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Wirtschaft

Preisanstieg dämpft deutsche Wachstumsfreude

Europas größte Volkswirtschaft gibt das Tempo vor: Nach den Wirtschaftsforschern wird auch die deutsche Regierung ihre Wachstumsprognose anheben. Allerdings gibt es schlechte Nachrichten von der Preisfront.

Ein Werbeplakat zum Ende der Krise und einem beginnenden Aufschwung. (Foto: dpa)

Die Aussichten für die deutsche Wirtschaft könnten besser nicht sein. Gerade erst haben die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute des Landes ihre Wachstumsprognose für dieses Jahr fast um die Hälfte auf 2,8 Prozent nach oben geschraubt. Im kommenden Jahr erwarten die Forscher dann immer noch einen Zuwachs von zwei Prozent. Auf Grundlage dieser Daten wird nun auch die Bundesregierung am kommenden Donnerstag (14.04.2011) ihre eigene Projektion veröffentlichen.

Rainer Brüderle, der zuständige Minister aus den Reihen der FDP, sagte der Zeitung "Bild am Sonntag", er gehe davon aus, dass die Prognose "besser ausfallen wird als die bisherige Annahme von 2,3 Prozent". Nach Angaben der Nachrichtenmagazine "Spiegel" und "Focus" geht die Regierung von mindestens 2,5 Prozent aus. Das allerdings läge unter den Erwartungen der Forschungsinstitute.

Auch IWF und Bundesbank optimistisch

IWF-Chefökonom Olivier Blanchard (Foto: dpa)

IWF-Chefökonom Olivier Blanchard wird den Ausblick vorstellen

Ebenfalls in diese Richtung geht die Einschätzung des Internationalen Währungsfonds. Der legt am Montag (11.04.2011) im Vorfeld der Frühjahrstagung in Washington seinen weltwirtschaftlichen Ausblick vor - und der verzeichnet nach Informationen des "Spiegel" ein kräftiges Plus in Deutschland: 2011 werde die Wirtschaftsleistung um 2,5 Prozent zulegen, 2012 um 2,2 Prozent.

Der ansonsten zurückhaltende Chef der Deutschen Bundesbank, Axel Weber, sieht den Aufschwung auf stabilen Füßen: Auch die japanische Katastrophe sowie die Schuldenprobleme in der Euro-Zone könnten das deutsche Wachstum "nicht nennenswert" abbremsen, so der noch bis Ende April amtierende Weber nach den Beratungen der EU-Finanzminister am Samstag (09.04.2011) im ungarischen Gödöllö.

Krise schneller als andere abgehakt

Bundesbank-Chef Axel Weber (Foto: dpa)

Bundesbank-Chef Weber sieht Wachstum - auch bei den Preisen

Damit dürfte nach Webers Einschätzung Europas größte Ökonomie den schweren Einbruch des Rezessionsjahres 2009 deutlich schneller als die meisten anderen Länder in Europa verdaut haben Das Bruttoinlandsprodukt der Eurozone mit seinen 17 Mitgliedsländern werde "etwa erst zum Ende des Jahres 2012" wieder auf dem Vorkrisenniveau sein, sagte Weber. Deutschland könne das schon Ende dieses Jahres erreichen, "obwohl wir im Vergleich zum Euroraum insgesamt einen viel tieferen Konjunktureinschnitt hatten, aber eben auch eine höhere Dynamik jetzt", sagte er.

Die Kehrseite der Medaille aber ist die steigende Inflationsrate. Vor allem Energie- und Rohstoffpreise, die zuletzt deutlich zugelegt hatten, tragen zu einem deutlichen Preisauftrieb bei. Von Preisstabilität spricht die Europäische Zentralbank bis zu einer Inflationsrate von zwei Prozent. Diese Warnschwelle könnte im Laufe des Jahres überschritten werden.

Inflation als Euphoriebremse

Symbolbild Kleingeld (Foto: picturalliance)

Einkaufen, Tanken, Heizen: Es wird wieder teurer

Durch die aktuellen Tarifabschlüsse in Deutschland sieht Bundesbank-Chef Weber die Preissteigerung hierzulande gar an die drei Prozent herankommen. Wirtschaftsminister Brüderle sagte, er sehe zumindest keine akute Inflationsgefahr: "Mittelfristig ist hier durchaus Vorsicht angebracht." Schließlich seien zur Bewältigung der Finanzkrise die Märkte massive mit billigem Geld überschwemmt worden.

Vergangenen Donnerstag hatten die europäischen Währungshüter mit der ersten Zinserhöhung seit fast drei Jahren den Wechsel weg vom billigen Geld eingeleitet. Mit dieser Entscheidung hat die EZB praktisch auch den Kampf gegen die drohende Inflationsgefahr begonnen.

Autor: Henrik Böhme (mit rtr, dpa)

Redaktion: Dirk Eckert

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