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Politik

Pressestimmen von Donnerstag, 18. Oktober 2007

Nahverkehr-Lokomotivführer streiken

Der Arbeitskampf bei der Bahn erreicht mit der Entscheidung der Lokführergewerkschaft GDL, das jüngste Tarifangebot der Bahn abzulehnen und neue Streiks auszurufen einen Höhepunkt – und der Gewerkschaftsführer Manfred Schell geht in Kur. Das Thema fordert die Kommentatoren der deutschen Tagespresse heraus.

So schreibt der Berliner TAGESSPIEGEL:

“Jetzt geht es also richtig los, ohne Manfred Schell. Millionen von Fahrgästen müssen in den nächsten Tagen – und Wochen? – ohne Regionalzüge und S-Bahnen auskommen. Und die Bahn bekommt kurz vor ihrem geplanten Börsengang gezeigt, wer die wirkliche Macht im Führerstand hat. Schwierige Zeiten brechen an für Bahn-Chef Hartmut Mehdorn. Von der Forderung eines eigenständigen Tarifvertrags werden die Lokführer nicht lassen. Schells sächselnder Statthalter Claus Weselsky gilt ohnehin als Hardliner, und obendrein will er sich als künftiger Vorsitzender der Lokführergewerkschaft GDL empfehlen.”

Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG zeigt keinerlei Verständnis für den Streik:

“Wer so einen Arbeitskampf führt, der macht sich lächerlich. Ihm fehlt jenes Minimum an Zuverlässigkeit, das vor allem die Kunden der Bahn verlangen werden, wenn sie dem Anliegen der Lokführer weiterhin wohlwollend gegenüberstehen sollen. Er unternimmt alles, dass sein Anliegen sehr bald gar nicht mehr diskutiert werden wird spätestens dann nicht mehr, wenn die Boulevardpresse Bilder von verstopften Straßen zeigt, und daneben ein Foto, wie es sich der GDL-Chef in der Kur gut gehen lässt. Die Führung der Gewerkschaft gehört nicht in Kur, sondern dringend in Klausur.”

Ähnlich sieht es die Zeitung DIE WELT:

“Der Arbeitskampf bei der Bahn eskaliert – und Manfred Schell, Chef der Lokführergewerkschaft GDL, beobachtet das Ringen und das Chaos auf den Bahnsteigen mit sicherem Abstand von seinem Kurort am Bodensee. Was reitet den Mann? … Da ein Demontage Schells innerhalb der GDL ausgeschlossen werden kann, gibt es nur eine Erklärung für sein Abtauchen: Der Versuch, die Bahn durch demonstratives Fernbleiben zu provozieren. …Doch Schells Atempause kann die GDL teuer zu stehen kommen. … Schells Kur wirft die GDL mehr zurück als jeder taktische Kniff der Bahn.”

Schließlich die Münchener ABENDZEITUNG, die beide Seiten mahnt:

“Bahn und GDL scheinen von ernsthaften Verhandlungen weiter entfernt denn je. Die Bahn produziert ein 250 Seiten langes Papier, ohne wirklich neues Angebot. Wer so etwas zustande bringt, hat noch hohe Kostensenkungspotentiale im Unternehmen. Effektiv ist das nicht. Möglicherweise aber Kalkül. Anstatt im Sinne seiner Kunden zu handeln, schiebt Bahn-Chef Mehdorn mögliche Interessen künftiger Bahn-Aktionäre vor. Wir Bahnfahrer haben es satt. Taktische Spielchen auf dem Rücken von Millionen Unbeteiligten auszutragen, ist nur noch schäbig. Bahn und Lokführer-Gewerkschaft sollten sich endlich ihrer Verantwortung für das Gemeinwohl besinnen. Einen weiteren Streiktag darf es nicht geben.”