1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Politik

Pressestimmen von Donnerstag, 10. Juli 2003

Urlaubsabsage von Bundeskanzler Schröder / Krise der IG Metall

Die Kommentatoren der deutschen Tageszeitungen befassen sich an diesem Donnerstag mit der Urlaubsabsage von Bundeskanzler Schröder und der ergebnislosen Vorstandssitzung der IG Metall.

Zur Entscheidung von Bundeskanzler Schröder, in diesem Sommer nicht nach Italien zu fahren, schreibt die FRANKFURTER RUNDSCHAU:

"Gerade weil die römische Rechts-Regierung alle Deutschen in Sippenhaft nimmt, wäre es souverän gewesen, dies nicht allen Italienern heimzuzahlen. Der Dichter Robert Gernhardt hat es durchaus treffend gesagt: 'Ich lasse mir durch einen einzigen Italiener doch meine Liebe zu Italien nicht verderben.' Ein solcher Satz von Schröder wäre mehr wert gewesen als sein Urlaub in Hannover."

Auch von der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG kommt Kritik:

"Sein Besuch und die Bild-Zeitung sind manchmal Gerhard Schröders wirkmächtigste außenpolitische Berater. Dies ist jetzt wieder einmal an des Kanzlers unseliger Entscheidung zu erkennen, seinen Italien-Urlaub abzusagen. Als der italienische Stammtisch-Politiker Stefani öffentlich Dummheiten über deutsche Touristen abließ, glaubte Schröder in einer Weise darauf reagieren zu müssen, dass aus dem Blödsinn fast eine Staatsaffäre geworden ist."

Der Berliner TAGESSPIEGEL hält die Entscheidung Schröders ebenfalls für falsch:

"Gerhard Schröder betreibt mal wieder seine Art populärer Außeninnenpolitik. Weil ihm die Nase sagt: Dieses Thema geht tief ins Volksempfinden. Er macht sich zum Anwalt der Nachkriegsgenerationen, die sich nicht mehr den Nazihut aufsetzen lassen. Mit vernunftgelenkter Außen- oder Europapolitik hat das wenig zu tun. Wo aber ist dann die richtige Ebene für die Auseinandersetzung mit Berlusconi? Die Regierungschefs müssen ihn auf der europäischen Bühne disziplinieren: im Europäischen Rat."

Damit zu einem anderen Thema, zur Vorstandssitzung der IG Metall. Die Potsdamer MÄRKISCHE ALLGEMEINE merkt dazu an:

"Ob IG-Metall-Chef Zwickel seinen Vize Jürgen Peters hat auflaufen lassen oder Peters doch Zwickel belogen hat, das mag in der Scheinwelt der Funktionäre von Bedeutung sein. Für die meisten Mitglieder spielt das längst keine Rolle mehr. Sie wollen eine Arbeitnehmervertretung, die sich für ihre Interessen einsetzt und 'Traditionalisten' und 'Modernisierer' vereint. Das geht mit einer Doppelspitze, aber nach der Schlammschlacht der vergangenen Tage weder mit Zwickel noch mit Peters."

Die ALLGEMEINE ZEITUNG aus Mainz vetritt folgende Ansicht:

"Die Zeichen stehen auf Sturm. Und der kann dauern: bis in den Oktober hinein. Was dann aber von den Führungsstrukturen der Gewerkschaft übrig geblieben sein wird, wenn sich die aktuellen Schlachten so fortsetzen, kann vom Nullpunkt nicht mehr allzu weit entfernt sein. Dabei wären insbesondere die reformbereiten Köpfe der Großgewerkschaft so dringend gefragt. Ihre hohe Präsenz auf allen demokratisch legitimierten Entscheidungsebenen der Republik sollte ihnen zwingende Verpflichtung sein, sich aufzurappeln und den wirklich wichtigen Fragen der Zeit zuzuwenden. Und das sind keine Personalfragen."

Der WESTFÄLISCHE ANZEIGER aus Hamm schließlich geht mit Ironie an das Thema heran:

"Kompliment: Was die noch amtierende Führung der IG Metall macht, das macht sie gründlich. Derzeit widmet sie sich vorrangig der Frage, wie man den Ruf einer ehemals hoch angesehen Arbeitnehmervertretung ruiniert. Jetzt aber keimt Hoffnung. In tiefer Verbissenheit zweier Lager wirft ein neuer Kandidat den Hut in den Ring. Und das Nordlicht Frank Teichmüller weiß wohl um die Realität des Jahres 2003: Eine Realität, in der eine Vielzahl von Betrieben viel mehr Flexibilität vorlebt als Betonköpfe auf gewerkschaftlichen Vorstandssesseln dies wahr haben wollen."

  • Datum 09.07.2003
  • Autorin/Autor zusammengestellt von Matthias Aust
  • Drucken Seite drucken
  • Permalink http://p.dw.com/p/3qLs
  • Datum 09.07.2003
  • Autorin/Autor zusammengestellt von Matthias Aust
  • Drucken Seite drucken
  • Permalink http://p.dw.com/p/3qLs