring-Freedom-Soldaten vor Anker liegen, hätte eine solche Gewalthandlung von maximaler Symbolik sein können."

Die STUTTGARTER NACHRICHTEN sehen einen weiteren möglichen Grund:

"Am Horn von Afrika überwachen deutsche Soldaten eine Schlechtwetterecke der Welt. Das könnte vielleicht ein Anlass sein für symbolische Anschläge, wie sie in Terroristenhirnen erdacht werden. Grund genug also, die Bedenken der Dienste ernst zu nehmen."

Die KIELER NACHRICHTEN sind froh, dass Rau seine Afrika-Reise abgebrochen hat:

"Der Präsident wich der Gefahr aus, die seinem und dem Leben der Soldaten in Dschibuti drohte, er folgte insofern dem Diktat der Terroristen. Und das war notwendig. Falscher Heldenmut in dieser Situation hätte tödlich enden können."

Die THÜRINGER ALLGEMEINE aus Erfurt sieht eine generelle Gefährdung in der Welt:

"Der verhinderte Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Straßburg, das Morden in Madrid, die Bedrohung von Bundespräsident Rau bestätigen, dass es keine Ausnahmen gibt bei den Angriffszielen. Wer also hoffte, in jedem Fall verschont zu bleiben wegen der Nichtbeteiligung seines Landes am Irak-Krieg oder auch, weil er selbst gar nichts mit den Konflikten in der Welt zu tun hat, der irrt."

Ebenso beurteilt die LEIPZIGER VOLKSZEITUNG die internationale Lage:

"Büromitarbeiter im Welthandelszentrum, Touristen auf der Insel Djerba, Pendler in Madrid - Ziel kann Alles und Jedes sein. Das Leben ist seit dem 11. September 2001 weltweit riskanter geworden, und die Ursachen des Terrors zu überwinden, wird lange dauern. Die westliche Zivilisation muss sich in angemessenem Umfang schützen und - so wie Rau - konkrete Gefahren meiden. Sie muss aber auch lernen, Bedrohungen auszuhalten."

Zusammengestellt von Frank Gerstenberg.

  • Datum 24.03.2004
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  • Permalink http://p.dw.com/p/4pSe
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