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Politik

Pressestimmen von Donnerstag, 1. März 2007

Airbus-Sanierungsprogramm / Rückgang der Arbeitslosigkeit

Das Sanierungsprogramm des europäischen Flugzeug-Konzerns Airbus ist das vorrangige Kommentarthema der deutschen Tageszeitungen. Zahlreiche Blätter beschäftigen sich zudem mit dem erfreulich starken Rückgang der Arbeitslosigkeit im Februar.

Zum ersten Thema stellt die in Mainz erscheinende ALLGEMEINE ZEITUNG fest:

"Es hätte schlimmer kommen können. Dennoch bedeutet das Airbus-Sanierungsprogramm alles andere als eine sanfte Landung. 10.000 Stellen weniger, davon alleine 3.700 in Deutschland, sind ernüchternd und empörend zugleich."

Die PFORZHEIMER ZEITUNG ergänzt:

"Immerhin, am Proporz wird nicht gerüttelt. Wenn hierzulande eine Stelle gestrichen wird, muss auch in Frankreich eine weg - so lautete die politische Vorgabe und so ist es nun auch gekommen. Die Verantwortlichen haben somit ihr Gesicht gewahrt. Für die 10.000 Arbeiter und Angestellten, die demnächst ihren Job los sind, und diejenigen, deren Jobs unsicher geworden sind, macht das allerdings keinen Unterschied."

In der BERLINER ZEITUNG heißt es:

"Airbus will Tausende Stellen streichen, um sich zu sanieren. Klingt wirtschaftspolitisch logisch. Ist es aber nicht. Die Auftragsbücher für den neuen A380 sind übervoll. Airbus kann jedoch nicht liefern. Jeder Ökonom würde nun empfehlen, die Produktion hochzufahren, um die Nachfrage zu befriedigen. Wenn Stellenstreichungen, dann im Wasserkopf. Bei Airbus aber stößt man hypermoderne und effektive Produktionsstätten wie die in Niedersachsen ab. Zu viel Staat und Bürokratie, zu wenig Unternehmergeist?..."

...fragt die BERLINER ZEITUNG. In eine ähnliche Richtung geht der Meinungsbeitrag des MAIN-ECHO aus Aschaffenburg - Zitat:

"Die Probleme bei Airbus und insbesondere beim Prestigeprojekt A380 entstanden nicht vorwiegend wegen zu hoher Produktionskosten, sondern wegen Managementfehlern, logistischem Irrsinn und der allseits präsenten politischen Einmischung. Insbesondere letztere ist es, die Airbus auch in Zukunft schwer zu schaffen machen wird. Eine friedvoll-harmonische Kooperation zwischen Deutschland und Frankreich wird es jedenfalls niemals geben. Es ist hohe Zeit, dass sich die Politik aus dem europäischen Gemeinschaftsunternehmen zurückzieht."

Die KÖLNISCHE RUNDSCHAU schließlich resümiert:

"Diese Sanierung ist schmerzhaft, aber sie ist notwendig. Sie kann allerdings nur ein erster Schritt sein, denn Airbus muss endlich ein normales Unternehmen werden, das vor allem Aktionären, Beschäftigten und Kunden, nicht aber Politikern verpflichtet ist. Nur dann kann es auf Dauer als Konkurrent zu Boeing und den aufstrebenden Flugzeugbauern aus Russland und China dynamisch und wendig am Markt agieren. Ansonsten gilt der Satz: Nach der Sanierung ist vor der Sanierung."


Zum Rückgang der Arbeitslosigkeit im Februar notiert der NORDBAYERISCHE KURIER aus Bayreuth:

"Noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik ging die Arbeitslosigkeit innerhalb eines Jahres so stark zurück wie im Februar. Ein schöner Rekord, den wir eine Weile festhalten sollten. Dazu gehört auch, dass die Tarifpartner in den anstehenden Verhandlungsrunden das Maß für das Machbare finden und die Arbeitslosen nicht links liegen lassen. Wenn immer weniger Menschen ohne Job sind, gibt es immer mehr, die sich etwas leisten können. Dies ist das beste Konjunkturprogramm überhaupt. Die Job-Maschine ist auf Touren gekommen."

Die in Gera erscheinende OSTTHÜRINGER ZEITUNG gibt allerdings zu bedenken:

"An der weit überwiegenden Mehrheit der Hartz-IV-Empfänger geht jedoch auch dieser Aufschwung bislang vorbei, weil ein langzeitarbeitsloser Hilfsarbeiter eben nicht mal eben bei Airbus als Ingenieur anheuern kann. Aber auch für diese Menschen ist im Prinzip Arbeit vorhanden. Wer andere Länder bereist, weiß, dass einfache Dienstleistungen andernorts weder verpönt, ein Stigma, noch derart radikal vom Stellenmarkt verschwunden sind wie hierzulande. Warum also nicht auch in Deutschland endlich die Voraussetzungen dafür schaffen, dass einfache Beschäftigung, Menschenwürde, soziale Absicherung und volkswirtschaftliche Vernunft wieder Hand in Hand gehen?"

Daran anknüpfend vertritt DIE WELT folgende Meinung:

"Der Arbeitsmarkt muss flexibler werden. Wie groß der Hunger der Unternehmen nach Flexibilität ist, belegt der rasante Anstieg der Zeitarbeit. Und auch die Anreize für Geringqualifizierte, eine schlechter bezahlte Arbeit anzunehmen, müssen verstärkt werden. Doch die Versuchung für die Koalition ist groß, nun am Arbeitsmarkt erst einmal abzuwarten. Die Lockerung des Kündigungsschutzes liegt auf Eis, von einer Hartz-IV-Revision spricht niemand mehr, und über die geplante Neuordnung des Niedriglohnsektors ist die Koalition tief zerstritten. Das hat auch sein Gutes: Stillstand in der Arbeitsmarktpolitik ist immer noch besser, als die Einführung eines Mindestlohns, der tausende von Arbeitsplätzen vernichten würde."

Die FRANKFURTER RUNDSCHAU sieht es so:

"Von einem Arbeitsmarktwunder ist die Republik weit entfernt. Was wir erleben, ist ein solider, belastbarer Wirtschaftsaufschwung, der die Beschäftigung mit hochzieht. Das ist aus internationaler Perspektive ein ganz gewöhnlicher Prozess - eine solche Erholung erfreut viele Länder alle Jahre wieder, wenn die Konjunktur in ihrem Auf und Ab die obere Hälfte erreicht. So gesehen ist die Erholung am deutschen Arbeitsmarkt nichts anderes als die Rückkehr zur Normalität. Auch hier zu Lande weist die Konjunktur nicht immer nur nach unten."
  • Datum 28.02.2007
  • Autorin/Autor Stephan Stickelmann
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  • Permalink http://p.dw.com/p/9w7j
  • Datum 28.02.2007
  • Autorin/Autor Stephan Stickelmann
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