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Kultur

Premier Rudd spricht von "Massenmord"

Die Opferzahl der Brände im Südosten Australiens steigt weiter. Ministerpräsident Rudd macht Brandstifter für viele der Feuer verantwortlich. Sein Justizminister McClelland fordert, sie wegen Mordes anzuklagen.

Premierminister Rudd im Interview vor einem Gebäude, vor dem Bäume stehen (ap)

Ein schockierter australischer Premierminister Rudd

"Es gibt keine anderen Worte, das Gesehene zu beschreiben, als Massenmord", sagte Australiens Premierminister Kevin Rudd am Montag (09.02.2009) im Fernsehen. "Die Anzahl der Toten ist unbeschreiblich und ich befürchte, dass sie noch weiter steigen wird". Mindestens 173 Menschen kamen bei den bislang schlimmsten Bränden in der Geschichte des Landes ums Leben. Die Zeitung "The Australian" berichtet von Befürchtungen, dass wahrscheinlich sogar bis zu 230 Menschen in den Flammen ums Leben gekommen sind. Diese Zahl sei bei einem Krisentreffen genannt worden. Unterdessen wurde eine etwa 100 Beamten umfassende Sonderkommission der Polizei zur Untersuchung der Buschfeuer gebildet. Sie soll auch nach möglichen Brandstiftern fahnden. Das berichtete ABC News am Dienstag (10.02.2009).

Warnung vor weiteren Bränden

Eine abgebrannte Farm (ap)

Ein Bild der Verwüstung: eine zerstörte Farm

Der Ministerpräsident des am schlimmsten betroffenen Bundesstaats Victoria, John Brumby, machte keine Hoffnung auf eine baldige Eindämmung der Brände. Es gebe zwar riesige Anstrengungen, die Feuer unter Kontrolle zu bekommen. Er rechne aber mit weiteren Opfern in dieser Woche. Nach Angaben der örtlichen Behörden fachen wechselnde Winde die Feuer immer wieder an. Diese könnten sich weiter östlich über die Brandschneisen ausdehnen, die tausende von Helfern gegraben hätten. Seit Freitag breitete sich die Flammenwalze immer weiter aus.

Ein Geschäftsmann aus der Stadt Yackandandah nahe Melbourne sagte, die Bewohner seien sehr angespannt. Man hoffe, dass sich die Wetterbedingungen änderten. Die in der Nähe liegenden Städte Marysville und Kinglake wurden fast komplett zerstört. Nach Angaben der örtlichen Polizei sehen sie aus wie Geisterstädte. Allein in Kinglake kamen mindestens 32 Menschen ums Leben. Bislang wurden 3500 Quadratkilometer ein Raub der Flammen - das entspricht der Fläche der deutschen Bundesländer Hamburg und dem Saarland zusammen. Mehr als 1000 Häuser wurden zerstört.

Krankenhäuser im Notstand

Ein Bagger (rechts) schafft ein ausgebranntes Auto (links) nahe Kingslake fort (ap)

Ein Bagger schafft ein ausgebranntes Auto nahe Kingslake fort

In den Krankenhäusern liegen noch viele Menschen mit schweren Verbrennungen und Verletzungen. Ein Arzt sagte, die Körper einiger Patienten seien zu 30 Prozent verbrannt; manche hätten Verletzungen, die schlimmer seien als bei Opfern der Terroranschläge auf Bali im Jahr 2002. Die Krankenhäuser in Melbourne haben kaum noch Kapazitäten, um Verletzte zu behandeln. Das Alfred Hospital, eine der größten Kliniken der Stadt, fürchtet, dass die Morphiumvorräte ausgehen. Ein Arzt sagte der Tageszeitung "The Age", einige Patienten auf der Intensivstation würden ihre Verbrennungen nicht überleben. Manche Patienten würden wahrscheinlich bis zu sechs Monate brauchen, um sich von ihren Verletzungen zu erholen. Kirchenvertreter riefen am Montag zu Blut- und Geldspenden auf, um den Betroffenen zu helfen.

Viele Menschen kamen in den Flammen ums Leben, weil sie versuchten, ihren Besitz zu schützen. Andere starben auf der Flucht in ihren Fahrzeugen. Die Helfer entdeckten viele Leichen in Autowracks. Die Menschen hätten sich in Panik in ihre Autos gesetzt und seien geflüchtet. Weil sie wegen des starken Rauchs nichts hätten sehen können, seien sie gegen Bäume gefahren oder mit anderen Autos zusammengestoßen. Die rasend schnellen Feuerwalzen hätten die Flüchtenden in ihren Autos eingeholt. Die Flammen machten ganze Ortschaften dem Erdboden gleich. Unter den zerstörten Gebäuden sind auch Kirchen und kirchliche Einrichtungen.

Helfer erschöpft

Zwei Feuerwehrmänner spritzen Feuer inmitten eines brennenden Buschs (ap)

Brandbekämpfung bis zur Erschöpfung

Zehntausende Freiwillige sind am Boden im Einsatz, unterstützt von Soldaten und Feuerwehrleuten - die meisten sind am Rande der Erschöpfung. Unterstützt werden die Brandbekämpfer von Flugzeugen aus der Luft. Neuseeland sagte 100 Helfer zu. Der Versicherungskonzern Allianz schätzte, die Schäden könnten sich auf mehr als 500 Millionen australische Dollar (etwa 260 Millionen Euro) belaufen.

Buschbrände brechen in Australien jährlich aus. In diesem Jahr kamen aber ungünstige Bedingungen wie extreme Trockenheit und Hitze dazu. Einige der Feuer wurden aber nach Polizeiangaben gezielt gelegt. Justizminister Robert McClelland forderte am Montag, Brandstifter wegen Mordes vor Gericht zu stellen. Außerdem schlug er vor zu prüfen, ob das nationale Frühwarnsystem verbessert werden könne. Regierungschef Kevin Rudd befürchtet, dass der Wiederaufbau der zerstörten Städte Jahre braucht. Er kündigte ein Hilfspaket von umgerechnet 5,2 Milliarden Euro an.

Die Naturkatastrophen in seinem Land - im Norden steht der Bundesstaat Queensland nach schweren Überschwemmungen unter Wasser - dürften den Druck auf den Premier verstärken, mehr für den Klimaschutz zu tun. Für Mai hat er ein entsprechendes Programm angekündigt. Dieses geht Umweltschützern aber nicht weit genug. Die Umweltstiftung WWF erklärte am Montag, die Erwärmung des Klimas werde zu noch schlimmeren Trockenheiten und Feuern führen. Für Sydney geht die Organisation von einem Temperaturanstieg von 4,8 Grad Celsius zum Jahr 2070 aus. Die schlimmen Folgen der Brände in Australien hingen aber vor allem mit mangelnder Prävention und der "ungenügenden Einstellung des Menschen auf natürliche Gegebenheiten" zusammen. (hy)

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