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Politik

Pressestimmen von Dienstag, 23. November 2004

Rücktritt von Horst Seehofer / Ärger um Pisa-Studie

Der Rücktritt des CSU-Politikers Horst Seehofer von seinem Amt als stellvertretender Vositzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion ist an diesem Dienstag das herausragende Kommentarthema in der deutschen Tagespresse. Interesse findet auch die zweite Pisa-Studie.

Die NORDSEE-ZEITUNG aus Bremerhaven schreibt:

"Horst Seehofer hat nun wirklich genug Schlagzeilen produziert. Schließlich ist er nur Vize der Unions-Fraktion und der CSU - und die Union ist in Berlin lediglich Opposition. Wenn man aber die Aufmerksamkeit, die ihm zuteil geworden ist, bedenkt, könnte man meinen, es handele sich um den quälenden Abschied eines bedeutenden Bundesministers. Dem ist nicht so, und die Unionsspitze ist froh, dass sie den ewigen Querulanten los ist."

Der MANNHEIMER MORGEN meint:

"Nun hat auch Horst Seehofer, der letzte Herz-Jesu-Sozialist in der Union, die Brocken hingeworfen. Ohne eigenes Zutun wurde Angela Merkel damit einen unbequemen Kritiker los, der aus tiefster Überzeugung nicht einstimmen wollte in den Chor der jungen, wilden Reformer und der nicht aufhörte, seine Finger in die offene Wunde des unstimmigen Unionskompromisses zu legen. In der Sache mag Horst Seehofer recht haben, doch es ist sein Schicksal, dass er nicht mehr passt in Merkels neue Union, die sich einer strikt ökonomischen Sichtweise der Probleme verschrieben hat... Zuletzt wirkte Seehofer wie ein Fossil, das einen aussichtslosen Kampf gegen Windmühlen ausfocht."

Der NORDBAYERISCHE KURIER aus Bayreuth kommentiert:

"Rätselhaft bleibt, was Seehofer wirklich will. Nur ein paar soziale Korrekturen des Gesundheitskompromisses oder einen breiten Strategiewechsel der Unionsparteien? Schon heute beklagen Wähler eine Art Sozialdemokratisierung von CDU/CSU und vermissen die klare Alternative. Dass Seehofers Allüren selbst moderate, tolerante Unionsleute früher oder später auf die Palme bringen würden, liegt in der Logik der ständigen Provokation. Der Geschlossenheit in den eigenen Reihen, von den Parteioberen immer wieder vehement eingefordert, setzt Seehofer die Macht des unabhängigen Wortes entgegen. Idealistisch im Ansatz, zerstörerisch in seiner Wirkung."

Und in der FRANKFURTER RUNDSCHAU lesen wir:

"Neben Friedrich Merz nun auch Seehofer: Angela Merkel mag die beiden Abgänge als notwendigen Klärungsprozess empfinden. Sucht man nach inhaltlicher Substanz an der Spitze der Opposition, dann erscheint das Angebot mittlerweile aber arg dürftig. Der Preis also ist extrem hoch, den Merkels Union bei dem Versuch bezahlt, mehrheitsfähig zu werden. Nachdem Seehofer für sich die politische Konsequenz zog, gibt es nun ein Politikfeld, bei dem dieses Ziel sogar in weitere Ferne gerückt ist."

Damit zum Themenwechsel. Zu den Ergebnissen der neuen Pisa-Studie schreibt die MÄRKISCHE ALLGEMEINE aus Potsdam:

"Es gibt kaum ein Gelände, das seit Jahrzehnten ideologisch so vermint ist wie die Schulpolitik. Wenn etwa das dreigliedrige System gescheitert sein sollte - warum fahren dann Länder wie Bayern und Baden-Württemberg, die es am konsequentesten praktizieren, im innerdeutschen Vergleich die besten Ergebnisse ein? Das empirische Ergebnis, dass die soziale Herkunft mitbestimmend ist für die schulische Leistung von Kindern, lässt sich ... nicht zerreden. Und weil das so ist, muss das Hauptinteresse auf die Unterstützung guter Lehrer gerichtet werden."

Der REUTLINGER GENERAL-ANZEIGER resumiert:

"Sieht so die Elite der Zukunft aus? Ein Viertel der Acht- und Neuntklässler rechnet hier zu Lande auf dem Niveau von Grundschülern, beherrscht also gerade mal die einfachsten Rechenoperationen im Zahlenraum bis Tausend - so weist es die zweite Pisa-Studie aus. Und beim Lese- und Textverständnis sieht es noch schlechter aus. Für viele Kinder und Jugendliche haben die phantastischen Geschichten mit Harry Potter als Filmvorlage offenbar mehr Anziehungskraft als im Buch. Lesen ist Arbeit - und damit in der Spaßgesellschaft 'out'.

Abschließend einen Blick in die PFORZHEIMER ZEITUNG:

"Was spricht gegen ein weitflächiges Lese- und Sprachförderprogramm, besonders in den Hauptschulen? Die Wirklichkeit sieht nun mal so aus, dass - vor allem in den größeren Städten - der Anteil ausländischer Kinder hoch ist. Diese werden sich nur integrieren und in der Schule Erfolg haben, wenn sie Deutsch sprechen, lesen und schreiben können. Wer das nicht kann, der verliert. Und es ist die vornehme Pflicht unserer Gesellschaft, annähernd gleiche Start- Chancen für alle Kinder zu schaffen. Dazu gehört der sichere Umgang mit der Landessprache. Dann können wir von einer Wissensgesellschaft sprechen. Vorher nicht."

  • Datum 22.11.2004
  • Autorin/Autor zusammengestellt von Barbara Zwirner
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  • Permalink http://p.dw.com/p/5tSE
  • Datum 22.11.2004
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