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Politik

Pressestimmen von Dienstag, 27. Februar 2007

Oscar für deutschen Film / Jan Ullrich beendet Karriere

Themen dieser Presseschau sind der Rücktritt von Jan Ullrich sowie die Auszeichnung des deutschen Stasi-Films 'Das Leben der Anderen' von Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck mit einem Oscar.

Dazu konstatiert das in Karlsruhe erscheinende Blatt BADISCHE NEUESTE NACHRICHTEN:

"So hat von Donnersmarck bewiesen, dass man hier zu Lande ein ernstes Thema mit souveränem Spiel auf der Kinoklaviatur transportieren kann. Sein Film ist durch und durch Kino und besteht doch auf der Frage, wie man sich im Leben verhalten kann. Wenn es dafür keinen Oscar geben soll, wofür dann?"

Das Kölner Boulevardblatt EXPRESS schreibt:

"Florian Henckel von Donnersmarck, der Oscar-Gewinner. Einer, der es geschafft hat. Weil er es wollte. Weil er sich nicht beirren ließ. Weil er am Ball blieb. So wie Jürgen Klinsmann und seine überzeugende Arbeit vor und während der Fußball-Weltmeisterschaft. Trotz des auf den ersten Blick viel zu schwierigen Themas Staatssicherheit lockte Henckel von Donnersmarck mit 'Das Leben der Anderen' Menschen in Scharen ins Kino."

Die ALLGEMEINE ZEITUNG schätzt:

"17 Jahre nach dem Fall der Mauer darf man den Deutschen einen Oscar zubilligen für einen Film, der letztlich auch die deutsche Einheit zum Thema hat - die damals Ängste auslöste vor einem Deutschland, das alsbald wieder Weltmachtambitionen hegen könnte: So oder ähnlich mag sich die Willensbildung in den Jury-Köpfen vollzogen haben. Denn der Oscar ist natürlich nicht nur ein Preis für Kunst. Er folgt in starkem Maße der political correctness."

Das Düsseldorfer HANDELSBLATT notiert:

"Dass ausgerechnet die Academy diese politische Arbeit Donnersmarcks anerkennt, ist nicht frei von Ironie. Denn im eigenen Land hat die ansonsten selbstverliebte Berlinale als wichtigstes Filmfestival in Deutschland dem Regisseur die Anerkennung versagt. ... Doch wen stört das noch? Heute jubelt ganz Deutschland. Wir sind Oscar."

Die BERLINER ZEITUNG analysiert:

"Erfolgreiche Filme arbeiten fast immer auf Kosten des Besonderen. Sie entwinden ihre Geschichten denen, die sie erlebt haben, und verallgemeinern sie. ... Diese Abstraktion führt dazu, dass ein amerikanisches Publikum im «Leben der Anderen» die eigene Lage zu erkennen glaubt während der verschärften Überwachungsmaßnahmen nach dem 11. September."

Zum Abschluss die MITTELBAYERISCHE ZEITUNG aus Regensburg:

"Das Leben der Anderen ist ganz großes Kino mit und ohne Oscar. Es ist Zeit, sich von der Oscar-Sucht zu befreien, ein eigenes europäisches Film(selbst)bewusstsein zu entwickeln ... Denn das Oscar-Prädikat allein hat beim europäischen Publikum noch keinen Stich gemacht."


Auf einer Pressekonferenz in Hamburg hat der unter Dopingverdacht stehende deutsche Radprofi Jan Ullrich seinen Rücktritt bekannt gegeben.

Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG schreibt dazu:

"Ein ehrenvolles Ende der Karriere war nicht mehr möglich für Jan Ullrich. Der ehemalige Sieger der Tour de France wurde zwar wegen seiner Verwicklungen in den spanischen Blutdoping-Skandal bisher von keinem Gericht verurteilt. Doch er verlässt die Bühne als der peinlichste Absteiger des deutschen Sports nach dem positiv getesteten selbsternannten Anti-Doping-Kämpfer Dieter Baumann. Eine innere Stimme, sagt Ullrich, habe ihm gesagt, nun sei es Zeit, von der Rennmaschine zu steigen. Doch es waren wohl eher seine Anwälte und Fachleute des Radsports. Die Wahrheit lautet, dass er kaum mehr hätte Fuß fassen können (?)"

Der Bonner GENERAL-ANZEIGER kritisiert den Ablauf der Pressekonferenz:

"Selbst der traurige Abschied des größten Talents, das der deutsche Radsport jemals hatte, wurde zum Schmierentheater. Bei der Pressekonferenz waren keine Fragen zugelassen, weil die ARD für Ullrichs abendlichen Exklusivauftritt bei Reinhold Beckmann tief in die Tasche gegriffen hatte. Im Grunde genommen kann Jan Ullrich einem nur leid tun."

Die MÄRKISCHE ODERZEITUNG aus Frankfurt an der Oder gibt zu bedenken:

"Ullrich muss mit dem Stigma des Betrügers leben, auch wenn ihm bis heute keine Schuld nachgewiesen wurde. Und während andere Verdächtige ... längst wieder im Sattel sitzen, hat sich die Justiz an Ullrich festgebissen - Unschuldsvermutung hin, Vorverurteilung her. Der Vorhang hinter der Karriere von Jan Ullrich ist gefallen. Man hätte ihm einen besseren Abgang gewünscht."

Die BRAUNSCHWEIGER ZEITUNG mutmaßt:

"Wäre Jan Ullrich unschuldig ohne Wenn und Aber, er hätte schon am Tag nach seinem Ausschluss am Vortag der letzten Tour de France reagiert. Er hätte alle Kritiker widerlegt, Neider mit Klagen überzogen. Hat er aber nicht. Er wird wissen warum. Eins steht dagegen fest: Der Radheld der Deutschen, einst auf Augenhöhe mit Michael Schumacher oder Boris Becker, hat sein Konto auf der Vertrauensbank gnadenlos überzogen. Nach dem gestrigen Ende der rasanten Schussfahrt in der Beliebtheitsrangliste bleibt nur noch Mitleid."

Die ESSLINGER ZEITUNG resümiert:

"Selten in der Geschichte des deutschen Sports ist ein Star derart tief gefallen wie der ehemalige Tour-de-France-Sieger. Innerhalb eines Jahrzehntes hat Ullrich, der mit einem begnadeten Talent ausgestattet war, alle Höhen und Tiefen des Profisports in einer Art Schnelldurchgang durchlebt. Dabei ist es ihm nie gelungen, sich zu einer eigenständigen und unabhängigen Persönlichkeit zu entwickeln."
  • Datum 26.02.2007
  • Autorin/Autor Eleonore Uhlich
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  • Permalink http://p.dw.com/p/9vXy
  • Datum 26.02.2007
  • Autorin/Autor Eleonore Uhlich
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