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Politik

Pressestimmen von Dienstag, 29. März 2005

Kanzler drängt die Wirtschaft / Sorge um den kranken Papst


Bundeskanzler Gerhard Schröder hat die Wirtschaft am Osterwochende aufgefordert, für mehr Wachstum und Arbeitsplätze in Deutschland zu sorgen. Für die Kommentatoren der Tagespresse ist das an diesem Dienstag ein zentrales Thema, ebenso wie das offensichtliche Leiden des schwerkranken Papstes.

Zunächst zu Schröders drängen auf mehr Investitionen. Die WESTDEUTSCHE ZEITUNG aus Düsseldorf schreibt zu Schröders Forderung an die Unternehmen, nicht länger von Betriebsverlagerungen ins Ausland zu reden, sondern in Deutschland zu investieren:

"Die kühlen Zahlenwelten der globalen Märkte stehen nun einmal nicht auf einem Fundament aus Herzenswärme, Moral und Vaterlandsliebe. Wenn es bei den Standortentscheidungen der Konzerne überhaupt um Emotionen geht, dann um Vertrauen in die Selbstheilungskräfte des ehemaligen Wirtschaftswunderlandes. Daran aber fehlt es, weil die Bundesregierung sich von den angekündigten Strukturreformen verabschiedet hat und mit Ad-Hoc-Formeln populistischen Hokus-Pokus betreibt."

Das HANDELSBLATT meint:

"Zuerst hat es klassische Produktionsbereiche getroffen: Deutsche Unternehmen verlagern ihre Fertigung nach Osteuropa, weil dort günstige Arbeitskosten locken. Doch die jüngste Entwicklung macht allzu deutlich, dass auch die Arbeitsplätze in Forschung und Entwicklung keineswegs mehr gesichert sind. Gute Ingenieure gibt es auch in Rumänien oder Polen. Die Konsequenzen liegen auf der Hand: Wenn nicht noch mehr dieser intelligenten Arbeitsplätze abgezogen werden sollen, müssen die Beschäftigten ihren Unternehmen entgegenkommen. Entweder sie verzichten auf einen Teil ihrer Gehälter, oder sie arbeiten länger. ... Ein Auftrag ist mit einem Verweis auf deutsche, tarifvertraglich vereinbarte Arbeitszeit nicht mehr zu halten, wenn der Termin der Fertigstellung drängt."

Die ABENDZEITUNG aus München kommentiert:

"Der Streit um Schröders Appell an die Wirtschaft ist viel Show um einen wahren Kern. Natürlich ist es ein Ablenkungsmanöver und ein billiges Oster-Zuckerl für die frustrierten traditionellen SPD- Wähler, wenn der Kanzler jetzt die Unternehmen attackiert. Aber an den Vorwürfen ist auch viel Wahres dran: Gerade wurde bekannt, dass die 30 größten Dax-Firmen ihre Gewinne auf 35 Milliarden verdoppelt und im Inland 35.000 Jobs abgebaut haben. Wie hoch muss denn der Gewinn sein, dass sie wenigstens mal die Beschäftigtenzahl halten?"


Thema der KIELER NACHRICHTEN ist die schwere Krankheit des Papstes, die bei seinem Auftritt am Ostersonntag am Fenster seiner Wohnung im Vatikan nochmals deutlich wurde:

"Johannes Paul II. setzt ein beeindruckendes Zeichen: Leben, Krankheit und letztlich auch der Tod gehören für ihn untrennbar zusammen, er widersetzt sich mit seiner für alle sichtbaren Leidensgeschichte einer Gesellschaft, in der die Qualen des Alters meist hinter verschlossene Türen verdrängt werden. So wie Johannes Paul II. der erste Papst war, den die Kameras beim Skiurlaub begleiteten, so ist er auch der erste, dessen Todeskampf am Bildschirm verfolgt werden kann. Der polnische Papst führt bis zuletzt ein Leben mit einer Konsequenz, die selbst seine vielen Kritiker tief beeindruckt."

In der BRAUNSCHWEIGER ZEITUNG lesen wir:

"Dieser Papst ist ein Spiegel für eine Welt, deren Werte und Fundamente ins Rutschen gekommen sind. Dieser Papst ist unbequem, weil er nicht aufgibt. Dieser Papst verstört, weil er - selbst von schwerer Krankheit gezeichnet - Hoffnung und Trost vermitteln will. Dieser Papst beschämt, weil er zuweilen lediglich als ein erzkonservativer Bewahrer abgetan wurde. Nie zuvor hat eine Oster- Botschaft eine derartige Ausstrahlung über die Grenzen der Konfessionen hinaus gehabt. Johannes Paul hat Geschichte geschrieben. Es ist die Geschichte von der Kraft des Glaubens."

Kritisch äußert sich die MITTELDEUTSCHE ZEITUNG aus Halle:

"Sein Leiden wie jetzt am Ostersonntag erneut herauszustellen ... kann weder im Sinne des Kranken noch seines Amtes sein. ... Der Papst ist ja nicht nur ein Diener Gottes, sondern ihm kommt auch enorme politische Verantwortung zu. Aber welche Antworten kann man ihm auf die drängenden Zeitfragen, die auch Christen umtreiben, noch zutrauen? Es ist schwer loszulassen, wie sich zeigt. Auch darum geht dieses Leiden so nah."
  • Datum 28.03.2005
  • Autorin/Autor Ulrike Quast
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  • Permalink http://p.dw.com/p/6QhT
  • Datum 28.03.2005
  • Autorin/Autor Ulrike Quast
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