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Politik

Pressestimmen von Dienstag, 20. Dezember 2005

Freilassung von Susanne Osthoff / Bush-Rede zur Irak-Politik

Die Freilassung von Susanne Osthoff nach mehr als dreiwöchiger Geiselhaft im Irak ist das zentrale Thema der Zeitungskommentare. Beachtung finden zudem die Rede von US-Präsident Bush zu seiner Irak-Politik sowie die irakische Parlamentswahl und ihre Folgen für die deutsche Politik.

Die BERLINER ZEITUNG stellt fest:

"Krisenstab und Vermittler haben geräuschlos und ergebnisorientiert gearbeitet. Die Regierung Merkel hat ihre erste Geiselkrise professionell gemanagt. Susanne Osthoff, die Frau mit deutschen Pass, hat alle konsularische Fürsorge und mehr erfahren. Es ist gut zu wissen, dass ein funktionierender Apparat anspringt, wenn er gebraucht wird - und sei es nur von einer einzelnen Person und unabhängig von den Umständen, die sie in die Notlage brachten. Niemand sage, ihm könne das nicht passieren. Das Leben nimmt so gern überraschende, unerwünschte, ja bittere Wendungen."

Ähnlich argumentiert der BERLINER KURIER:

"Man hörte nicht oft und nicht viel vom Krisenstab, der abgeschirmt von der Welt versuchte, die entführte Susanne Osthoff freizubekommen. Nach drei Wochen hatten die Frauen und Männer Erfolg: Die Geisel ist gerettet. Sie haben einen guten Job gemacht ohne viel Aufhebens. Sie agieren nicht im 'Terminator'-Stil. Es sind schweigsame Helden. Manch einer hat mehr Informationen über den Stand des Dramas gefordert. Doch letztlich ist doch nicht wichtig, wie genau, sondern dass die Archäologin unversehrt freikam."

Die STUTTGARTER ZEITUNG gibt allerdings zu bedenken:

"Noch lässt sich gar nicht beurteilen, wem der größte Dank gebührt: Hat der Botschafter in Bagdad mit seinem Verhandlungsgeschick die Freilassung bewirkt? Kamen Kontakte, über die der Familienclan des Ex-Mannes von Susanne Osthoff verfügt, den Bemühungen der deutschen Unterhändler zugute? Spielten die Amerikaner eine entscheidende Rolle? Manche dieser Fragen werden vielleicht niemals mit letzter Sicherheit zu beantworten sein. Fest steht: Die Regierung Merkel hat ihren ersten schwierigen Härtetest mit Bravour bestanden. Außenminister Steinmeier bewährte sich als diskreter Krisenmanager. Sein Stab hat effektiv gearbeitet. Steinmeier kommt die Erfolgsnachricht äußerst gelegen. Für einen Moment werden die Schatten der Vergangenheit überblendet."

Und die ABENDZEITUNG aus München resultiert:

"Eines unterscheidet das aktuelle Thema von allen vorangegangenen: Dass sich für die Freilassung von Susanne Osthoff und ihrem Fahrer so viele Fürsprecher auch in der islamischen Welt gefunden haben. Dieser Umstand sollte uns zu denken geben, wenn uns wieder jemand einreden will, mit 'dem Islam' und 'dem Westen' ständen sich zwei monolithische Blöcke gegenüber. Vielleicht also hat das Augenmerk auf Susanne Osthoff und ihr Schicksal auch in dieser Hinsicht sein Gutes gehabt."

Themenwechsel: Mehrere deutsche Zeitungen beschäftigen sich mit der jüngsten Rede von US-Präsident Bush zu seiner Irak-Politik:

Der in Neubrandenburg erscheinende NORDKURIER notiert:

"Glaubt mir! Gebetsmühlenartig verlangt George W. Bush in diesen Tagen, was US-Amerikanern zunehmend schwer fällt. Glaubt mir, dass es nötig ist, bis zum 'siegreichen Ende' im Irak zu bleiben. Glaubt mir, dass die geheimen CIA-Verliese rund um den Globus samt fragwürdiger Verhörmethoden erforderlich sind zur Terrorabwehr. Glaubt mir, dass die per Geheimerlass erlaubte Bespitzelung von Landsleuten durch die NSA, den geheimsten aller US-Geheimdienste, nötig ist im Kampf gegen mutmaßliche oder bekannte Verdächtige. Selbst in seiner eigenen Partei wachsen mittlerweile die Zweifel, dass Bush dieses Vertrauen verdient."

In der NEUEN WESTFÄLISCHEN aus Bielefeld heißt es:

"Bush sieht die Irak-Mission an einem Wendepunkt. Er glaubt zwar nicht mehr an den schnellen, durchschlagenden Erfolg, wohl aber an eine langsame Aufwärtsbewegung, die mit den Parlamentswahlen und der Regierungsbildung im Irak beginnen könnte. In seinem Kalkül ist es nur noch eine Frage von Monaten, bis sich die Lage im Irak deutlich verbessern wird. Deshalb will er die Debatte über einen schnellen Truppenabzug beenden und Zeit gewinnen. Innenpolitisch könnte die Rechnung aufgehen. Denn die Mehrheit der Amerikaner will trotz wachsender Zweifel am Erfolg der Mission nicht, dass die eigenen Soldaten Hals über Kopf abgezogen werden und als Verlierer nach Hause kommen."

Die WETZLARER NEUE ZEITUNG stellt dagegen kurz und bündig fest:

"Den falschen Krieg will Bush nun zu Ende führen, egal wie viele Opfer er noch kosten wird. George W. Bush gibt einen Fehler zu - das ist ehrenwert -, aber er zieht keine Konsequenzen. Was für ein Präsident einer Weltmacht!"

Das HANDELSBLATT aus Düsseldorf schließlich fragt nach den Konsequenzen der irakischen Wahl für die deutsche Politik - Zitat:

"Mit der Wahl eines neuen Parlaments in Bagdad dürften auch die Fragen nach deutscher Hilfe drängender werden. Insbesondere dann, wenn diese von einer souveränen irakischen Regierung gestellt werden. Trügen die ersten Trendmeldungen aus den Wahllokalen nicht, dann bestehen gute Aussichten, dass das neue Parlament tatsächlich repräsentativ zusammengesetzt ist. Würde dies auch für eine neue Regierung in Bagdad gelten, käme dies einer echten Zäsur gleich. Die Bundesregierung wird sich dann aber auch neu überlegen müssen, wie sie mit einer solchermaßen legitimierten irakischen Regierung umgeht. Angela Merkel wird jenen schmalen Pfad finden müssen, auf dem sie einerseits größeres Engagement zeigt, andererseits Deutschland aber auch weiterhin aus dem Krieg heraushält."

  • Datum 19.12.2005
  • Autorin/Autor Stephan Stickelmann
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  • Permalink http://p.dw.com/p/7fjm
  • Datum 19.12.2005
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