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Wissen & Umwelt

Preisgekrönter Blick ins Hühnerei

Weibchen oder Männchen? Eine Leipziger Tierärztin hat neue Methoden entwickelt, um das Geschlecht von Küken schon im Ei zu bestimmen. Sie erhält dafür den Felix-Wankel-Tierschutz-Forschungspreis.

Henne oder Hahn? Das ist die Frage, die die Veterinärmedizinerin Maria-Elisabeth Krautwald-Junghanns bei ihren Forschungen umtreibt. Der Grund für ihre Neugierde: Bei Legehühnern sind die männlichen Küken unerwünscht, denn sie legen keine Eier. Es lohnt sich aber auch nicht, sie zu mästen, da sie zu wenig Fleisch ansetzen. Die makabere Lösung: Die Küken werden gleich nach dem Schlüpfen gehäckselt oder erstickt. Alleine in Deutschland sind das jedes Jahr über 40 Millionen - weltweit sind Schätzungen nach etwa zweieinhalb Milliarden im Jahr dem Tod geweiht.

Wenn schon vorher bekannt wäre, ob aus einem Ei eine Henne oder ein Hahn schlüpfen wird, könnten die Zuchtbetriebe von vorneherein nur die Hennen ausbrüten. "Das wäre definitiv eine gute Sache", sagt Marius Tünte, Pressesprecher beim Deutschen Tierschutzbund. "Dann tötet man nicht ausgeprägtes Leben." Wichtig ist allerdings, dass eine Geschlechtsbestimmung vor dem zehnten Entwicklungstag funktioniert - bevor der Hühnerembryo Schmerz empfinden kann.

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Henne oder Hahn? - Das entscheidet über Leben und Tod

Krautwald-Junghanns hat Methoden entwickelt, die eine Geschlechtsbestimmung nach wenigen Bebrütungstagen ermöglichen.

Entnimmt man einem Hühnerei, in dem sich gerade ein Embryo entwickelt, an der richtigen Stelle etwas Flüssigkeit, verrät diese das Geschlecht: Bei einer Henne enthält sie weibliche Geschlechtshormone, darunter Östradiol, beim Hahn nicht.

"Diese Methode klappt gut", sagt Maria-Elisabeth Krautwald-Junghanns, Tierärztin und Forscherin an der Universität Leipzig im Interview mit der DW. "Wir können damit zuverlässig das Geschlecht am neunten Lebenstag des Embryos bestimmen."

Krautwald-Junghanns und ihr Team arbeiten in einem Forschungsprojekt gemeinsam mit Kollegen der Universität Dresden und dem Fraunhofer-Institut für Zerstörungsfreie Prüfverfahren (IZFP) in Dresden.

Erfolgreich mit Schwächen

Krautwald-Junghanns und ihre Kollegin Almuth Einspanier haben diese hormonbasierte Methode schon erfolgreich im Großversuch in Brütereien getestet. Aber das Verfahren hat Nachteile: Hühnerküken schlüpfen nach 21 Tagen; am neunten Tag ist der Embryo daher bereits schon relativ weit entwickelt, mit Herz, Augen und allem, was dazu gehört. "Ein Tierschutzverfechter könnte dann sagen, das ist fast wie eine Abtreibung", sagt die Forscherin.

Zudem ist die Methode relativ teuer, denn sie benötigt Verbrauchsmaterial: Testkits, ähnlich einem Schwangerschaftstest.

Tierschützer, Forscher und die Industrie sind sich einig: Besser wäre ein Verfahren, das das Geschlecht im befruchteten, aber noch unbebrüteten Ei bestimmt. Dann existiert lediglich eine Keimscheibe, ein sehr frühes Embryonalstadium aus vielen tausend Zellen, die einen Hohlraum umgeben. Das Geschlecht ist anhand der Geschlechtschromosomen in diesen Zellen aber bereits festgelegt.

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Ins unbebrütete Ei schauen

Bei Vögeln sind die männlichen Geschlechtschromosomen größer als die weiblichen, enthalten also mehr DNA. Aus der Menge an DNA in einem Ei lässt sich daher auf das Geschlecht rückschließen.

Bisher entnehmen die Forscher dem Ei dafür einige Zellen, in Zukunft soll es berührungsfrei funktionieren, über eine Art Lichtstrahl, der ins Ei leuchtet. Dafür müssen die Forscher zunächst mit einem Laser ein winziges Loch in die Eierschale brennen, bei der nur das Schalenhäutchen stehenbleibt. Durch dieses winzige Loch müssen sie dann die Keimscheibe erfassen.

Das Problem: "Das befruchtete Ei ist kein Auto mit definierten Teilen an definierten Orten, sondern ein Lebewesen", erklärt Krautwald-Junghanns. "Die Keimscheibe liegt also nicht immer am gleichen Ort, sondern wandert." Und zu viele Löcher darf ein Ei nicht bekommen, da sich sonst kein gesundes Huhn mehr darin entwickeln kann.

Der Vorteil der Methode: Die unbebrüteten Eier ließen sich weiterverwenden - zwar nicht mehr als Frühstückseier, aber zum Beispiel für die Herstellung von Tierfutter.

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