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Politik

Pressestimmen von Donnerstag, 19.8.2004

Sommerpressekonferenz Bundeskanzler Gerhard Schröder/ Börsengang Google

Die traditionelle Pressekonferenz zum Ende der Sommerpause von Bundeskanzler Gerhard Schröder ist das beherrschende Thema der Kommentare deutscher Tageszeitungen.

Halbzeitbilanz hat Bundeskanzler Gerhard Schröder in seiner Sommerpressekonferenz gezogen und dabei noch einmal die Arbeitsmarktreformen verteidigt. Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG zollt ihm Respekt:

"Wer erwartet hatte, nach Wochen der Abwesenheit und eines angeblich hündischen Leidens in der Ferne einen kleinlauten Bundeskanzler auf die Berliner Bühne zurückkehren zu sehen, lag falsch: Der schon zur Tradition gewordene Auftritt, mit dem Schröder vor der Bundespressekonferenz das Ende der politischen Sommerpause einläutet, zeigte ihn wieder in Bestform: kraftvoll, zuversichtlich, unerschütterlich - das pure Gegenbild zu all den Kleinmütigen, die vor den Protesten auf der Straße Reißaus genommen und sich in die Büsche geschlagen haben."

Ähnlich der Kölner EXPRESS:

"Kanzler Schröder wirkte gelöst, entspannt und witzig wie lange nicht mehr. Keine Spur von Resignation nach dem Trommelfeuer gegen seine Reformen und der Hysterie um Hartz IV. Im Gegenteil: Schröder ließ keinen Zweifel daran, dass er allen miesen Umfragen zum Trotz an seiner Politik festhalten und sein Ding unbeirrt durchziehen werde. Eine seriöse Alternative hat er ohnehin nicht."

Die ABENDZEITUNG aus München meint:

"Ob Schröders Selbstbewusstsein und Optimismus, die er bei seiner Rückmeldung in Berlin zur Schau stellte, wirklich tragen und zum Erfolg führen werden, bleibt angesichts einer einmalig verstörten Öffentlichkeit natürlich offen. Dennoch sollte niemand die Entschlossenheit des Kanzlers unterschätzen, mit seinem in der Sache alternativlosen Reformkurs auf Dauer doch noch für sich und seine Partei zu punkten."

Die Lüneburger LANDESZEITUNG merkt an:

"Kennzeichnete Schröder in Sachen Reformfreude bisher eher opportunistische Wendigkeit, gibt er sich jetzt entschlossen. Das setzt ihn positiv gegenüber der Union ab, die unter dem Eindruck der Montagsdemonstrationen versucht, ihre eigene Mit-Verantwortung an den Reformen zu verschleiern. Darüber hinaus ist Schröders Festhalten am Reformkurs aber auch ein richtiges Signal für die politische Kultur."

Dagegen meint die FRANKFURTER RUNDSCHAU Schröder habe nichts verstanden, was die Bevölkerung irritiert:

"Gerade für das Überzeugungshandwerk fehlt Schröder das adäquate Instrumentarium. Er findet, außer ein paar Höflichkeitsfloskeln für die Ostdeutschen, keine Sprache für die tief greifende Verängstigung, die in der Gesellschaft hochkriecht. Er hat keine passenden Antennen für die Wut, die sich vielerorts aufstaut... Hartz IV, kündigt der Kanzler an, muss vom gesetzgeberischen Vorhaben zur gesellschaftlichen Wirklichkeit werden. Er versteht als Versprechen, was vielen eine Drohung ist."

Die Berliner TAGESZEITUNG sieht gar ein Versagen Schröders:

"Eine Erklärung des Kanzlers war überfällig. Die anschwellende Protestbewegung und die Ängste, die Hartz IV bei großen Teilen der Bevölkerung auslöst: Wenn ein Regierungschef meint, das ließe sich allein auf gezielte oder versehentliche Fehlinformation zurückführen, dann muss er Skeptiker überzeugen. Gerhard Schröder hat das nun versucht. Aber er ist auf so dramatische Weise gescheitert, dass es besser gewesen wäre, er hätte geschwiegen. Falsche Form, falsche Inhalte. Ein verstörender Auftritt."

Zum Schlusss das Düsseldorfer HANDELSBLATT, das dich sich dem Hick-Hack um den Börsengang der Suchmaschine Google widmet:

"Angesichts der Serie von Pleiten, Pech und Pannen, die den Börsengang von Google überschatten, sprechen viele an der Wall Street bereits von einem Desaster. Dieses Urteil ist nicht nur voreilig, sondern gründet sich vor allem auf Missgunst. Hat doch das Establishment an der Wall Street überhaupt kein Interesse daran, dass die wohl ungewöhnlichste Neuemission der letzten Jahre ein Erfolg wird. Google hat mit seiner Aktienauktion viele Investmentbanken und Investoren vor den Kopf gestoßen. Sind die Finanzjongleure es doch gewohnt, bei einem Börsengang mit Hilfe von zwielichtigen Geschäften richtig abzusahnen. Die Auktion verhindert das und belässt die Gewinne beim Unternehmen. Wird Google ein Erfolg, könnte die Auktionsidee zum Missfallen der Wall-Street-Banker Schule machen."

  • Datum 18.08.2004
  • Autorin/Autor zusammengestellt von Gerhard M Friese
  • Schlagwörter Presse, Presseschau
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  • Permalink http://p.dw.com/p/5SW4
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