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Politik

Pressestimmen von Dienstag, 16. August 2005

Rückzug aus dem Gaza-Streifen / Weltjugendtag / Bundestagswahlkampf


Der Rückzug der Israelis aus dem Gaza-Streifen, der Weltjugendtag wie auch die Blüten, die der Bundestagswahlkampf treibt - das sind die wesentlichen Kommentarthemen der deutschen Tageszeitungen an diesem Dienstag. Der FRÄNKISCHE TAG aus Bamberg lenkt den Blick auf den Nahost-Konflikt und notiert:

"Ausgerechnet Ariel Scharon, der politische Hardliner und einstige Schutzherr der Siedler, hat dieses Projekt durchgesetzt, an das sich keiner seiner Vorgänger herangewagt hat. Linke Regierungschefs wie Rabin und Peres hatten zwar Konzepte unter dem Motto 'Land für Frieden' entwickelt. Aber es musste ein stramm rechter Haudegen wie Scharon mit seinen umstrittenen Methoden zur Macht kommen, um dieses ursprünglich 'linke' Ziel anzugehen. Scharon wagt dabei viel - für die radikalsten unter den Siedlern ist er längst der Todfeind."

Die in Lüneburg erscheinende LANDESZEITUNG ergänzt:

"Ariel Scharon opfert die 21 Siedlungen im Gaza-Streifen, um die 150 im Westjordanland zu sichern. Gerät der Abzug bis Mittwoch zur Katastrophe, ist seine Wiederwahl ausgeschlossen. Damit legt Scharon sein Schicksal in die Hände der Extremisten, die er als Kopf der Siedlungspolitik einst stark machte. Vielleicht hilft der Prestigeerfolg des Gaza-Abzugs dem Palästinenserpräsidenten Abbas, endlich das Gewaltmonopol in seinem Rumpfstaat zu erobern und die Terroristen zu entmachten. Dies wäre die Voraussetzung, damit der Gaza-Abzug - ungewollt - zum Präzedenzfall und damit zum Wegbereiter für einen dauerhaften Frieden werden kann."


Der in Bayreuth herausgegebene NORDBAYERISCHE KURIER fragt angesichts des Weltjugendtags:

"Findet in Köln nur ein Mega-Event, ein Spektakel mit dünnem spirituellen Anstrich statt? Wohl kaum. Das Welt-Treffen ist die Form, in der Jugend von heute Religion gerne auslebt. Mit Musik, Tanz, Predigt, Großkundgebung, Streitgespräch aber auch Stille und Geborgenheit. Es ist auch die Suche nach himmlischen Sphären in ansonsten grauen irdischen Niederungen. Das Forschen nach dem, was Leben und Glauben ausmacht. In der Gemeinschaft lässt sich dies alles besonders intensiv erleben."

Deutlich kritischer ist der Meinungsbeitrag der WESTDEUTSCHEN ZEITUNG aus Düsseldorf - Zitat:

"Benedikt XVI. sagt: 'Die Kirche lebt. Und die Kirche ist jung.' Wenn dies nicht nur Worthülsen bleiben sollen, gehören beim Weltjugendtag Themen auf die Agenda, die junge Menschen in aller Welt berühren - wie das Kondomverbot des Vatikan oder etwa seine Einstellung zur Aids-Präventation in Afrika. Da die Amtskirche in ihrer Dialogfähigkeit bekanntlich begrenzt ist, sind die Pilger selbst gefordert, kritisch und selbstbestimmt zu diskutieren."


Noch einmal Themenwechsel - und zwar zum politischen Gezerre um die Äußerungen von CSU-Chef Stoiber und nun auch um ein mögliches Streitgespräch mit Linkspartei-Spitzenmann Oskar Lafontaine. Das HANDELSBLATT in Düsseldorf stellt fest:

"Wie ein gereizter Stier hat Edmund Stoiber attackiert doch kurz vor der Arena wird er plötzlich lammfromm: Er mag Oskar Lafontaine nicht mehr bei einem Duell auf die Hörner nehmen. Statt einer Live- debatte will Stoiber ein schriftliches Streitgespräch. Das ist wie Stierkampf mit Feldhasen und Gummidegen. Wer den anderen frontal angeht, sollte nicht anschließend mit fadenscheinigen Begründungen zurückhoppeln: Dass der Mann für Stoiber, den Neben-Kanzlerkandidaten der Union, nicht satisfaktionsfähig ist und dieses Privatduell Lafontaines Truppe der Frustrierten ein tolles Forum bietet, muss dem CSU-Chef doch wohl vorher klar gewesen sein. Schließlich kommt er aus dem klugen Teil Deutschlands."

Und die THÜRINGER ALLGEMEINE - sie erscheint in Erfurt - stellt die Frage:

"Ist das schon die Harald-Schmidt-Show oder noch immer die Real- Satire des Wahlkampfes 2005? Draußen warten fünf Millionen Menschen auf eine plausible Antwort darauf, wann sie endlich Arbeit bekommen, hangelt sich die Wirtschaft von einem wachstumsschwachen Jahr zum nächsten, und die politische Klasse spielt mitten im Sommer Fastnacht. Das törichte Geschwätz eines Edmund Stoiber beschäftigt bereits seit einer Woche die Nation, ohne dass ein Ende abzusehen ist. Als könne ein Duell zwischen dem Bayern und dem Saarländer, ob nun vor Kameras oder schriftlich, tatsächlich zur Klärung der Sachlage beitragen. Das ist Gaga."
  • Datum 15.08.2005
  • Autorin/Autor Stephan Stickelmann
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  • Permalink http://p.dw.com/p/73HV
  • Datum 15.08.2005
  • Autorin/Autor Stephan Stickelmann
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