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Politik

Pressestimmen von Dienstag, 19. August 2003

Geiseldrama / Rentendiskussion

Das Geiseldrama in der Sahara und die Reaktionen auf die geplanten Rentenkürzungen beschäftigen die Kommentatoren der deutschen Tageszeitungen. Zur Geiselnahme in der Sahara schreibt die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG:

"Die Herkunft der Opfer musste zweierlei garantieren: Regierungen, die sich um das Schicksal von Individuen sorgen, und Gesellschaften, in denen Medien das Interesse in den Heimatländern wach halten. Die Wichtigkeit des Individuums ist eine der großen Errungenschaften der freiheitlichen Demokratie. Gleichzeitig aber bietet dies den Ansatzpunkt für das terroristische Handeln von Geiselnehmern, die übrigens oft für eine Gesellschaftsordnung kämpfen, in der weder Demokratie noch individuelle Freiheiten eine Rolle spielen. Ja, von solchen Banditen ist unser Staat erpressbar - und zwar, weil er so ist, wie wir ihn wollen."

Die SAARBRÜCKER ZEITUNG beleuchtet das Risiko, dem sich Reisende oft aussetzen:

"Nur wenige Menschen, die über 300 Tage im Jahr unsere Zivilisation gewohnt sind, entpuppen sich als wüsten-, höhen-, sturm- oder hitzetauglich. Das vergisst man gern, wenn man zu Hause in den einschlägigen Reise-Bildbänden die ästhetischen Fotos von endlosen Sanddünen oder bizarren arktischen Eisbergen bewundert. Man braucht ja nur genug Geld und drei Wochen Urlaub, und schon kann man an diese Orte reisen. Alles ist machbar - das ist eine Seite der Zivilisation. Die andere ist, dass an vielen abgelegenen Orten dieser Welt keine 'freundlichen Wilden' warten und ein Menschenleben wenig wert ist."

Auch die OSTSEE-ZEITUNG aus Rostock warnt vor den Gefahren, denen Fernreisende sich oft aus Unwissenheit aussetzen:

"Das monatelange Martyrium der 14 Urlauber sollte all jene naiven Weltenbummler klüger machen, die ihr Reiseziel ausschließlich nach Sonnenscheindauer, Naturwundern und Abenteuerfeeling auswählen. Wer in Regionen wie Südalgerien reist, ist erheblichen Risiken ausgesetzt. Der frühere Generalinspekteur der Bundeswehr, Klaus Naumann, warnte schon vor mehr als zehn Jahren, dass sich ein terroristischer Krisenbogen von Marokko bis Pakistan spannt. Dennoch muss es kein Fernreisender mit dem Schriftsteller Eugen Roth halten, der einmal sagte: 'Die besten Reisen, das steht fest, sind oft die, die man unterlässt.'"

Nun zur Rentendebatte in Deutschland. Dazu meint der BERLINER KURIER:

"Rentner möchte man derzeit wirklich weder sein noch werden. Jeden Tag gibt es neue Parolen. Jeden Tag wächst die Verunsicherung. Niemand weiß genau, was gehauen und gestochen ist. Die Altersbezüge der Zukunft werden schrumpfen. Nur das ist so sicher wie das Amen in der Kirche: Wie schlimm es tatsächlich kommt, weiß nicht einmal der liebe Gott. Dass die Renten auf 40 Prozent vom Brutto sinken, ist nur die halbe Wahrheit. Denn diesen Idealfall erreicht kaum ein Arbeitnehmer. Frauen mit Kindern schon gar nicht. Es wird Zeit, den Menschen reinen Wein einzuschenken - auch wenn der ihnen sauer aufstößt. Sie wollen die ganze Wahrheit hören - und sie vertragen sie auch."

Die MITTELBAYRISCHE ZEITUNG aus Regensburg analysiert die Rentendebatte ebenfalls kritisch:

"Nachdem die Politiker vor allem der SPD, aber auch der Union, mindestens die letzten 20 Jahre dem Volk vorgemacht haben, 'Die Renten sind sicher' (Norbert Blüm), überbieten sie sich jetzt in Horror-Szenarien. Mit dem Gespenst der Altersarmut will man das zu lange mit Sicherheitssprüchen narkotisierte Volk wachrütteln. Das Ergebnis: Angst geht um bei den Alten und bei den Jungen. Die ist bekanntlich ein schlechter Ratgeber."

Abschließend mahnt die MÄRKISCHE ALLGEMEINE aus Potsdam eine ehrliche Rentendebatte an:

"Später in den Ruhestand gehen und dafür weniger Rente bekommen. Das sehen die Überlegungen der Rürup-Kommission vor - und so dürfte es auch kommen. Schuld daran ist zum einen die hohe Arbeitslosigkeit, die dazu führt, dass immer weniger Beitragszahler in die Kasse einzahlen. Zum anderen sorgt die demographische Entwicklung dafür, dass immer weniger Junge die Altersbezüge für immer mehr Ältere erarbeiten müssen. Deshalb ist es richtig, wenn die Rürup-Kommission deutlich macht, dass künftig das Rentenniveau deutlich niedriger sein muss als heute - wenn die Beiträge nicht ins Uferlose steigen sollen. Die üblichen Beschwichtigungen führender SPD-Politiker, man werde nicht alle Kommissionsvorschläge umsetzen, helfen den Bürgern nichts. Damit wird die Stunde der Wahrheit nur auf die nächste Legislaturperiode verschoben."

  • Datum 19.08.2003
  • Autorin/Autor zusammengestellt von Christina Pannhausen.
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  • Permalink http://p.dw.com/p/3zZb
  • Datum 19.08.2003
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