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Sport

Presseschau: "Kein Grund zu schimpfen"

Die deutsche Presse ist geteilter Meinung über die Sperre von Torsten Frings. Einige halten den Beschluss der Fifa für gerechtfertigt, andere nennen sie einen "Moloch".

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Enttäuschter Fings nach Fifa-Entscheidung

Die "Nordsee-Zeitung" (Bremerhaven) schreibt am Dienstag (04.07):

"Doch leider hat Torsten Frings im allgemeinen Siegestaumel am Freitagabend mit dem Abpfiff seine Tätigkeit auf dem Platz nicht eingestellt. Er hätte ab 19.42 Uhr keinen Argentinier mehr ausschalten müssen. Er hat es aber getan. Nicht wie die anderen deutschen Spieler mit offener Handfläche als Abwehrhaltung. Es war die Faust, die Fernsehbilder zeigen es deutlich. Und deswegen gibt es keinen Grund für Fußball-Deutschland, auf irgendwen zu schimpfen oder gar wüste Machenschaften hinter dem Fifa-Urteil zu vermuten. Wer sich unsportlich verhält, wird bestraft. Egal was vorher passiert ist."

Die "Dresdner Neueste Nachrichten" meinen:

"Bei allem Für und Wider: Über die Sperre sollte sich Frings nicht beklagen. Ein gestandener Führungsspieler wie er darf sich zu so etwas nicht hinreißen lassen. Zudem ist den Italienern jetzt der Wind aus den Segeln genommen, hätten die Deutschen mit einem eingesetzten Frings gegen sie gewonnen. Das werden die Klinsmann-Jungs aber auch so. Stark genug sind sie dafür allemal."

Die "Nürnberger Zeitung" urteilt:

"Dass die Hinweise und Bilder auf Frings Verfehlung just aus Italien kamen, ist schon seltsam. Die Italiener haben zwar keine offiziellen Schritte eingeleitet, aber den ersten Impuls gegeben. Herr Lehrer, ich weiß was. Fairplay sieht anders aus. Nun wird sich zeigen, wie es um den viel zitierten Teamgeist in der deutschen Mannschaft bestellt ist. Sie muss den Ausfall eines absoluten Leistungsträgers auffangen und die bisher härteste Nagelprobe bestehen. Jetzt erst recht, lautet das Gebot der Stunde. Die Klinsmänner werden heute auch für Frings kämpfen. Damit der noch ein

Spiel bekommt. Das Endspiel."

Die "Volksstimme" (Magdeburg) schreibt:

"Ein Schlag ist ein Schlag und er bleibt es eben auch, selbst wenn man provoziert wurde. Da ist es ziemlich egal, wie man diesen Ausraster, und der war es, hinterher begründet. An dieser bitteren Wahrheit kommen Torsten Frings und der deutsche Fußball wohl oder übel nicht vorbei. Dass auch die FIFA, die an die Sache zunächst nur halbherzig herangegangen war und den Fall erst später wieder aufrollte, nicht sehr gut aussah, hilft den Deutschen nicht wirklich weiter. Die Spieler müssen einfach wissen, dass sie bei Turnieren wie einer WM von zwei Dutzend Kameras auf Schritt und Tritt beobachtet werden. Denen entgeht nichts. Im Gegensatz zu Spielentscheidungen werden Videobeweise bei Tätlichkeiten eben doch herangezogen. Das hätte Frings wissen müssen. Und auch, dass die Aufgabe gegen Italien ohne ihn nun ungleich schwerer wird.

Andere Zeitungen zweifeln die Entscheidung und die Fifa an. So schreibt der "Fränkische Tag" (Bamberg):

Mit dem Richterspruch bleibt der Weltfußballverband seiner Linie treu: Das Urteil entspricht wieder einmal der typischen Lesart dieses bürokratischen und unbeweglichen Molochs um seinen Präsidenten Joseph Blatter. Es ist nicht mehr als ein fauler Kompromiss. Wenn die Fifa davon überzeugt ist, dass Torsten Frings eine Tätlichkeit begangen hat, dann hätte sie ihn gemäß den Statuten für sechs Spiele sperren müssen. Wenn die Fifa den Deutschen für unschuldig gehalten hätte, hätte sie ihn freisprechen müssen. Nur diese Alternativen wären möglich gewesen."

Der "Schwarzwälder Bote" (Oberndorf) meint:

"1:0 für Italien: Torsten Frings fehlt im heutigen Halbfinale. Doch egal, jetzt erst recht, möchte man den "Klinsmännern" zurufen, ihr packt die Italiener auch ohne den Mittelfeld-Staubsauger. Dieses für viele wenig nachvollziehbare Urteil kann weitere Kräfte freisetzen. Vom riesengroßen Selbstvertrauen gar nicht zu reden. Alle werden sich

zerreißen. Schließlich wollen wir Weltmeister werden."

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