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Fokus Osteuropa

Pressefreiheit in Mazedonien desolat

Freedom House hat Mazedonien ein schlechtes Zeugnis ausgestellt. Der Jahresbericht zur Pressefreiheit der amerikanischen Organisation wird in Skopje von Journalisten begrüßt, aber auch kritisiert.

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Schwierige Arbeitsbedingungen für Journalisten

Die mazedonischen Medien haben den Internationalen Tag der Pressefreiheit mit einer Aktion "Fünf Minuten tosender Stille" begangen. Am 3. Mai um 12 Uhr unterbrachen die Medien das Programm für fünf Minuten. Damit wollten sie auf die Lage der Medien im Land hinweisen. Dem jüngsten Jahresbericht der amerikanischen Organisation Freedom House zufolge ist die Pressefreiheit in Mazedonien desolat. Dieses Land steht auf Platz 110 von 167 der weltweiten Rangliste zum Grad der Pressefreiheit. Es steht auch hinter allen Nachbarländern und den Ländern des ehemaligen Jugoslawien.

"Mazedonien verdient besseren Platz"

Einigen Journalisten in Mazedonien zufolge ist die Einschätzung von Freedom House unrealistisch. Aber kaum jemand bestreitet, dass für eine höhere beziehungsweise wirkliche Pressefreiheit noch einiges getan werden muss. Katerina Blazevska, Chefredakteurin der Skopioter Zeitung Dnevnik, meint, der Journalismus in Mazedonien sei frei. "Ich glaube, die Einschätzungen von Freedom House basieren auf bestimmten Ereignissen aus der Zeit, als ein Journalist zusammengeschlagen und zwei Journalisten vor den Wahlen in Mazedonien Drohungen erhielten. Aus diesen Einzelfällen kann aber kein Gesamtbild erstellt werden." Blazevska ist allerdings davon überzeugt, dass Journalisten auch weiterhin bedroht werden, insbesondere in kleineren Orten, wo der Einfluss lokaler Kräfte größer ist. "Die Lage der Pressefreiheit in Mazedonien ist nicht so schlecht. Mazedonien müsste auf der Skala von Freedom House einen höheren Platz einnehmen. Daran müssen allerdings auch wir Journalisten mitarbeiten."

"Politiker unschuldig"

Der Fernsehjournalist Vasko Eftov sagt dagegen, die Qualität der Medien in Mazedonien sei sehr schlecht: "Die Journalisten haben nicht die Pressefreiheit erreicht. Wir verhalten uns wie Alligatoren, die von Zeit zu Zeit mit Fleisch gefüttert werden und wir sind damit zufrieden." Eftov kann sich jedoch nicht des Eindrucks verwehren, dass "die Qualität des Journalismus vor zehn Jahren besser war als heute, und die Schuld dafür tragen nicht die Eigentümer der Medien oder die Politiker, sondern wir allein." Er verfolge die Medien auf dem ganzen Balkan und sagt: "Alle sind besser als unsere und haben einen höheren Grad an Pressefreiheit. Damit müssen sich nun die Journalisten auseinandersetzen."

"Journalisten lassen sich alles gefallen"

Eftovs Meinung teilt auch Jadranka Kostov, Chefredakteurin des politischen Magazins Fokus, dass in der Region Mazedonien in Fragen Pressefreiheit am schlechtesten abschneidet. Dafür gebe es zwei Gründe: "Zum einen die Regierung in Skopje, die meines Erachtens alles kontrollieren will, und dafür sind die Medien ein wichtiges Glied in der Kette." Sie dienten dafür, die öffentliche Meinung zu prägen oder "besser gesagt, zu vernichten – statt die Behörden zu kontrollieren, dienen ihnen die Medien." Der zweite Grund liegt bei den Journalisten und den Medien selbst. "Sie lassen sich alles gefallen, das kommt ihnen wahrscheinlich aus verschiedenen Gründen gelegen, wie beispielsweise aus Konformismus oder Furcht," so Jadranka Kostov.

Goran Petrevski, Skopje
DW-RADIO/Mazedonisch, 3.5.2005, Fokus Ost-Südost