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Politik

Pressestimmen von Dienstag, 4. September 2007

Der Irak zwischen Bush und Basra

US-Präsident Bush reist überraschend in den Irak und gleichzeitig ziehen die britischen Truppen aus Basra ab. Anlass genug für die Leitartikler der deutschen Zeitungen, sich nochmals mit der Lage im Irak zu befassen.

Lesen wir zuerst in der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG, die sich mit dem britischen Truppenrückzug befasst:

'Der Abzug mag geplant und organisiert gewesen sein. Aber seine Umstände sehen nicht nach einer Erfolgsgeschichte aus - während der Nacht, es herrschte Ausgehverbot. Sie lassen den Abzug eher wie einen Rückzug, wenn nicht wie eine Niederlage aussehen.'

Das sieht das NEUE DEUTSCHLAND ähnlich:

'Bush kam, und die Briten gingen. Zumindest aus Basra. Der gestrige Tag war nicht ohne Symbolik. Während sich der USA-Präsident mit dem überraschenden Besuch auf einer Luftwaffenbasis ein Lagebild vor neuen Beschlüssen machen und von den vorgeblichen Fortschritten seiner neuen Strategie künden wollte, hatte der wichtigste Alliierte in Irak alle Mühe, das Ganze als geordneten Umzug und nicht als Niederlage erscheinen zu lassen.'

Die MÄRKISCHE ODERZEITUNG aus Potsdam schreibt:

'Dass die Briten, die mit sehr viel intelligenterer Strategie den südlichen Teil des Landes verwaltet hatten als die Amerikaner den Norden, nun Basra im 'Unfrieden' verlassen, zeigt die Verfahrenheit der Lage. Ob allerdings die irakische Armee künftig fähig sein wird, Sicherheit und Ordnung herzustellen und den weiteren Aufbau ziviler Verwaltungen zu ermöglichen, ist mehr als fraglich. Die fremden Besatzer mögen verhasst gewesen sein, die eigenen Ordnungskräfte sind zu schwach, dem Bürgerkrieg etwas entgegenzusetzen.'

Die Koblenzer RHEIN-ZEITUNG bemerkt:

'Nicht nur in Bagdad, auch im Süden im britischen Sektor ist der Wiederaufbau gescheitert. Milizen regieren die Millionenstadt Basra. Extremisten terrorisieren die Bevölkerung. Iranische Agenten ziehen rücksichtslos ihre Fäden. Die Südregion ist weder befriedet noch demokratisiert. Wenn sich die britische Armee nun peu à peu zurückzieht, überlasst sie das Land sich selbst. Jeder Iraker, der mit den Briten kooperiert hat, muss künftig um sein Leben und das Leben seiner Familie fürchten. Die Briten haben den Krieg nach dem Krieg verloren, so wie die Amerikaner ihn verlieren werden.'

Die in Berlin erscheinende TAGESZEITUNG sieht den Iran als großen Gewinner des britischen Abzugs:

'Der irakische Verwaltung- und Sicherheitsapparat, an den die Briten übergeben, hat sich längst in eine Spielwiese der Milizen verwandelt. Sie stehen nun in den Startlöchern, um das hinterlassene Vakuum zu füllen. Mit all diesen schiitischen Milizen wächst auch der iranische Einfluss auf die Region. Nun wird sich zeigen, wie groß der Fehler war, Teheran nicht in die Suche nach einer politischen Lösung für den Irak einzubeziehen, sondern nur schlicht zum Schurken zu erklären. Das Geschenk Basra wird Teheran sicher erst einmal freudig annehmen. (...) Die Amerikaner sind 'wenig amüsiert' darüber, dass sich ihre britischen Partner ausgerechnet in Zeiten amerikanischer Offensiven und Truppenverstärkungen Schritt für Schritt aus dem Irak zurückziehen.'

In der LANDSHUTER ZEITUNG heißt es:

'Was immer London auch sagt, der Abmarsch des letzten Regiments aus Basra markiert den Beginn des britischen Abzugs aus dem Irak. Zwar hatte Premierminister Brown kürzlich noch erklärt, er werde die Soldaten des Vereinigten Königreichs erst zurückholen, wenn die Sicherheitslage das zulasse. Nun, die Situation in Basra und anderen Teilen des Landes ist heute nicht stabil. So entsteht der Eindruck: Die Briten machen sich auf der Basis einer politisch durchaus nachvollziehbaren Entscheidung aus dem Staub. Das scheint zumindest Präsident Bush zu denken, der unverzüglich zu einer Art Feuerwehrmission im Zweistromland eingeschwebt ist.'

Der Berliner TAGESSPIEGEL geht auf den Kurzaufenthalt Bushs auf einem amerikanischen Militärstützpunkt ein und bemerkt:

'Bush ist nicht wirklich im Irak. Die Visite beschränkt sich auf einige Stunden Zwischenlandung in der Anbar-Provinz auf dem Weg zur Apec-Konferenz in Australien. Er verlässt den schwer gesicherten Flughafen im Westen Iraks nicht. Das wäre viel zu gefährlich.'

Zum Schluss ein Blick in die LANDESZEITUNG aus Lüneburg, die resümiert:

'Den Irak-Krieg haben die USA verloren. Die Mission impossible erfüllte zumindest eine Mission: George W. Bush erhält einen Platz in den Geschichtsbüchern. Als der US-Präsident, der statt eines Leuchtfeuers der Demokratie einen Flächenbrand der Anarchie entzündete.'