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Politik

Pressestimmen von Donnerstag, 22. Dezember 2005

Bundesgerichtshof verlangt neuen Mannesmann-Prozess / Vergabe der TV-Rechte für Fußball-Bundesliga

Die meisten Zeitungen kommentieren die Aufhebung der Freisprüche im Mannesmann-Prozess. Die Entscheidung des Bundesgerichtshofes findet dabei uneingeschränkt Zustimmung. Ein weiteres Thema ist die Vergabe der Fernseh-Übertragungsrechte für die Fußball-Bundesliga:

Die MITTELDEUTSCHE ZEITUNG aus Halle notiert:

"Das Düsseldorfer Urteil vom 22. Juli, in dem alle im Mannesmann-Prozess beschuldigten Manager und Aufsichtsräte freigesprochen wurden, ist Makulatur. So sieht es der Bundesgerichtshof (BGH). Deshalb müssen sich Esser, Ackermann, Zwickel und die anderen einem neuen Verfahren stellen. Wie dieses ausgehen wird, ist offen. Dennoch geht vom BGH-Spruch ein wichtiges Signal aus: Manager und Aufsichtsräte sind Sachwalter von Unternehmen, die ihnen anvertraut wurden. Selbstbedienungsmentalität einerseits und das Zuschanzen hoher Abfindungen andererseits haben da nichts zu suchen."

Noch deutlicher wird die in Heidelberg erscheinende RHEIN-NECKAR-ZEITUNG - Zitat:

"Die Gefälligkeits-Freisprüche des Düsseldorfer Landgerichts sind in Karlsruhe in der Luft zerrissen worden. Und das ist gut so. Denn die offensichtliche Inkompetenz der Erstinstanz hat dem sozialen Klima in diesem Lande, aber auch dem Vertrauen in die Justiz und in die Chefetagen der Wirtschaft schier irreparablen Schaden zugefügt. Der BGH hat eine Entscheidung im Dienst der wirtschaftspolitischen Hygiene getroffen."

DER TAGESSPIEGEL aus Berlin sieht es folgendermßen:

"Der erste Mannesmann-Prozess war neben all seinen spektakulären Einzelszenen der Auftakt für eine ernsthafte Ethikdebatte in der Wirtschaft, deren vorläufiges Ergebnis heißt: Nachhaltiger Profit und Verantwortungsbewusstsein schließen sich nicht aus, in Deutschland bedingen sie einander. Das könnte, das sollte den neuen Prozess
prägen. Und wenn Ackermann am Ende nicht mehr Chef der Deutschen Bank wäre: Mit einem Urteil, das die Entwicklung dieser Debatte reflektiert, könnte er vermutlich besser leben als mit dem Freispruch zweiter Klasse aus dem ersten Prozess."

Das HANDELSBLATT - es erscheint in Düsseldorf - stellt schließlich die Frage:

"Bringt Deutschland also am Ende einen Banker zur Strecke, der nur internationaler war als alle anderen? Ackermann selbst sieht das möglicherweise so. Deutschland, das wichtigste Standbein seiner Bank, ist ihm in mehr als einer Hinsicht zum Bleigewicht geworden. Trotzdem darf man keinen Gegensatz zwischen deutscher Verankerung und
internationaler Rolle konstruieren. Die Deutsche Bank muss es schaffen, international erfolgreich zu sein und sich zugleich wieder ihren deutschen Kunden zuzuwenden. Der nächste Vorstandssprecher der Deutschen Bank sollte sich das Ziel setzen, sie wieder zu der 'Ausnahmebank' zu machen, die sie einst für alle Deutschen war."

Themenwechsel: Die TV-Übertragungsrechte für die Fußball-Bundesliga bis 2008 sind vergeben. Dazu schreibt die PFORZHEIMER ZEITUNG:

"Die Vernunft hat gesiegt. Die 36 Profi-Clubs aus der 1. und 2. Fußball-Bundesliga haben auf mehr TV-Gelder verzichtet und sich für die schnelle Zusammenfassung der Spiele im frei empfangbaren Fernsehen entschieden. Das ist schön für die Fans, aber aus reiner Nächstenliebe hat die Deutsche Fußball-Liga diese Entscheidung nicht getroffen. Ein Verschwinden in der Versenkung - sprich im Pay-TV - hätte die Bundesliga auf Dauer nicht verkraftet."

In der NEUEN WESTFÄLISCHEN aus Bielefeld heißt es:

"Ein gutes Ergebnis für den Fußballfreund in Deutschland. Zumal Erstverwerter nach dem neuen Bezahlfernseh-Unternehmen Arena die ARD- Sportschau bleibt. Und nicht wieder ein Privatsender mit einer unsäglichen Fußballshow wie 'ran' installiert wird. Wir Verbraucher sind die Gewinner des Tages. Das kommt in unserer Kommerz getriebenen Gesellschaft so oft nicht mehr vor."

Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG gelangt zu folgender Einschätzung:

"Der Platzhirsch Premiere, bislang als Bezahlsender alleine vorn, ist vom Ligaverband ausgewechselt worden gegen eine Firma namens 'Arena', hinter der Kabelgesellschaften und Investoren stehen. Die haben erkannt, daß mit dem Fußball, so teuer er sei, viel Geld zu verdienen ist und ihnen die Zukunft gehört - weil sie nicht nur die Infrastruktur, also Kabel und Satellit, haben, sondern auch das Programm. Nimmt man das Internet als Übertragungsweg hinzu, den sich beim Wettbieten die Deutsche Telekom gesichert hat, sehen wir, wie das Fernsehgeschäft künftig funktioniert: nach dem Prinzip des sogenannten 'Triple Play' mit drei Komponenten in einer Hand."

Speziell die Pleite für Premiere kommentiert die ABENDZEITUNG in München:

"Premiere-Chef Kofler hat sich schlicht verzockt bei seinem Angebot: Das lag zwar 40, vielleicht gar 50 Millionen Euro über dem der Konkurrenz von Branchen-Neuling Arena. Aber im Gegenzug wollte Kofler die ARD-Sportschau killen; ein Volksgut quasi, besetzt mit Tradition und Emotion. Den Auf- und Widerstand von Fans, Liga-Chefs und Sponsoren hat Kofler unterschätzt. Eine unternehmerische Fehlentscheidung. Eine, die auch Fans trifft. Zumindest jene Hardcore-Fußballgucker, die beim Live-Erlebnis von Premiere zuletzt aufwändig verwöhnt wurden, müssen sich erheblich umstellen oder schauen in die Röhre. Gelegenheits-Guckern - das ist die Mehrzahl, und daher macht die Rechtevergabe Sinn - bleibt die geliebte Sportschau. Kofler bleibt nichts."

  • Datum 21.12.2005
  • Autorin/Autor Stephan Stickelmann
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  • Permalink http://p.dw.com/p/7gVn
  • Datum 21.12.2005
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