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Nahost

Presseschau: "Eine seit 30 Jahren andauernde Medien-Lüge"

Viele Araber, die in Saddam Hussein den letzten arabischen Helden gesehen hatten, sind bitter enttäuscht über das unrühmliche Ende. Die Kommentatoren arabischer Zeitungen analysieren seine Rolle.

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Die meisten Kommentatoren arabischer Medien äußern kein Mitleid mit dem irakischen Ex-Diktator. Allerdings werden teilweise auch sehr kritische Töne gegenüber den USA angeschlagen.

Die in Saudi-Arabien erscheinende Tageszeitung "Akadh" beschäftigt sich mit der Frage, ob nach Saddam Husseins Festnahme nun endlich die Gewalt im Irak zurückgehen wird: "Bis jetzt behaupteten die Amerikaner, dass Saddam und seine Anhänger hinter dem Widerstand stünden. Aber: Wird der Widerstand jetzt zu Ende gehen, nachdem Saddam in Kriegsgefangenschaft geraten ist? Und: Welche Gründe werden die USA wohl nennen, wenn der Widerstand dennoch weiter ginge?!"

Die in London erscheinende "Al-Hayat" betont: "Saddam Husseins Schicksal bedauert niemand in der arabischen Welt. Er war stur, beging Fehler und Verbrechen sowie Abenteuer, die den Arabern nichts gebracht haben. Das Einzige, was zu bedauern ist, ist die Tatsache, dass das Ende des Diktatur jetzt nicht von den Irakern selbst besiegelt worden ist. Denn die US-Macht, die ihnen zur Hilfe kam, ist vor der Festnahme Saddams eine Besatzungsmacht gewesen - und sie bleibt es auch danach. Es ist nur zu natürlich, dass die Amerikaner Saddams Festnahme für ihre Zwecke ausnutzen - genauso wie sie seine Fehler, Abenteuer und Verbrechen ausnutzten, als er noch an der Macht war."

Und weiter analysiert die Zeitung die Rolle Saddams. "Kein Despot war jemals so nützlich für eine ausländische Macht wie Saddam. Die USA haben ihm viel zu verdanken, weil er ihre Präsenz tief in der arabischen Region erleichterte. Saddam lieferte den Amerikanern die leichtesten militärischen Siege - und er versetzte sie in die Lage, die politische Landkarte der Region neu zu zeichnen. Und noch mehr: Saddam versorgte die Amerikaner mit Gründen und Argumenten, von denen sie nur träumen konnten, um der Welt ihre Maßstäbe für Gut und Böse vorzuführen. Und um ihre gesamte unvernünftige Politik zu rechtfertigen."

Und schließlich ein Blick in die ebenfalls in London erscheinende Tageszeitung "As-Sharq Al Awasat": "Saddam ist am Ende - und mit ihm ist eine Epoche voller Lügen, Blut und Illusionen abgeschlossen worden. Saddam ist in einem unterirdischen Loch - und nicht in einer uneinnehmbaren Burg - festgenommen worden. Das heißt: Die Amerikaner haben gelogen, als sie behaupteten, Saddam ließe unvorstellbare Tunnelsysteme bauen. Allerdings log auch Saddam Hussein, als er vorgab, er werde sich als wahrer arabischer Ritter gebärden - und dann umzingelt, mit der Waffe in der Hand, sich selbst verteidigend sterben. Er trug nun aber keine Waffe in der Hand!"

Die Zeitung spricht zudem us, was viele Araber in der Region bewegt: "Was wir sahen, war vielmehr eine seit 30 Jahren andauernde Medien-Lüge. Ein Führer ergibt sich kampflos, die arabische Straße ist traumatisiert - und arabische Medien geben sich erstaunt, weil der "Held" noch nicht einmal vor laufender Kamera Widerstand leistet. Alles, was zuvor geschehen war, war eine Lüge. Und auch alles, was bis dahin gesagt wurde, war eine Lüge."

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