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Politik

Pressestimmen von Donnerstag, 06. Juli 2006

WM-Zwischenbilanz / Nordkorea Raketentests

Nach dem verlorenen Halbfinale der Fußball-Nationalmannschaft gegen Italien ziehen die Kommentatoren der Tagespresse eine erste WM-Bilanz. Ein weiteres Thema sind die jüngsten Raketentests Nordkoreas.

Die BERLINER MORGENPOST schreibt zur WM:

"Deutschland steht nicht im Endspiel der Fußball-WM. Darüber darf man kurz traurig sein. Mehr aber auch nicht. Denn die knappe Niederlage tut nicht weh. Dafür hat die deutsche Nationalmannschaft zu viel erreicht. Diese Fußballer haben nicht nur starke Nationen wie Brasilien, Argentinien und Holland hinter sich gelassen. Vor allem haben sie mit ihren Auftritten Spaß gemacht. Und die Menschen im Land zumindest für dreieinhalb Wochen verändert, sie fröhlicher, lockerer, selbstbewusster werden lassen."

Die MITTELBAYERISCHE ZEITUNG aus Regensburg bemerkt:

"Natürlich kann die Party jetzt nicht einfach weiter gehen. Aber von der Heiterkeit der Fans sollte sich die ganze Gesellschaft durchaus ein wenig anstecken lassen. Nur selbstquälerisch in die Vergangenheit zu blicken, nur immer Risiken zu sehen, bringt uns nicht weiter. Wenn diese WM uns ein wenig mehr Optimismus im Alltag beschert, hat zwar die Klinsmann-Elf gegen Italien verloren, aber wir alle ein wenig gewonnen."

Auch beim MAIN-ECHO aus Aschaffenburg geht es um einen Stimmungswandel im Land:

"Das Bild Deutschlands, das in den vergangenen Jahren in der Bevölkerung und im Ausland vorherrschte, war das des kranken und alten Mannes in Europa, dem allmählich die Puste ausgeht. Dagegen wirkte der jugendlich ungestüme Fußball der Klinsmann-Truppe wie eine Frischzellenkur. Plötzlich wurden Risikobereitschaft und positives Denken zu neuen Tugenden. Die Siege der Nationalmannschaft waren so gesehen auch ein Triumph über die Pessimisten, Nörgler und Verfechter des Weiter-So."

Ein Blick in den KÖLNER STADT-ANZEIGER:

"Ob Veränderungen nützen, darüber kann man ewig streiten. Aber sie schaden auch nicht, und dass man mit ihnen auch Erfolg haben kann, das hat Klinsmann mit dem verblüffenden Vorstoß ins WM-Halbfinale nachgewiesen. Das ist ermutigend, selbst für jene, die nicht mit Millionen-Einkünften in den besten Hotels logieren und von Millionen Fans beinahe kultisch verehrt werden, sondern Probleme mit sinkenden Einkommen und fehlenden Hortplätzen haben."

Die STUTTGARTER ZEITUNG lobt die neue Spielfreude der Nationalelf:

"Es ist lange her, dass eine Nationalmannschaft die Herzen der Deutschen so im Sturm erobert hat wie diese. Aber was noch viel beeindruckender ist: das Team von Bundestrainer Jürgen Klinsmann erwarb sich durch seine erfrischenden Auftritte weltweit höchste Anerkennung. Fußball made in Germany ist plötzlich keine Androhung extremer Langeweile mehr, sondern ein Versprechen bester spielerischer Unterhaltung. Sieht man einmal vom Titel ab, ist bei einer Weltmeisterschaft für eine Fußballnation nicht mehr zu erreichen."

Themenwechsel: Zu den nordkoreanischen Raketentests schreibt die LANDSHUTER ZEITUNG:

"Das Signal der Nordkoreaner an die Weltgemeinschaft ist verheerend: Wer erst einmal Atomwaffen besitzt, kann machen, was er will, weil die atomaren Habenichtse schutzlos sind und selbst die atomaren Supermächte keinen ernsthaften Konflikt wagen. Die perverse Logik Nordkoreas folgt bekannten Mustern internationaler Politik. Tatsächlich verfügt die Weltgemeinschaft nur über ein begrenztes Arsenal an spürbaren Strafen."

Das OFFENBURGER TAGEBLATT meint:

"Das Irak-Desaster ist der Grund, warum Nordkorea nichts zu befürchten hat. Kein Staat der Welt würde den USA bei einem militärischen Alleingang zur Seite stehen. Nur mit einer klaren einheitlichen Linie im Weltsicherheitsrat der Vereinten Nationen können Nordkorea und der Iran gebremst werden. Doch von einer solchen diplomatischen Aktion ist die UNO so weit entfernt wie hoffentlich der Iran und Nordkorea von einsatzfähigen Atomwaffen."

Die WESTFÄLISCHEN NACHRICHTEN aus Münster stellen fest:

"Das Ganze ist ein Nullsummenspiel. Die verschreckten Nachbarländer werden ihre Sicherheitsmaßnahmen erhöhen. Selbst China, das als einzige Nation noch Einfluss auf Pjöngjang nehmen konnte, geht zunehmend auf Distanz, stellt Nordkoreas Machthaber sogar öffentlich bloß. Mit der neuen Eskalation hat das hermetisch abgeriegelte Land vor allen Dingen eins unter Beweis gestellt: Wie unberechenbar und irrational die fast schon psychopathischen Machthaber agieren."

Die PFORZHEIMER ZEITUNG zieht einen Vergleich zum Atomkonflikt mit dem Iran:

"Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad mag unberechenbar und gefährlich sein - aber er lässt zumindest mit sich verhandeln. Einem Regime aber, das es vorzieht, die eigene Bevölkerung (ver-)hungern zu lassen, bevor es internationale Nahrungsmittelhilfe in Anspruch nimmt, ist alles zuzutrauen. Gegen das hochexplosive Pulverfass, das Nordkorea mit seinen Raketentests geöffnet hat, nimmt sich das iranische Drohpotenzial aus wie ein Häuflein Schwarzpulver.

Und schließlich die MITTELDEUTSCHE ZEITUNG aus Halle:

"Die Kombination aus dramatischer wirtschaftlicher Not und irrationaler Führung macht das Land unberechenbar. Dass der Test gescheitert ist, ist kein Grund zur Beruhigung. Denn bei allen technischen Schwierigkeiten ist Nordkorea doch ohne Zweifel einer einsatzfähigen Atomwaffe viel näher als etwa der Iran. Dass die USA sich unmittelbar bedroht fühlen, mag eine für die US-Außenpolitik typische Übertreibung sein, aber für Japan und Südkorea ist die Bedrohung ganz real. Die hektischen diplomatischen Aktivitäten rund um den Globus sind dagegen nichts als hilfloser Aktionismus. Niemand weiß, wie man das altkommunistische Regime in Nordkorea zur Vernunft bringen kann."

  • Datum 05.07.2006
  • Autorin/Autor Christoph Schmidt
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  • Permalink http://p.dw.com/p/8jAr
  • Datum 05.07.2006
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