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Politik

Pressestimmen von Donnerstag, 15. November 2007

Streik der Lokführer

Es ist der größte Streik in der Geschichte der Deutschen Bahn - noch bis Samstagfrüh will die Lokführergewerkschaft GDL weite Teile des Güter- und des Personenverkehrs lahmlegen. Vorläufiger Höhepunkt eines Tarifkonflikts, in dem sich bislang genauso wenig bewegt hat wie jetzt wieder auf der Schiene. Die Pressekommentare bewerten die Lage untrerschiedlich.

Die OSTTHÜRINGER ZEITUNG aus Gera schreibt:

"Wie es in der Tarifauseinandersetzung zwischen Bahn und GDL weitergehen soll, ist heute kein wenig klarer als vor vier Monaten. Seither haben das tarifpolitische Schattenboxen vor den Arbeitsgerichten sowie gegenseitige Drohungen, Schuldzuweisungen und Vertrauensverlust das Bild geprägt. Wenn das das Ergebnis der viel gerühmten deutschen Sozialpartnerschaft und Tarifautonomie sein soll, dann darf man hieran ernsthafte Zweifel anmelden. GDL und Bahn haben es in der Hand, das deutsche Tarifgefüge entweder zu retten - oder zu sprengen."

Die STUTTGARTER NACHRICHTEN bemerken zu den beiden Kontrahenten:

"Siegt Mehdorn, ist Schell weg. Der tritt zwar eh ab; der Gewerkschaftsboss steht vor der Rente. Doch er kämpft sein letztes Gefecht und hat nicht wirtschaftlich, aber persönlich ebenso viel zu verlieren: seinen Platz im Geschichtsbuch einer kleinen Arbeitnehmerorganisation. Solcherart Eitelkeit ist leider verbreitet bei öffentlichen Personen im Herbst ihres Berufslebens. Der Schaden, den ihr Konflikt anrichtet, ist immens. Einigen sie sich nicht schnell, muss einer von beiden weg. Und weil das ein Sieg für den anderen wäre, gehen am besten gleich beide."

Der TRIERISCHE VOLKSFREUND kommentiert:

"Die Zeit arbeitet für die Gewerkschaft. Und weil das so ist, gibt es bereits politische Überlegungen, angesichts der Dauer und der Auswirkungen des Arbeitskampfs das in der Verfassung verbriefte Streikrecht zu ändern. Davor kann man nur warnen. Das Grundgesetz ist keine Manövriermasse, um sturen Managern den Umgang mit ihren Angestellten zu erleichtern oder mitunter starrhalsige Gewerkschaftsbosse gefügig zu machen. Was hilft, ist etwas anderes: Vernunft."

In der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG heißt es:

"Was den Piloten und Ärzten recht ist, soll den Lokführern billig sein: Sie wollen einen eigenständigen Tarifvertrag. Dass sie dafür umfassend streiken dürfen, ist ihnen gerichtlich bestätigt worden. Der Streit hat einen Punkt erreicht, an dem die Bahn mehr zu verlieren hat als die GDL: nicht nur Kunden, sondern die Zukunft. Mehdorn muss Schell entgegenkommen - mit dem Angebot, die Lokführer in eine eigene Gesellschaft mit eigenen Tarifbedingungen zu überstellen. Dann können sie wählen, ob sie dort mehr Geld verdienen wollen oder ob sie im Schoße des vertrauten Konzerns soziale Sicherheit genießen möchten."

Im NEUEN TAG aus Weiden liest man:

"Mit ihrer neuerlichen Eskalation schlagen die Lokführer alle Mahnungen zuletzt auch der Bundesregierung in den Wind. Und auch der Bahn-Vorstand hat sehenden Auges den Katastrophenfall zugelassen. Wohl dem Pendler, der mit einer Privatbahn fährt. Wohl dem Unternehmer, der seinen Nachschub per Lastwagen bezieht. Und wohl dem Urlauber, der schon den Billigflieger gebucht hat. Sie sind nicht nur momentan fein raus, sie werden in Erinnerung an die Streiks auch später kaum eingefleischte Bahnkunden werden."

Der NORDBAYERISCHE KURIER aus Bayreuth meint mit Blick auf den umstrittenen Börsengang der Bahn:

"Kühl kalkulierende Gewerkschafter - und dazu ist GDL-Chef Schell durchaus zu zählen - wissen: Die Privatisierung wird letzten Endes nicht zu stoppen sein. Die zweifellos zu bescheidenen Löhnen arbeitenden Lokführer möchten sich so teuer wie möglich verkaufen, verlieren aber, wenn sie ihre Macht voll ausspielen. Das Kapital wird kommen und Dampf machen. Die Lokführer können die Bahn an die Wand fahren oder zur Vernunft und rasch zu einem guten Abschluss kommen."