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Deutschland

Premiere für Merkels Neuen

So prominent war ein neuer Regierungssprecher noch nie. Der langjährige Nachrichten-Moderator Steffen Seibert verkauft künftig die Politik der Bundesregierung. Jetzt hatte er seinen ersten Auftritt vor der Presse.

Der neue Regierungssprecher Steffen Seibert (Foto: AP)

Der neue Regierungssprecher Steffen Seibert

Abend für Abend hat er zu einem Millionenpublikum gesprochen - durch die Fernsehkameras. Als er nun Auge in Auge einem Saal voller Hauptstadt-Korrespondenten gegenüber saß, gestand Steffen Seibert: "Ich bin echt nervös." Die Journalisten im Saal schonten den Neuling nicht, wollten alles ganz genau wissen. Auch, warum der für seine Neutralität geschätzte Nachrichtenmann überhaupt der Bundeskanzlerin zugesagt hat, ihr Regierungssprecher zu werden. Weil er die Ziele dieser Bundesregierung teile, antwortete Seibert, und "weil ich eine große Sympathie, vielleicht auch Bewunderung, für die Arbeit der Bundeskanzlerin habe".

Vor seiner Zeit als Nachrichtenmoderator war Seibert Korrespondent in Washington. Dort lädt, wie fast überall, die Regierung zu den Pressekonferenzen. In Berlin dagegen sind es die Journalisten selbst, die drei Mal in der Woche den Regierungssprecher zu sich bitten. Den Fernsehkorrespondenten Werner Gößling von Seiberts früherem Sender ZDF haben sie zu ihrem Vorsitzenden gewählt, er leitete die Pressekonferenz mit Seibert und erläuterte ihm, dass in der Bundespressekonferenz alle Medien gleich behandelt würden. Auch die Auslandskorrespondenten hätten Teilnahme- und Fragerecht, was, wie Seibert aus Washington wisse, nicht in allen Hauptstädten dieser Welt üblich sei.

Tücken und Freuden des neuen Amtes

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Regierungssprecher Steffen Seibert im Bundespresseamt in Berlin (Foto: APN)

Die Kanzlerin will sich "vernünftig verhalten" und Seibert wenig Ärger machen

Die Fallstricke der Sprechertätigkeit lernte Seibert auch gleich kennen. Er wurde nach angeblichen Drohungen der Energiekonzerne gefragt, kurzfristig Atomkraftwerke abzuschalten. Über die laufenden Gespräche zur Zukunft der Kernenergie werde nicht berichtet, versuchte Seibert auszuweichen. Die Kanzlerin, fügte er auf Nachfrage hinzu, sehe das genauso, nämlich dass es nicht hilfreich sei für laufende Gespräche, "wenn irgendwelche Drohgebärden nach außen dringen". Womit Seibert indirekt doch bestätigte, dass es Drohgebärden gegeben hat.

Nicht jede Information, die man hat, preiszugeben, ist die eine Kunst des Regierungssprechers. Die andere ist, überhaupt an die Informationen zu kommen. Frühere Regierungssprecher hatten oft damit zu kämpfen, dass sie wenig von ihren Chefs erfuhren. Steffen Seibert hat das Glück, dass seine neue Chefin selbst Sprecherin der letzten DDR-Regierung war, bevor sie in die Politik ging. Sie führte den 50-Jährigen im Anschluss an seine erste Pressekonferenz offiziell in sein Amt ein und versicherte schmunzelnd: "Ich werde versuchen, mich so vernünftig zu verhalten, dass Sie möglichst wenig Ärger mit mir haben."

Die Erfahrung von Seiberts Vorgänger spricht dafür, dass Angela Merkel sich daran hält. Denn Ulrich Wilhelm hatte immer guten Zugang zur Kanzlerin.

Autor: Peter Stützle
Redaktion: Kay-Alexander Scholz

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