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Politik

Presseschau von Montag, 04.November

Lage der FDP / NOK-Wahl

Die Vorgänge in der FDP bleiben beherrschendes Thema der
Zeitungs-Kommentare auch an diesem Wochenbeginn. Ausserdem steht der Machtwechsel bei den deutschen Olympia-Funktionären im Mittelpunkt der Analysen. Zunächst zu den Liberalen -

DIE WELT aus Berlin sieht die Lage so:

'Eigentlich wäre die Politik von Rot-Grün eine Steilvorlage für
die FDP. Mehr Staat, mehr Steuern, mehr Abgaben. Wem wollte vor diesem Hintergrund nicht der organisierte Liberalismus wie die perfekte Alternative erscheinen? Doch die alte FDP, die jetzt auf den Plan treten müsste, gibt es nicht mehr...es ist nicht Möllemann allein, der diese Partei um ihre Kernkompetenz gebracht hat. Der Bruch mit der programmatischen Seriosität begann spätestens, als
Parteichef Guido Westerwelle im Frühjahr 2001 die FDP zur
'Volkspartei' ausrief und sich so ohne Not einer Idee Möllemanns unterwarf.'

Noch kritischer geht die NEUE RUHR/NEUE RHEIN ZEITUNG aus Essen mit den Liberalen ins Gericht:

'Der Lack ist ab von Guido Westerwelle, dem jungen Hoffnungsträger der FPD. Der enttäuschende Wahlausgang und die Führungsschwäche im Fall Möllemann haben den einstigen Star der Liberalen entzaubert. (...) Nur weil es gegenwärtig keine personelle Alternative gibt, kann
sich Westerwelle noch im FDP-Vorsitz sicher fühlen. Aber die
Verfallszeit läuft. Stichtag ist der 2. Februar 2003. Dann werden in Hessen und Niedersachsen neue Landtage gewählt. Scheitert die FDP, wird die Debatte um Parteichef Westerwelle mit voller Wucht ausbrechen.'

Zu einer ähnlichen Wertung kommt die MITTELDEUTSCHE ZEITUNG in Halle:

'Die gesamte FDP ist inzwischen mit im Sumpf. Es geht nicht darum, ob der Vorsitzende und seine Generalsekretärin nun einen bestimmten Brief gelesen haben oder nicht. Es ginge darum, vergessen zu machen, dass der gesamte Bundesvorstand vor der Wahl geradezu begierig darauf
war, den Möllemannschen Geist aus der Flasche zu lassen, anstatt sie ganz fest zu verkorken.'


Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG aus München sieht die deutsche Parteien-Landschaft in grossen Nöten:

'Der politische Narziss, berauscht von sich, seiner eigenen
Großartigkeit und seinem Tatendrang ist maßlos, hochmütig und von perfider Rücksichtslosigkeit im Umgang mit anderen, mit seiner Partei und mit den Gesetzen. Er hält sich selbst für den Größten, für den Besten, für den Wichtigsten, er hält sich für den, ohne den nichts geht...abgebrüht, umtanzt von Schmeichlern und resistent gegen Beratung. Die Rede ist also nicht nur von Möllemann und Westerwelle. Und die Rede ist nicht nur von der FDP. Sie ist nicht die erste Partei, die der Narzissmus ihrer Leitfiguren erst erhöht und zu schönen Erfolgen geführt, aber dann fast in den Abgrund gestürzt hat.'

Themawechsel und zur Wahl eines neuen Chefs des Nationalen Olympischen Komitees. Dazu heisst es in den STUTTGARTER NACHRICHTEN:

'Der große Jubel mochte nach der Wahl Klaus Steinbachs ins hohe Amt des deutschen Sports nicht aufkommen. Zu sehr verstießen die Wahlkampf-Scharmützel der beiden Lager gegen die ethischen Regeln, die der Sport an sich selbst so gerne preist. Es wurde geholzt, getarnt, getäuscht und getrickst. Klar ist: Steinbach muss über die hohen Hürden, die er selbst aufgestellt hat...Die Doping-Problematik
lastet auf dem Sport wie Blei, die Finanznöte von Verbänden und Vereinen sind vielerorts dramatisch. Auch die Olympia-Bewerbung verträgt mehr Elan. Kein Zweifel: Der deutsche Sport braucht zeitgemäße Strukturen. Aber das Geklüngel machtbewusster Funktionäre hat dies stets verhindert. Warum sollte sich das mit Klaus Steinbach ändern?'

Und schließlich noch die SAARBRÜCKER ZEITUNG zum Thema NOK:

'Die Wahl in Nürnberg war ein gutes Stück gelebter Demokratie, einfach erfrischend. Nun sollte der neue oberste Olympier Deutschlands aufpassen, dass sich nach dieser Wahl keine unversöhnlichen Fronten bilden. Steinbachs grundsätzliches Credo heißt: Ein starkes, eigenständiges NOK als gleichberechtigter Partner bei allen
Gesprächen....Der erste dicke Prüfstein wird die Bewerbung
einer deutschen Stadt für die Olympischen Spiele im Jahr 2012 sein. Mehreren Umfragen zufolge begeistern sich 80 Prozent aller Bundesbürger für ein solches Vorhaben.'

  • Datum 03.11.2002
  • Autorin/Autor zusammengestellt von Hanns E.Petrik
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  • Permalink http://p.dw.com/p/2nvw
  • Datum 03.11.2002
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