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Aktuell Deutschland

Presse: Haftbefehl gegen Hoeneß im März

Gegen Bayern-Präsident Hoeneß lag ein Haftbefehl vor, schreibt die "Süddeutsche Zeitung". Er sei in der Steueraffäre nur durch eine hohe Kaution auf freiem Fuß. War seine Selbstanzeige also doch nicht strafbefreiend?

Gegen den Präsidenten des FC Bayern München und Würstchen-Fabrikanten Uli Hoeneß lag nach Online-Berichten der "Süddeutschen Zeitung" (SZ) ein Haftbefehl vor, der kurz darauf aber wieder außer Vollzug gesetzt wurde. Nach SZ-Informationen wurde Hoeneß am 20. März von Strafverfolgern der Staatsanwaltschaft München II zunächst vorläufig festgenommen. Demnach sei er erst gegen eine Kaution von fünf Millionen Euro wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Die vorläufige Festnahme könnte ein erster deutlicher Hinweis sein, dass die Selbstanzeige vom Januar möglicherweise doch nicht strafbefreiend sein wird.

Ursprünglich seien von Hoeneß sieben Millionen Euro gefordert worden. Der Bayern-Präsident habe vorübergehend Auflagen erfüllen und sich regelmäßig bei den Behörden melden müssen, so die SZ-Recherche. Die Ermittler hatten im März das Anwesen von Hoeneß durchsucht, um Unterlagen für das Steuerverfahren zu beschlagnahmen.  

Hoeneß bereut

Immer neue Details werden bekannt, die Debatte über den Verdacht der Steuerhinterziehung und Millionen-Konten in der Schweiz kocht hoch und könnte fünf Monate vor der Bundestagswahl auch den Wahlkampf bestimmen. Der Druck auf Hoeneß war in den vergangenen Tagen offenbar so groß geworden, dass er sich jetzt erstmals auch selbst geäußert hat.

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Der (tiefe) Fall des Uli Hoeneß

Sein Schweizer Konto bezeichnete er dabei als "schweren Fehler". Er versuche diesen Fehler mit seiner Selbstanzeige "zumindest halbwegs wiedergutzumachen", sagte der 61-jährige Manager der "Sport Bild". Er wolle "reinen Tisch machen", so Hoeneß in der Zeitschrift (Dienstag). Und: "Das Gesetz bietet ja diese Möglichkeit". An einen Rücktritt als Bayern-Präsident denke er nicht.

Die "Süddeutsche Zeitung" meldete unter Berufung auf Justizkreise, Hoeneß habe seit mehr als zehn Jahren versteuertes Geld in Millionenhöhe bei einer Züricher Bank angelegt, ohne aber in Deutschland Kapitalertragssteuer gezahlt zu haben.  

Hoeneß als Spekulant: Millionen vom Adidas-Chef 

Ex-Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus (foto: imago/Sven Simon)

Stellte Hoeneß Millionen zur Verfügung: Ex-Adidas-Chef Louis-Dreyfus (gestorben 2009)

Nach neuen Berichten des Blattes handelte es sich bei dem fraglichen Geld um insgesamt 20 Millionen Mark (gut 10,2 Millionen Euro), die Hoeneß im Jahr 2000 vom damaligen Chef des Sportartikelherstellers Adidas, Robert Louis-Dreyfus, für Spekulationsgeschäfte erhalten haben soll. Fünf Millionen Mark seien von Louis-Dreyfus direkt überwiesen worden, fünfzehn Millionen seien eine Bürgschaft für einen Kredit gewesen.

Die Zahlung ist auch deshalb brisant, weil Adidas sich nur ein Jahr später mit zehn Prozent am FC Bayern beteiligte. Bislang scheint es aber keinen Hinweis auf einen Zusammenhang zwischen dem privaten Hoeneß-Geschäft und dem Deal zu geben. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft laufen die Ermittlungen gegen Hoeneß weiterhin nur wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung.

Die Hoeneß-Affäre hat in Deutschland die Debatte über Steuerbetrug und Steueroasen neu entfacht. Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich enttäuscht vom Bayern-Chef. Steuerhinterziehung sei ein "schweres Delikt", das das es "keine Rechtfertigung" gebe, so Regierungssprecher Steffen Seibert. 

SC/ml (afp, rtr, dpa, agonline)

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