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Politik

Pressestimmen von Donnerstag, 25. Juli 2002

Anhaltende Kritik am israelischen Luftangriff in Gaza / Patentamt revidiert Entscheidung zu Stammzellen / Kurssturz an Aktienbörsen

Die Kommentatoren der Tageszeitungen befassen sich vor allem mit der anhaltenden Kritik am israelischen Luftangriff in Gaza und der neuen Stammzellen-Entscheidung des Europäischen Patentamtes. Ein weiteres Thema ist die wachsende Sorge wegen der Kursverluste an den Börsen.

Die FRANKFURTER RUNDSCHAU führt zum israelischen Luftangriff aus:

"Regierungschef Ariel Scharon läßt sich mit dem Satz zitieren, er hätte den Angriff verschieben lassen, wenn er nur geahnt hätte, dass da auch Zivilisten waren. Wer kann auch damit rechnen, dass sogar bei Nacht in einem zivilen Wohnhaus Zivilisten wohnen. Die Einsicht ist gering. Scharon begreift noch immer als Irrtum, was der Sachlage nach wahrscheinlich ein Kriegsverbrechen war. Es wäre gewiss nicht das erste in den 22 Monaten der aktuellen bewaffneten Krise, der Selbstmordattentate und Reaktionen, welche die Grenze des Staatsterrorismus nicht nur am Rande streifen. Diese Entwicklung ist gefährlich."

Die AUGSBURGER ALLGEMEINE merkt zum gleichen Thema an:

"Friedliche Verhältnisse lassen sich so nicht herstellen.
Inzwischen muss man davon ausgehen, dass friedliche Verhältnisse nicht dringend gewünscht werden. Die Kriegsherren beider Seiten haben das Sagen. Sie haben ein intimes Verhältnis zur Gewalt. Frieden ist kein zentraler Teil ihres Bewusstseins. In dieser Besetzung ist und bleibt der Nahe Osten ein hässlicher Ort."

Zum weitgehenden Widerruf der umstrittenen Patentierung der Stammzellen-Züchtung lesen wir im GENERAL-ANZEIGER aus Bonn:

"Im zweiten Anlauf kam doch noch eine halbwegs kluge Entscheidung zustande: Die Einspruchsabteilung des Europäischen Patentamtes hat der kommerziellen Verwendung von Embryonen einen Riegel vorgeschoben.
Das umstrittene Patent der Universität Edinburgh zur Züchtung von genveränderten Stammzellen gilt künftig nicht mehr für menschliche embryonale Zellen. Damit hat die Behörde eine weitreichende Folge verhindert: Nun ist klargestellt, dass das Verwertungsrecht nicht die ethisch verwerfliche Patentierung des Menschen beinhaltet. Allerdings
können weiterhin zu den Erfindungen Lebewesen fast wie Waren mit patentiert werden. Auch das ist moralisch zumindest fragwürdig."

Der WESTFÄLISCHE ANZEIGER aus Hamm zeigt sich skeptischer:

"Was bedeutet die Rücknahme des Europäischen Patentamts? Doch nichts weiter als dass sich niemand eine bestimmte Methode allein zu Nutze machen darf. Menschliche Gene werden weiterhin erforscht werden, vor allem um Krankheiten bekämpfen zu können. Dazu gehören
Gentherapien ebenso wie das Klonen. Die Angst vor Krankheiten wie etwa Krebs macht es schwer, gegen diese vielleicht heilbringenden Versuche zu protestieren. Doch je mehr erforscht wird, umso mehr wird möglich. Daher gilt es hier lediglich, den Menschen, den Verbraucher, den Patienten durch entsprechende Kontrollmechanismen zu schützen.
Mehr ist nicht drin."

Die kräftigen Verluste an den Börsen veranlassen die FRANKFURTER ALLGEMEINE zu folgendem Kommentar:

"(...) Wer meint, der Kurssturz an den Börsen berühre nur
Aktienbesitzer und Spekulanten, der irrt. Die Vernichtung von
Buchvermögen in Milliardenhöhe an den Börsen trifft jeden. Alle, die ihr Geld in einer Kapitallebensversicherung angelegt haben oder mit einer betrieblichen Altersvorsorge für den Ruhestand sparen, müssen die Verluste mittragen. (...) Wie zuvor in der Übertreibung nach oben sollten Anleger und auch die Politiker jetzt einen kühlen Kopf bewahren. Der Kursverfall macht allen Anlegern schmerzhaft deutlich, dass die Altersvorsorge nicht nur auf Aktien aufbauen darf."

Abschließend zitieren wir DIE WELT aus Berlin zu diesem Thema:

"Bewertungen wie 'katastrophal' oder 'dramatisch' klingen
untertrieben angesichts eines Niedergangs des Dax um rund 20 Prozent innerhalb von nur fünf Börsentagen. Was dort geschieht, lässt sich nur als panischer Ausverkauf beschreiben. Der Verweis auf einen enttäuschenden Ausblick bei Siemens oder auf die Verwicklung amerikanischer Großbanken in fragwürdige Geschäfte mit dem
Energiekonzern Enron kann als Erklärung für die tägliche
Kapitalvernichtung von Abermilliarden nicht mehr herhalten. Spürbar wird vielmehr eine tiefe Verunsicherung des Publikums, die über den in den vergangenen Wochen häufig beschriebenen Vertrauensverlust weit hinausgeht. Das Problem ist, dass einer solchen Situation mit vernünftigen Argumenten nicht mehr beizukommen ist."

  • Datum 24.07.2002
  • Autorin/Autor Reinhard Kleber
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  • Permalink http://p.dw.com/p/2VQ9
  • Datum 24.07.2002
  • Autorin/Autor Reinhard Kleber
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