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Politik

Pressestimmen von Dienstag, 24. Juni 2003

Arbeitskampf-Ostmetall

Die Streiks in der ostdeutschen Metallindustrie um die Einführung der 35-Stunden-Woche gehen in die vierte Woche - mit Fernwirkung auch im Westen. BMW stellte die Produktion der 3er-Reihe wegen ausbleibender Bauteile ein. Dies ist das zentrale Kommentar-Thema der deutschen Tagespresse am Dienstag.

In der STUTTGARTER ZEITUNG heißt es:
'Der Tarifabschluss, den die IG Metall mit ihren Streiks erzwingen will, wird die wirtschaftlichen Probleme im Osten vergrößern. Das Wachstum wird geschwächt, die Arbeitslosigkeit wird ebenso wachsen wie das Wohlstandsgefälle zum Westen. Noch mehr Ostdeutsche werden abwandern. Der Streik richtet sich letztlich gegen die Beschäftigten und die Arbeitslosen, denen Chancen genommen werden, einen neuen Job zu finden. Große westdeutsche Unternehmen wie BMW und Siemens haben schon angekündigt, ihre Investitionen im Osten angesichts des Arbeitskampfes überprüfen zu wollen.'

In der Würzburger TAGESPOST lesen wir:
'Ganz offensichtlich fährt die IG Metall gegen die Wand und zwar gleich zwei Karren und das im Rekordtempo: Im einen Karren befinden sich die ostdeutschen Arbeitnehmer, für die sich die IG Metall angeblich stark macht: Dreizehn Jahre nach der Wiedervereinigung sei es einfach fair, wenn sie genauso lange wie ihre Kollegen im Westen arbeiteten, fordern die Gewerkschaftsfunktionäre - also her mit der 35-Stundenwoche. Ökonomisch ist dieses Gerechtigkeitsargument Unsinn. Ob und wann der Osten dasselbe Lohnniveau des Westens erreicht, hat mit Jahren nichts zu tun, sondern mit wirtschaftlicher Leistungskraft. Mit ihrer Politik hat die IG Metall ihren Ruf als vertrauenswürdiger Verhandlungspartner verspielt.'

Kritik kommt auch von den AACHENER NACHRICHTEN:
'Dass die weitaus meisten lieber drei Stunden länger, aber dafür sicher arbeiten wollen, kümmert die Funktionäre vor Ort und im fernen Frankfurt wenig. Sie gefährden mit den Mitteln von gestern die Arbeitsplätze von heute und morgen. Auch dass der Arbeitskampf im Osten Produktionsstraßen im Westen lahm legt, nehmen die Bosse der IG Metall leichten Herzens in Kauf. Doch wenn demnächst die Leute in Eisenhüttenstadt oder Eisenach auf der Straße stehen, weil ihre Arbeitszeit nicht auf 35, sondern auf null Stunden sinkt, dann lässt sich keiner von denen sehen, die jetzt mit lauten Parolen und starken Sprüchen die Situation anheizen.'

Ähnlich DIE WELT:
'Eine kleine Gruppe rückwärtsgewandter Starrköpfe nimmt Zehntausende ostdeutscher Metallarbeiter gewissermaßen in Geiselhaft und legt wichtige westdeutsche Unternehmen für Tage lahm. Dabei geht es nicht wirklich um die Durchsetzung der 35-Stunden-Woche in Zeiten größter wirtschaftlicher Sorge. Vielmehr geht es darum, wer die Macht im Lande hat. Doch die IG Metall hat offenkundig ihre Stärke überschätzt. Niemand unterstützt sie, und die Ankündigung, man könne über Stufenpläne und flexible Tarifvereinbarungen sprechen, verrät Unsicherheit. Die Arbeitgeber sollten gleichwohl hart bleiben und nicht an den Verhandlungstisch zurückkehren.'

Der Kölner EXPRESS meint:
'Der Metaller-Streik wird mit jedem Tag bizarrer: Von einer verschwindend kleinen Gewerkschafts-Minderheit im Osten angezettelt, legt er inzwischen weite Teile der deutschen Autoindustrie lahm - Ende offen. Angesichts der wirtschaftlichen Probleme in Deutschland wirkt es wie blanker Hohn, dass die IG Metall ausgerechnet jetzt für ein Ziel kämpft, das die wenigsten Betroffenen unterstützen. Ohne Rücksicht auf das zarte Pflänzchen Aufbau Ost pocht sie auf mehr Freizeit - und nimmt damit billigend in Kauf, dass künftig noch mehr Fabriken ins Ausland verlagert werden.'

Zum Schluss die FRANKFURTER RUNDSCHAU:
Am Freitagabend wird die ehemals stolze Riege der Gewerkschaftschefs wieder mal beim Kanzler zu Gast sein. Auch da dürfte erneut deutlich werden, wie ungeklärt die künftige Gewerkschaftsstrategie ist. Der IG Metall ist nach weiteren Machtproben gewiss nicht zu Mute. Gerhard Schröder wird eher einer Runde der Gebeutelten gegenübersitzen. Das alles wissen die Metall-Arbeitgeber. Genau deshalb versuchen sie, die streikerfahrenste der Industriegwerkschaften im gewerkschaftlich schwachen Osten gegen Beton laufen zu lassen. Die Art, wie die Regierungspartei SPD dieses Schauspiel halb besorgt, halb feixend beobachtet, statt massiv auf Abschluss zu dringen, könnte sich als recht töricht erweisen.'

  • Datum 24.06.2003
  • Autorin/Autor zusammengestellt von Bernhard Schatz
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  • Permalink http://p.dw.com/p/3mCp
  • Datum 24.06.2003
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