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Amerika

Premier mit Manager-Qualitäten

Paul Martin tritt am Freitag (12.12.) die Nachfolge des kanadischen Premierministers Jean Chrétien an. Mit seinen Manager-Qualitäten will er sein Land auf Erfolgskurs bringen - auch im Bezug auf den großen Nachbarn USA.

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Chrétien geht, Martin kommt

Für "ganz schön cool" befand Bono, Sänger der Rockband U2 den neuen Kanadischen Premierminister Paul Martin - schließlich hatte der 65jährige Politiker gerade erst eine kräftige Finanzspritze für die Notleidenden in Afrika versprochen. So viel soziales Gewissen sind die Kanadier von Martin gar nicht gewohnt, bislang kannten sie ihn als kühlen Rechner und unerbittlichen, wenngleich sehr erfolgreichen Finanzminister.

Erfolgskurs

Mit seinem Eintritt in die kanadische Regierung unter dem liberalen Jean Chrétien hatte Paul Martin Kanada seit 1993 auf wirtschaftlichen und finanziellen Erfolgskurs gebracht. Dabei kam ihm sein Vorleben in der freien Wirtschaft zu Gute: Als Vizepräsident des kanadischen Konzerns "Power Corp" hatte er Karriere und Millionen gemacht, als der Konzern 1981 ein großes Schiffsunternehmen loswerden wollte, erwarb Martin die Firma und sanierte sie. 22 Jahre lang kannte Kanada ihn als stahlharten Manager.

Diese Linie setzte er in der vergangenen Dekade als einer der erfolgreichsten Finanzminister Kanadas fort: Innerhalb weniger Jahre sanierte er die desolaten Staatsfinanzen und 1998 konnte er einen ausgeglichenen Haushalt mit dem ersten Überschuss seit den 1970er Jahren vorlegen. Kritiker warfen ihm jedoch stets die damit einher gehenden tiefen sozialen Einschnitte vor.

Widersacher und Thronfolger

2002 endete seine Ära als Finanzminister mit einem Eklat: Mit einer überraschend massiven Umbildung des Kabinetts versuchte Premier Chrétien seine durch Rücktrittsgerüchte, Korruptionsanschuldigungen und das Ränkespiel übereifriger Nachfolgekandidaten untergrabene Autorität wieder herzustellen. Der Finanzminister und Chrétiens schärfster Rivale musste seinen Hut nehmen. Doch der innerparteiliche Druck hielt an, so dass Chrétien am 18. November 2003 seinen Rücktritt noch vor Ende seiner Amtszeit 2004 ankündigte. Im Vorfeld hatte Martin bereits auf dem Parteitag der Liberalen Partei im November Chrétien mit 94 Prozent der Delegiertenstimmen den Parteivorsitz abgerungen.

Nun tritt Martin auch Chrétiens Nachfolge an der Regierungsspitze an: als 21. Premier wird er am Freitag (12.12.) vor der kanadischen Generalgouverneurin Clarkon, der Vertreterin der britischen Königin Elizabeth II., den Amtseid ablegen.

Was erwartet Kanada?

Im Gegensatz zu seinem früheren Chef ist der 65jährige Katholik aus einer Familie französischer Einwanderer politisch eher rechts der Mitte einzuordnen. Weitere Steuersenkungen, konsequenter Kampf gegen die Defizitwirtschaft, Einsparungen an allen Ecken und Enden, um vage Versprechen zur Sicherung des Sozialnetzes und zur Besserstellung der Gemeinden erfüllen zu können - so dürften Martins Leitlinien aussehen

Außenpolitisch visiert Martin eine erneute Annäherung an die USA an, nachdem sich sein Vorgänger mit seiner Anti-Kriegs-Haltung in die diplomatische Eiszeit mit dem Nachbarn katapultiert hatte. Auch hier werfen ihm Kritiker bereits vor, Washington zu weit entgegenkommen zu wollen. Martin hat etwa angekündigt, dass er einen Beitritt Kanadas zum umstrittenen Raketenabwehrsystem der USA für sinnvoll halte. Ferner will sich Martin für eine stärkere internationale Führungsrolle Kanadas einsetzen.

Beobachter erwarten, dass Martin für das Frühjahr eine vorgezogene Parlamentswahl ansetzt, um sich das Amt des Ministerpräsidenten für eine volle fünfjährige Legislaturperiode zu sichern.

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