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Politik

Pressestimmen von Donnerstag, 20. März 2008

Fünf Jahre Irak-Krieg

Fünf Jahre nach Beginn des Irak-Kriegs hat US-Präsident Bush die Invasion als notwendig verteidigt. Bush räumte jedoch ein, dass der Krieg länger und härter und mit bisher 500 Milliarden Dollar auch teurer gewesen sei als erwartet. Das Fazit der Kommentatoren der deutschen Presse fällt durchweg negativ aus.

So stellt die STUTTGARTER ZEITUNG fest:

"Es zeigt sich, dass der moderne Krieg wenig taugt. Entweder man besetzt ein Land konsequent oder betreibt den asymmetrischen Krieg mit seinen Regeln: Geheimagenten, Spezialkräfte und die Abkehr vom Kriegsrecht. Oder man geht den friedlichen Weg; Diplomatie, Auslandshilfe....Die Torheiten der Bush-Regierung stellen einen schweren Systemfehler dar, der sich nicht wiederholen sollte. Die mächtige Herausforderung durch den islamistischen Terror ist dafür keine Entschuldigung."

Die FRANKFURTER RUNDSCHAU schreibt:

"Die Demokratie ist diskreditiert als ein Importartikel arroganter Besatzer. Die weltlichen, im besten Sinne bürgerlichen Kräfte sind durch die gewollte Konfessionalisierung so weit abgedrängt, dass etwa von Frauenrechten kaum mehr die Rede ist....US-Vize-Präsident Cheney hat Recht: Der Job ist noch nicht erledigt. Doch es ist ein anderer als der, den er im Sinn hat. Er besteht in friedlichem Aufbau. Die bisherige US-Politik erschwert ihn ungemein."

Im NEUEN DEUTSCHLAND ist zu lesen:

"Als George W. Bush damals nach nur 41 Tagen Krieg in Irak auf einem Flugzeugträger im Golf melden ließ, sollte aller Welt bewiesen sein: Der am 20. März 2003 begonnene Krieg zur Unterwerfung eines unbotmäßigen Diktators ist in historisch kurzer Frist beendet.... Doch das zurechtgelogene Bild hielt der Realität nicht lange stand. Mögen viele Iraker nach dem Sturz Saddam Husseins aufgeatmet haben - menschenverachtende Brutalität, rassistische Überheblichkeit, hemmungslose Bereicherungssucht der US-Amerikaner verbunden mit totaler Konzeptionslosigkeit haben aus Irak längst eine Hölle von Krieg und Terror werden lassen."

Die OSTTHÜRINGER ZEITUNG aus Gera notiert:

"Es gab eine Zeit, da sah es so aus, als würde in den USA eine mächtige Bewegung entstehen, die das rasche Kriegsende erzwingt. Diese Zeit ist vorbei. Der Antikriegswahlkampf, den sich viele Demokraten vorgestellt haben, findet nicht statt. Und das wird so bleiben, solange die tägliche Gewalt im Irak nicht noch einmal eskaliert, sondern auf dem traurigen Niveau verharrt, das man gerade noch ignorieren kann."

Abschließend noch der KÖLNER STADT-ANZEIGER, der bilanziert:

"Am Anfang stand ein zögernder Schritt, den man im leichtfertigen Vertrauen auf die politische Führung, in der Gewissheit der militärischen Überlegenheit und mit vielen unterschwelligen Ängsten begann.... Dennoch, auch nach fünf Jahren hat dieser Krieg in der amerikanischen Gesellschaft seinen festen Platz. Er wird angenommen, wie man ein ungeliebtes Familienmitglied akzeptiert, auch wenn man sich ständig darüber ärgert. Er wird aber auch verdrängt, wie eine hässliche chronische Krankheit, an die man gar nicht denken will, wenn es nicht gerade sein muss."