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Kultur

Presseschau: Positives Echo auf päpstliche Enzyklika

Die Enzyklika von Papst Benedikt XVI. hat in der internationalen Presse meist positives Echo gefunden. Nur wenige Kommentatoren meinen, der Papst wollte nur seinen Ruf als "Großinquisitor" korrigieren. Ein Überblick.

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Die erste Enzyklika von Papst Benedikt erhält viel Lob

In Deutschland war das Papst-Dokument überwiegend positiv aufgenommen worden. Die "Welt" schreibt beispielsweise: "Diese Enzyklika wird alle enttäuschen, die sich darauf gefreut hatten, vom neuen Papst enttäuscht zu werden. Benedikt XVI. gibt nicht den Reaktionär, den viele in ihm sehen möchten, er ist nicht mit Attacken gegen Feministinnen zu Diensten, sein Lehrschreiben 'Gott ist die Liebe' führt keine Fehde gegen Kondome. (…) Nein, der deutsche Papst hat einen spektakulär maßvollen Text."

Für die englische Zeitung "The Times" hat der Papst "eine lyrische und leidenschaftliche Abhandlung über die verschiedenen Formen der Liebe" geschrieben und dabei den richtigen Ton getroffen: "In Stil und Inhalt ist diese Enzyklika mystisch, und sie ist ausdrücklich ein Text für unsere Zeiten."

Der Kommentator der konservativen spanischen Zeitung "ABC" befand, dass der Text "die ausgeprägten intellektuellen Qualitäten des Papstes und die didaktischen Fähigkeiten eines guten Lehrers" reflektiere. Der Papst hebe "die ökumenische Seite seines Pontifikats hervor, das durch eine Öffnung der katholischen Kirche zur protestantischen und orthodoxen Welt gekennzeichnet ist. (…) Benedikt XVI. erteilt eine glänzende Lektion in Sachen Theologie und Anthropologie."

Die linksliberale französische Tageszeitung "Libération" hätte sich dagegen mehr grundlegende programmatische Aussagen gewünscht: "Seine mit großer Spannung erwartete erste Enzyklika sollte den Ton für sein Pontifikat angeben. Doch sie enttäuscht selbst die Vatikan-Intimkenner."

Papst Benedikt Päpstliche Enzyklika veröffentlicht

"Gott ist Liebe" - lyrisch und leidenschaftlich oder programmatisch und abstrakt?

Die italienische "La Stampa" befürchtet, dass die erste "Regierungserklärung" von Papst Benedikt XVI. einigen Menschen "bei oberflächlicher Lektüre als wenig pragmatisch und fast schon abstrakt" erscheinen könnte.

Der Kommentator des Schweizer "Tages-Anzeigers" vermutet, dass Papst Benedikt XVI. mit der Enzyklika sein Image korrigieren will: "Hat er die Weltöffentlichkeit durch seine früheren Dokumente zu Ökumene, Sexualität oder Befreiungstheologie jeweils brüskiert, so vermeidet er in diesem päpstlichen Rundschreiben Härten und Schärfen."

Für die spanische Zeitung "El Mundo" hat Papst Benedikt XVI. den Imagewandel schon geschafft. Einst als "Rottweiler Gottes" bezeichnet, sorge der neue Papst ständig für neue Überraschungen: "Das gilt auch für seine erste Enzyklika, in der Benedikt der XVI. sich als ein Prophet der Liebe erweist. (…) Der Papst übt Kritik an jenen, die den Namen Gottes mit Rache, Hass und Gewalt in Verbindung bringen. Diese Worte sind nicht nur an die Propheten des Hasses im Islam gerichtet, sondern auch an wichtige Führer in der westlichen Welt."

In das gleiche Horn stößt die italienische Zeitung "La Repubblica": "Wer noch immer dem Stereotyp Joseph Ratzingers als Panzerkardinal nachgehangen hat, muss sich jetzt widerlegt fühlen. Der deutsche Pontifex macht darauf aufmerksam, dass die heutige Welt, die geistig zersplittert und orientierungslos ist, klare Worte braucht. Und die Liebe ist das klarste und das am hellsten scheinende Wort von allen."

Die Enzyklika sei ein "ermutigender Einstand", dem jetzt aber Taten folgen müssten, urteilt die christlich orientierte niederländische Zeitung "Trouw": "Mit seiner Ode an die Liebe weckt der Papst Erwartungen, die er erfüllen muss. Eine so hoch gestimmte Enzyklika darf nicht in Unverbindlichkeit untergehen." (gh)

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  • Datum 26.01.2006
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